ENTTÄUSCHUNG: Kein Sprung ins Rampenlicht

Die Schweizer Beachsoccer-Nationalmannschaft scheidet an der WM auf den Bahamas im Viertelfinal aus. Damit verpasst das Team die grosse Chance, endlich Aufmerksamkeit zu generieren.

Fabian Ruch, Nassau
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Spektakuläre Szene: Noel Ott (links) versucht sich an einem Goal per Fallrückzieher.

Spektakuläre Szene: Noel Ott (links) versucht sich an einem Goal per Fallrückzieher.

Fabian Ruch, Nassau

Dejan Stankovic erinnert ein bisschen an einen abgekämpften Gladiator, wenige Minuten nach dem Ausscheiden der Schweizer an der Beachsoccer-WM auf den Bahamas. Niedergeschlagen steht der kräftige Stürmer vor den Journalisten, müde und traurig, auch das Gesicht ist noch stark mit Sand bedeckt, als er in seiner Analyse erstaunlich selbstkritisch sagt: «Wir haben eine gewaltige Chance verpasst. Und ich hätte das Spiel entscheiden müssen, da gibt es keine Zweifel, ich hatte genügend Möglichkeiten.»

Stankovic ist ein Sandfussballer von Weltklasseformat, der Altmeister orchestrierte im Viertelfinal gegen den Iran die Aufholjagd vom 0:2 zum 3:2, vergab danach mehrere Chancen, die Iraner glichen 55 Sekunden vor Schluss aus – und siegten nach Verlängerung 4:3, obwohl die Schweizer auch in der Überzeit deutlich bessere Gelegenheiten besassen. «Das tut sehr weh», sagt Stankovic. Wenige Meter daneben meint sein junger Mitspieler Glenn Hodel, trotz lädiertem grossem Zeh zweifacher Torschütze gegen den Iran, es sei schwierig zu erklären, warum man diese Partie noch verloren habe. «Wir hatten alles im Griff. Aber so ist Beachsoccer. Es kann immer noch etwas passieren.»

Nur ein Achtungserfolg für die Schweizer

Die Enttäuschung bei den Schweizern nach dem Scheitern ist riesengross. Sie spielten ein starkes Turnier, gewannen alle Vorrundenspiele, dominierten die Weltmacht Iran über weite Strecken, obwohl sie nur mit Amateuren antraten. «Wir investierten alle eine Menge», sagt Stankovic, «deshalb ist es so hart, haben wir uns nicht belohnt.» Verpasst hat die helvetische Beachsoccer-Auswahl einen Ausflug ins Rampenlicht übers Wochenende, die mediale Präsenz hätte bei einer Teilnahme heute an den Halb- finalspielen enorm zugenommen, das Schweizer Fernsehen hatte einen Reporter auf die Bahamas geschickt und hätte die letzten Spiele live übertragen, die Affiche im Halbfinal gegen Tahiti wäre spektakulär gewesen. Auf Tahiti hatte Angelo Schirinzi einst den Beach-soccer-Aufschwung vor der WM 2013 im Heimatland ausgelöst. Nun sagt der Schweizer Nationaltrainer: «Wir haben ein gutes, starkes Turnier gespielt. Aber es ist richtig, richtig brutal, so auszuscheiden. Das dritte Gegentor war doof, weil wir vorher zu überhastet agiert hatten.» Auch Schirinzi weiss, was die Schweizer für eine grossartige Gelegenheit aus der Hand gegeben haben – inklusive des durchaus realistischen Traumfinals gegen Rekordweltmeister Brasilien. Wie 2009 an der WM auf Dubai, als Brasilien deutlich siegte. «Das ist die bitterste Niederlage meiner Karriere», sagt Schirinzi, der seit bald zwei Jahrzehnten die Schweizer Auswahl trainiert.

Mehr als ein Achtungserfolg ist den Schweizern auf den Bahamas nicht gelungen, ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit rücken sie mit der Viertelfinalteilnahme nicht. «Es wäre in sportlicher und finanzieller Hinsicht sehr wichtig gewesen, hätten wir den Halbfinal erreicht», sagt Verbands-CEO Reto Wenger. All die schönen Schlagzeilen und netten Geschichten rund um das Final Four am Wochenende bleiben nun Fiktion. Und wirtschaftlich ist die Lage weiter schwierig, die Unterstützung durch den Schweizerischen Fussballverband ist bescheiden, aber möglicherweise gehört Beachsoccer bald schon zu den von Swiss Olympics unterstützten Sportarten. Das würde einiges erleichtern und ermöglichen.

Die Beachsoccer-Verantwortlichen werden weiter hart arbeiten, um Bedingungen zu schaffen, damit die talentierte Nationalmannschaft mit den anderen Topteams der Welt mithalten kann. Das Kader bleibt grösstenteils zusammen, mit Ausnahmekönner Noel Ott, der gegen den Iran nicht brillierte, sowie Aufsteiger Hodel stehen zwei überragende Stürmer bereit, Stankovic zu entlasten. «Wir kommen zurück», sagt Trainer Schirinzi irgendwann noch. Daran mag Stankovic so kurz nach dem Ausscheiden noch nicht denken. Immer wieder schüttelt er den Kopf. «Wir hätten etwas Grosses schaffen können», sagt er. Der 31-Jährige und seine Teamkollegen werden der Niederlage gegen den Iran noch lange nachtrauern.