ENTTÄUSCHUNG: Ein erster Dämpfer

Die Schweizer Skirennfahrer spielten gestern an der WM in St. Moritz keine entscheidende Rolle. Mit dem Bündner Carlo Janka fuhr im Super-G nur ein Einheimsicher unter die besten zehn.

Raya Badraun/St. Moritz
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Zwar sah sich der Berner Beat Feuz im Vorfeld des Super-G nicht als einer der Favoriten, doch er erhoffte sich trotzdem mehr an diesem Tag. (Bild: Christian Pfander/Freshfocus)

Zwar sah sich der Berner Beat Feuz im Vorfeld des Super-G nicht als einer der Favoriten, doch er erhoffte sich trotzdem mehr an diesem Tag. (Bild: Christian Pfander/Freshfocus)

Raya Badraun/St. Moritz

Es war ein tristes Bild, das sich den Medaillengewinnern gestern bot. Der Himmel war verhangen und die Tribünen schon fast leer, als sie für die Flower Ceremony auf den Platz liefen. Die Schweizer Anhänger, die davor im Zielbereich praktisch eine rot-weisse Wand gebildet hatten, waren längst verschwunden. Es war nicht ihr Tag gewesen. Die Hoffnungen im Vorfeld des Super-G waren gross. Eine zweite Medaille nach der bronzenen von Lara Gut gab es jedoch nicht. Das beste Schweizer Resultat war am Ende der achte Rang von Carlo Janka. Das war eigentlich solid, vielleicht sogar eine kleine Erfolgsmeldung. Denn nur einmal, als Vierter in Val d’Isère, schaffte es der 30-jährige Bündner in diesem Winter im Super-G unter die besten zehn. Doch an der WM sind das nur Randnotizen. Was zählt, sind Medaillen, und die gewannen gestern andere.

So trotzten am Ende bei der Blumenübergabe nur noch ein paar kanadische und norwegische Zuschauer der Kälte. Um sich aufzuwärmen, schunkelten sie hin und her, schwenkten die Fähnchen und winkten in die Kameras. Dann traten ihre Skirennfahrer auf das Podest. Das unterste Treppchen nahm der Kanadier Manuel Osborne-Paradis ein, das Geburtstagskind. Gestern wurde er 33 Jahre alt. Platz zwei belegte der Norweger Kjetil Jansrud. Eigentlich war er der Favorit gewesen. In diesem Winter gewann er drei der vier Rennen in dieser Disziplin. Doch mit 45 Hundertstelsekunden Rückstand musste er sich Erik Guay geschlagen geben. Mit 36 Jahren schrieb der Kanadier gestern in St. Moritz Geschichte. Guay ist der bisher älteste Titelträger an einer Ski-WM.

Der Höhepunkt steht noch bevor

Für Beat Feuz war das Podest keine Überraschung. «Ich hatte beide Kanadier auf dem Zettel. Bei Grossanlässen blühen sie jeweils auf», sagte der Emmentaler nach dem Rennen. «Erik zeigte zudem eine brillante Fahrt.» Von Feuz und den restlichen Schweizern konnte das hingegen nicht behauptet werden. Dem Bündner Mauro Caviezel und dem Glarner Patrick Küng reichte es am Ende lediglich zu den Rängen 20 und 22. Feuz wurde immerhin Zwölfter. «Das ist ein erster Dämpfer», sagte Caviezel im Zielbereich. «Alle waren gut drauf, alle ­haben sich gut gefühlt und sich deshalb auch mehr erhofft.» Das war vor allem bei Feuz der Fall. Zwar sah er sich im Vorfeld nicht als einer der Favoriten, wie es viele Aussenstehende getan haben, doch er wünschte sich trotzdem mehr an diesem Tag. «Die Enttäuschung ist sicher da», sagte der Berner. «Doch es ist kein Weltuntergang für mich, denn die Abfahrt kommt erst noch. Diese könnte aus Schweizer Sicht der grosse Höhepunkt werden.»

Am Samstag erhofft er sich bei seinem zweiten Auftritt an dieser Ski-WM deutlich mehr. Die Strecke liegt ihm auch gut, was er diese Woche im Training bereits bewiesen hat. Auch seine Teamkollegen wollen die zweite Chance nutzen, Küng tritt gar als Titelverteidiger an. Doch auf dem Zettel von Feuz stehen auch am Samstag die beiden Kanadier, die gestern die Hauptrollen übernommen haben.

Es wird sich zeigen, welche Anhänger nach der Abfahrt bis zum Ende auf der Tribüne stehen und der Kälte trotzen. Die Farben der Fähnchen, die sie durch die Luft schwenken, werden sich jedoch kaum ändern.