ENTTÄUSCHUNG: Der Exploit bleibt aus

Pablo Brägger und Oliver Hegi gehen an der Turn-WM in Montreal im Reckfinal leer aus und belegen die Plätze vier und acht. Beiden gelingt die Übung im Final nicht nach Wunsch.

Christian Finkbeiner (sda), Montreal
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Pablo Brägger gelingt der finale Reck-Auftritt nicht nach Wunsch. (Bild: Jasmin Schneebeli-Wochner/EQ Images)

Pablo Brägger gelingt der finale Reck-Auftritt nicht nach Wunsch. (Bild: Jasmin Schneebeli-Wochner/EQ Images)

Christian Finkbeiner (SDA), Montreal

Das Beste hatte sich aus Schweizer Sicht zum Schluss angekündigt. Eine spektakuläre Flugshow am Reck zum Abschluss der Titelkämpfe in der ausverkauften Halle im Olympiastadion der Metropole der kanadischen Provinz Québec. In den Hauptrollen mit Pablo Brägger und Oliver Hegi zwei Schweizer mit Medaillenchancen – etwas, das es für die Schweiz seit der Generation um Jack Günthard und Sepp Stalder in den 1950er-Jahren nicht mehr gegeben hatte.

Doch anstatt des erhofften Triumphs und der ersten WM-Medaille eines Schweizers seit 1999 in Tanjin setzte es für die beiden Schweizer Luftakrobaten eine Enttäuschung ab. Im Gegensatz zur EM im Frühjahr in Cluj-Napoca, wo sie magistral geturnt und Gold und Silber gewonnen hatten, gelang Brägger und Hegi der finale Auftritt vor 11 000 Zuschauern nicht nach Wunsch. Europameister Brägger, der als Zweiter an der Reihe war, wurde ein Durchschub-Element mit halber Drehung zum Verhängnis, nachdem ihm die ersten vier Flugelemente seiner Übung tadellos geglückt waren.

Am Barren auf Rang sechs

Der Fehler, den er sich nicht erklären konnte, kostete ihn einen halben Punkt und damit die Medaille. Weil diverse Konkurrenten stürzten, resultierte für den Ostschweizer am Ende der undankbare vierte Rang. Er könne mit dem Erreichten trotzdem zufrieden sein, nachdem er eine gute Stunde vor seinem Auftritt am Reck in seinem ersten WM-Gerätefinal überhaupt den guten sechsten Platz am Barren belegt hatte. «Eine Medaille am Reck wäre das I-Tüpfelchen gewesen», so Brägger.

Im Gegensatz zu Brägger missglückte dem EM-Zweiten Hegi die Übung am Reck komplett, auch wenn der Aargauer einen Sturz vermeiden konnte. «Bereits nach dem ersten Element spürte ich, dass heute nicht mein Tag ist», sagte der WM-Siebte von 2015, der sich diesmal mit Rang acht begnügen musste.

Brägger und Hegi waren aber nicht die Einzigen, welche nicht ohne Makel durch ihre Übung kamen. Spektakulär war der Wettkampf aber trotzdem: Epke Zonderland, der am Schluss noch Zweiter wurde, bekam nach einem Kovacs-Salto die Stange nur mit einer Hand zu greifen und konnte einen Sturz gekonnt vermeiden. Der Japaner Hidetaka Miyachi schliesslich zeigte bei seiner Flugshow mit einem «I-Element» die höchste Schwierigkeit aller Zeiten am Reck, aber musste das Gerät auch einmal verlassen und verpasste die Medaillen. Nicht so der Qualifikationszweite Tin Srbic: der Kroate war als Einziger ohne Schnitzer durch sein Programm gekommen und gewann verdient Gold. Bitter für Brägger: Die Punktzahl von Srbic, die für WM-Gold reichte, war identisch mit Bräggers Resultat in der Qualifikation.

Trotz der leisen Enttäuschung zum Abschluss der Titelkämpfe darf die Schweizer Männerriege auf ihrem Auftritt in Montreal aufbauen. Fünf Finalplätze, drei davon in Gerätefinals, sowie mit Platz zwölf von Brägger das beste Mehrkampf-Ergebnis an einer WM seit Urzeiten sind eine gute Ausbeute. Nationaltrainer Benjamin Fluck hatte vor der WM gefordert, dass sich seine Athleten auch auf internationalem Niveau durchsetzen und einen Namen schaffen. Mit dem Einzug in den Reckfinal bestätigten Brägger und Hegi ihre EM-Erfolge vom Frühjahr und machten den geforderten Schritt. Der Chef Spitzensport des Schweizer Turnverbandes, Felix Stingelin, zeigte sich zufrieden: «Mit fünf Finalplätzen haben wird aber das Maximum an Finals herausgeholt.»