«Er tadelt alle, nur sich nicht»

Die Medien feiern das Ende von Sepp Blatters Fifa-Präsidentschaft. Der frühere Fifa-Mediendirektor Guido Tognoni sagt: «Sepp Blatter sieht sich schon immer nur als Opfer.» Ausgestanden ist die Sache für Blatter wohl noch lange nicht.

Patricia Loher
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FUSSBALL. Für zwei der mächtigsten Männer im Weltsport waren es bittere Stunden. Fifa-Präsident Sepp Blatter und Uefa-Chef Michel Platini wurden am Montag von der Fifa-Ethikkommission für acht Jahre gesperrt. Während Platini schriftlich Stellung nahm – der Franzose liess verlauten, dass er den Fifa-Institutionen jegliche Legitimität und Glaubwürdigkeit abspreche – erregte Blatter nur eine Stunde nach Bekanntgabe des Urteils an einer Medienkonferenz in Zürich grösseres Aufsehen.

Der 79-Jährige wirkte angeschlagen, mit einem Pflaster auf der Wange und Dreitagebart trat er vor die Weltpresse. Es war sein vielleicht letzter grosser Auftritt, zu seinen Gunsten nutzen konnte er die Bühne nicht. Blatter zeigte keine Einsicht. Er kann das Urteil der Ethikkommission, die er einst selbst ins Leben gerufen hatte, nicht verstehen. «Blatter tadelt jeden anderen ausser sich selbst, nachdem er zusammen mit Platini für acht Jahre gesperrt wurde. Die Fifa-Dinosaurier sind endgültig ausgestorben», schrieb die englische Zeitung «Daily Mail».

«Damit hat er nicht gerechnet»

Blatters persönlicher Berater, Klaus J. Stöhlker, sagte am Montagabend auf Tele Züri, Blatter sei davon ausgegangen, freigesprochen zu werden. Denn Blatter und seinem Anwalt sei mitgeteilt worden, der Vorwurf der Korruption werde fallengelassen. Blatter habe schliesslich eine Stunde vor der Pressekonferenz aus den Medien vom Verdikt erfahren. «Das hat dazu geführt, dass er sich nicht vorbereiten konnte. Er hat nicht mit solch einem harten Urteil gerechnet.» Der frühere Fifa-Mediendirektor Guido Tognoni unterstellte Blatter in einem Interview mit dem bayrischen Radiosender BR2 Realitätsverlust. «Sepp Blatter lebt in seiner eigenen Welt. Er sieht sich schon immer nur als Opfer, seit Jahrzehnten. Wenn irgendetwas war, war er nie der Schuldige, sondern das Opfer.»

Blatter und Platini wollen das Urteil weiterziehen. Vorerst an den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne, und notfalls bis vor das Bundesgericht, obwohl vor allem Blatter früher immer scharf reagiert hatte, wenn Clubs oder Funktionäre aus dem Fussball ein ziviles Gericht anrufen wollten.

Bei der UBS in Nyon entdeckt

Blatter und Platini sind über eine Zahlung von zwei Millionen Franken gestolpert. Laut Blatter ein «Gentlemen's Agreement». Laut Fifa-Ankläger Schmiergeld oder Stimmenkauf im Zusammenhang mit der Wahl des Fifa-Präsidenten 2011. Schon im Oktober hatte die «Bilanz» berichtet, dass die Zahlung bei der UBS in Nyon entdeckt worden sei. Die Bank habe «vorsichtshalber» die Geldwäscherei-Meldestelle informiert. Die Meldung landete bei der Bundesanwaltschaft, die am 25. September eine Strafuntersuchung eröffnete, mit Blatter als Beschuldigtem und Platini als Auskunftsperson. Die Fifa-Ethikkommission sperrte beide für 90 Tage. Am Montag gar für acht Jahre. Vor allem für Blatter ist die Sache wohl noch lange nicht ausgestanden. Noch immer steht zum Beispiel auch der TV-Vertrag mit dem karibischen Verband aus dem Jahr 2005 im Raum. Blatter soll die Rechte zu billig an seinen früheren Weggefährten Jack Warner abgetreten haben.

Wie lange das Verfahren gegen die Fifa dauert, mag Bundesanwalt Michael Lauber nicht abschätzen. Dies hänge auch von der Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten ab. In einem Radio-Interview von SRF sagte Lauber vor wenigen Wochen: «Was länger als fünf Jahre dauert bis zu einem Abschluss, ist schlecht.»

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