ENTSCHEIDUNG: Spiele gegen die Erinnerung

Heute startet der FC Gossau in Münsingen in die 1.-Liga-Finalrunde. Damit ist das Saisonziel bereits erreicht. Trotzdem hätte Goalie Daniel Giesser nichts gegen eine Zugabe.

Philipp Wolf
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Gossaus Goalie Daniel Geisser will zwar aufsteigen, dennoch sagt er: «Es wäre kein Weltuntergang, würden wir es nicht schaffen.» (Bild: Urs Bucher)

Gossaus Goalie Daniel Geisser will zwar aufsteigen, dennoch sagt er: «Es wäre kein Weltuntergang, würden wir es nicht schaffen.» (Bild: Urs Bucher)

Philipp Wolf

Die Erinnerungen an die Aufstiegsspiele vor zwei Jahren sind noch präsent. 2:0 führte Gossau damals in Lausanne nach einem 1:1 im Hinspiel, die entscheidende Runde zum Aufstieg in die Promotion League schien so gut wie erreicht. So gut wie, denn innerhalb der letzten 30 Minuten verspielte Gossau seinen grossen Vorteil und verlor. Der Traum vom Aufstieg war geplatzt.

Zwei Spielzeiten später lebt er wieder, und heute trifft er erneut auf die Realität. Unabhängig davon, wie dieses Rencontre ausgeht, ist man mit der aktuellen Saison bereits zufrieden. Die Clubführung habe den Wunschgedanken nie als Ziel ausformuliert, sagt Goalie Daniel Geisser. Stattdessen wurde das Erreichen der Finalrunde angepeilt. Nun, dort angekommen, nimmt man es sportlich. Der Verein würde zu einem Aufstieg nicht Nein sagen, meint Geisser. «Verlieren will sicher niemand. Aber es wäre auch kein Weltuntergang, würden wir nicht aufsteigen.»

Aus der Challenge League zu Gossau

Der 26-Jährige weiss, wie es sich anfühlt, aufzusteigen. Vor sechs Jahren stieg der gebürtige Unteregger und heutige Stadtsanktgaller mit dem SC Brühl in die Challenge League auf. Zuvor hatte Geisser die Juniorenabteilung des FC St. Gallen durchlaufen. Das Abenteuer Challenge League endete für Geisser jedoch bereits nach einer halben Saison. Aufgrund einer Verletzung wurde sein Vertrag bei den Brühlern aufgelöst.

Nach dieser Episode heuerte der St. Galler bei Gossau an, dies in erster Linie aus praktischen Gründen. Im Raum St. Gallen gebe es nicht so viele Vereine, die 1. Liga oder höher spielen, und Gossau sei eben einer davon gewesen. Geisser ist froh, dass er sich so entschieden hat. Es gefällt ihm bei Gossau, und mittlerweile ist Geisser einer der Dienstältesten im Team. Gegen Münsingen wird er seine Mannschaft gar als Captain aufs Feld führen, wie er dies aufgrund einer längeren verletzungsbedingten Abwesenheit des eigentlichen Spielführers Daniel Bruggmann schon oft getan hat. Geisser ist nicht der Meinung, dass dieser Umstand seine Rolle während des Spiels wesentlich verändert. Er ist und bleibt der Goalie.

Warum Geisser genau Torhüter wurde und was ihn als solchen ausmacht, dafür hat er keine eindeutige Erklärung. Es gefällt ihm, dass man als Goalie ein Stück weit ein Einzelgänger innerhalb eines Teams ist. Und schliesslich sagt er: «Mein Vater war schon Goalie.» Was das Spielerische angeht, so schreibt er sich keine besonderen Stärken zu. Er besitze aufgrund seiner guten Ausbildung beim St. Galler Nachwuchs wohl einfach ein gutes Gesamtpaket. Daneben halte er noch den einen oder anderen Elfmeter, so Geisser.

Die Stärke Gossaus sieht Geisser in einer guten Mischung zwischen erfahrenen und jungen Spielern. Des Weiteren zeichne sich das Team durch Kontinuität aus. Im Vergleich zu vor zwei Jahren habe sich das Team nicht stark verändert, viele seien schon damals dabei gewesen. Zu dieser Kontinuität gehört auch der Trainer Gossaus, Giuseppe Gambino. Geht es nach Geisser, so zeichnet sich Gambino vor allem durch seine Kollegialität aus: «Man kann mit ihm reden, wenn einem etwas nicht passt, und er ist im Gegenzug ebenfalls offen zu den Spielern.»

Geisser will zumindest die erste Runde überstehen

Neben dem Fussball arbeitet Geisser 100 Prozent bei der St. Galler Sozialversicherungsanstalt. Er habe Glück, einen Arbeitgeber zu haben, der ihm so entgegenkomme. Für das heutige Spiel konnte er auch kurzfristig den Nachmittag freinehmen. Die Vorbereitung unterscheide sich nicht gross von anderen Auswärtsfahrten, sagt Geisser. Der einzige Unterschied sei vielleicht, dass man den Gegner nicht so gut kenne und ihn so im Vorfeld der Aufstiegsrunde auch nicht speziell studieren konnte. Immerhin kenne man den Gegner aber ein wenig aus einem Testspiel.

Für die entscheidende Phase der Saison hat sich Geisser das Ziel gesetzt, wenigstens die erste Aufstiegsrunde zu überstehen. Danach will er weiterschauen. Die Mannschaft geht ambitioniert ins Spiel. «Wir wollen gegen Münsingen gewinnen», sagt Geisser. Schliesslich geht es für die Gossauer auch darum, die schmerzliche Niederlage von vor zwei Jahren aus den Erinnerungen zu tilgen.

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