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ENTTÄUSCHUNG: Weit von den Ansprüchen entfernt

Grossanlässe bringen Lara Gut selten Glück. Pyeongchang verlässt die 26-jährige Tessinerin aber mit einer besonders mageren Bilanz. Auf die Kombination verzichtet sie nach einem Schlag auf das Knie.
Claudio Zanini, Jeongseon
Lara Gut verpasst in der Abfahrt ein Tor und scheidet aus. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Lara Gut verpasst in der Abfahrt ein Tor und scheidet aus. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))

Claudio Zanini, Jeongseon

Lara Gut stocherte mit den Skistöcken im Schnee von Jeongseon. Sie redete zu den Journalisten hinter dem Absperrgitter, aber ihre Augen fixierten primär die Bohrungen der Stockspitzen. «Klar, denkt man immer an die Medaillen, aber alle Fahrerinnen wollen Medaillen», sagte sie unter anderem. Die Enttäuschung war der Tessinerin anzusehen, wenn auch nicht so offensichtlich wie nach dem vierten Platz im Super-G, als sie weinte. Guts Auftritt nach der Abfahrt war nüchtern, vielleicht ein wenig resigniert. Die Medaillenträume musste sie schon früh ziehen lassen. Nach 35 Sekunden schied sie aus. Vor dem zweiten Sprung erhielt sie einen Schlag ins linke Kniegelenk, danach verpasste sie ein Tor. Gut sagte: «Jetzt nehme ich es noch locker, weil ich weiss, dass ich morgen wieder an den Start gehe.» Sie wolle nun nicht lange rumstehen, sondern das Knie entlasten, schnell ins Hotel und in die Physiotherapie. Dann verabschiedete sich Gut.

Dass sie sich damit sogleich von den Olympischen Spielen abmeldete, war etwa zwei Stunden später in einer Mitteilung von Swiss Olympic nachzulesen. Das linke Knie sei zwar lädiert, aber «keine wichtige Struktur» wurde verletzt. Eine kurze Regenerationspause sei aber nötig, um den weiteren Saisonverlauf nicht zu gefährden. Die Quintessenz: Gut lässt die Kombi sausen. Am Wochenende nach den Winterspielen geht es in Crans-Montana mit dem Weltcup weiter, dort will sie wieder am Start stehen.

Ein läppischer Hundertstel

In der Kombination wäre eine Medaille von Gut zwar eine kolossale Überraschung gewesen, aber allemal ein letzter Strohhalm, um die Olympiabilanz kosmetisch aufzubessern. In ihren drei Einsätzen in Südkorea schaffte sie es zweimal nicht ins Ziel (Riesenslalom und Abfahrt). Im Super-G sah es lange nach einer Bronzemedaille aus, bis Ester Ledecka, die Snowboarderin aus Tschechien, eine der ver­rücktesten Geschichten dieser Winterspiele schrieb, sich Gold schnappte – und Gut vom Podest schob. Die Zeit der Schweizerin war einen läppischen Hundertstel zu langsam für Bronze.

Somit setzte sich die Serie von glücklosen Grossanlässen in der Karriere von Lara Gut fort. Bei ihrer ersten Olympiateilnahme vor vier Jahren hinterliess Gut ­einen zwiespältigen Eindruck. Zwar gewann sie Bronze in der Abfahrt von Sotschi, doch ihre Tränen der Enttäuschung liessen einen als Zuschauer ein wenig ratlos zurück. Im Super-G verpasste sie das Podest um acht Hundertstel und wurde Vierte. In der Kombination schied sie im zweiten Durchgang aus, im ­Riesenslalom war es der neunte Platz. 2010 in Vancouver wäre Gut als hoffnungsvolle Jungathletin vorgesehen gewesen. Doch bevor die Olympiasaison star­tete, verletzte sich die damals 18-Jährige gravierend an der Hüfte beim Training in Saas-Fee. Sie verpasste nicht nur die Spiele, sondern den gesamten Winter.

Auch bei Weltmeisterschaften reichte es Gut nie zum Sieg. In frischer Erinnerung liegt die Heim-WM vor einem Jahr, als sie zum Auftakt Super-G-Bronze ­gewann, sich beim Einfahren für den Kombi-Slalom aber das Kreuzband riss. Dasselbe Knie wurde auch jetzt wieder in Mitleidenschaft gezogen. Ihre erfolgreichste WM war 2009, als sie zweimal Silber gewann, in Abfahrt und Kombination. Zwei Jahre später stürzte sie in der WM-Kombi nur einige Meter vor dem Ziel mit der Bestzeit. 2013 folgte wieder eine Silbermedaille im Super-G, 2015 Bronze in der Abfahrt.

Schwieriger Weg zurück an die Spitze

Sechsmal gewann Gut Edel­metall bei einem Grossanlass, der grosse Triumph gelang ihr nie. Gemäss den eigenen Ansprüchen und dem ausgeprägten Ehrgeiz fuhr sie in Pyeongchang um Medaillen. Doch das Ziel war zu hoch gesteckt. In den Wettkämpfen schlug sich die unkonstante Saison nieder: In der Abfahrt stand sie bisher nie auf dem Podest, im Super-G ist der Sieg von Cortina eine Ausnahmeerscheinung, im Riesenslalom stimmt vieles nicht. Der Weg zurück zum früheren Niveau dürfte ein schwieriger werden für Gut.

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