ERFOLG: Hauptprobe bestanden

Im kommenden Jahr findet in Lenzerheide die WM statt. Die Schweizer Aushängeschilder sind dafür bereit. Beim Heim-Weltcup wird Jolanda Neff Vierte, während Nino Schurter weiterhin unbesiegt ist.

Raya Badraun, Lenzerheide
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Jolanda Neff steigerte sich im Vergleich zum Saisonstart deutlich. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Jolanda Neff steigerte sich im Vergleich zum Saisonstart deutlich. (Bild: Gian Ehrenzeller/KEY)

Raya Badraun, Lenzerheide

Die Strecke in Lenzerheide ist nicht die schwierigste im Weltcup. Dennoch stellt sie die Mountainbiker vor eine Herausforderung. Der Rundkurs ist physisch anspruchsvoll. Immer wieder mussten die Fahrer von ihrem Rad steigen, um knifflige Passagen sicher zu bewältigen. Es ist deshalb fast unmöglich, flüssig zu fahren, das Tempo zu finden und es mitnehmen. «Man muss herausfinden, wie viel Gas man geben darf, um es noch ins Ziel zu schaffen», sagte Jolanda Neff. In den vergangenen Jahren war dies nicht ihre Stärke. Obwohl sie damals noch die Weltnummer eins war, schaffte sie es beim Heim-Weltcup sowohl 2015 als auch 2016 nicht ganz an die Spitze. Auch gestern verpasste sie das Podest. Hinter der Überraschungssiegerin Annie Last aus Grossbritannien, der Norwegerin Gunn-Rita Dahle Flesjaa und der Ukrainerin Jana Belomoina wurde die Rheintalerin Vierte.

Im Zielbereich wirkte sie dennoch fröhlich und gelöst. «Ich freue mich sehr», sagte Neff. Sie hatte endlich das Gefühl, die Strecke im Griff zu haben. In den vergangenen Tagen konnte sie intensiv auf dem Rundkurs trainieren. Das sie nun ein besseres Gefühl hatte, wird ihr auch im Hinblick auf die Heim-WM im kommenden Jahr helfen. Doch auch kurzfristig ist das gute Ergebnis wichtig für sie.

Schlammrennen bei den Männern

«Es ist eine Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin», sagte Neff. In zwei von drei Weltcup-Rennen schaffte sie es in dieser Saison nicht unter die besten zehn Fahrerinnen. Oft musste sie kämpfen. Auch gestern hätte sie gegen Ende wohl Mühe gehabt, wenn das Rennen nicht verkürzt worden wäre. Ursprünglich waren sieben Runden geplant. Während dem Wettkampf wurde eine gestrichen, weil das Rennen sonst zu lange geworden wäre. «Das war ideal für mich», sagte Neff. Auch mit dem Wetter hatte sie Glück. Während der letzten Runde verdunkelte sich der Himmel. Doch erst als die Frauen das Ziel erreichten, fing es in Lenzerheide an zu regnen.

Pünktlich zum Start der Männer hörte es zwar wieder auf, doch der Boden war nun aufgeweicht und die Wurzeln noch rutschiger. «Schlammrennen habe ich nicht besonders gerne», sagte Nino Schurter nach dem Wettkampf. Andere konnten zu Beginn besser mit den Bedingungen umgehen, etwa der holländischen Radquerspezialist Mathieu van der Poel. Schurter stand so schon früh unter Druck. Immer wieder griff er bei den Aufstiegen an, die Gegner konnte er jedoch nie ganz distanzieren. Sie blieben stets an seinem Hinterrad und übernahmen zwischendurch gar kurzzeitig die Führung. Das könnte ein schwieriges Rennen werden, dachte Schurter, der sich ohnehin nicht besonders gut fühlte an diesem Tag. Um die Gegner zu Fehlern zu zwingen, hielt er dennoch den Druck die ganze Zeit hoch.

Seine Strategie ging am Ende auf – wenn auch knapp. Mit lediglich drei Sekunden Vorsprung auf den Tschechen Jaroslav Kulhavy setzte er sich schliesslich durch. Dritter wurde überraschend der Russe Anton Sinzow, der den Franzosen Maxime Marotte auf Platz vier verwies. Für Schurter war es in dieser Saison bereits der vierte Sieg im vierten Weltcuprennen. Der Triumph im Gesamtweltcup ist ihm damit vor den letzten beiden Rennen im August kaum mehr zu nehmen. Zudem bestand er mit seinem Triumph auch die Hauptprobe für die Heim-WM im kommenden Jahr. «Ich freue mich sehr darauf», sagte Schurter. «Und hoffe, dass es dann nicht regnet.»