ENTSCHEIDUNG: «Man muss nicht immer clever spielen»

Lugano und die ZSC Lions stehen sich ab heute im Playoff-Final gegenüber. Eine überraschende Paarung, zumal die Zürcher eine schwierige Saison hinter sich haben. «Wir stehen nicht aufgrund unseres Talents hier», sagt ZSC-Captain Patrick Geering.

Sergio Dudli
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Patrick Geering (links) bejubelt seinen Treffer im dritten Halbfinalspiel gegen den SC Bern. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Patrick Geering (links) bejubelt seinen Treffer im dritten Halbfinalspiel gegen den SC Bern. (Bild: Peter Klaunzer/KEY)

Interview: Sergio Dudli

In Zürich reiben sie sich nach wie vor ungläubig die Augen. Die ZSC Lions strauchelten monatelang durch die Qualifikation. Es gab gleich viele Niederlagen wie Siege. Viel zu wenig für einen Club mit dem Anspruch, jedes Jahr um den Titel zu spielen. «Die ZSC Lions kommen nicht voran», schrieb die NZZ im Februar. Doch genau dieses abgeschriebene Team steht im Playoff-Final gegen Lugano. Für den Zürcher Captain Patrick ­Geering das Ergebnis harter Arbeit.

Patrick Geering, die ZSC Lions beendeten die Qualifikation auf dem siebten Rang. Dann folgten die Playoff-Serien gegen die Spitzenteams Zug und Bern. Wie überrascht sind Sie, im Final zu stehen?

Überrascht ist vielleicht das falsche Wort. Wir spielten bis zum Playoff keine gute Saison, blieben sowohl individuell als auch im Kollektiv unter den Erwartungen. Der Wendepunkt war der 5:4-Sieg im zweiten Viertelfinalspiel gegen Zug.

Weshalb war das der Wendepunkt?

Man sagt immer, dass man in den letzten Spielen der Qualifikation einen Lauf haben muss, um für das Playoff bereit zu sein. Den hatten wir definitiv nicht. Dann kam auch noch die Niederlage im ersten Viertelfinalspiel gegen Zug hinzu. Der einzige Lichtblick war das letzte Drittel, dort konnten wir mithalten. Im ersten Spiel im Hallenstadion ist es uns gelungen, an diese Leistung anzuknüpfen. Wir verspielten zwar eine 4:1-Führung, konnten die Partie aber gewinnen. Das war ein Zeichen zur richtigen Zeit.

Warum läuft es bei den ZSC Lions plötzlich?

Es ist genau das eingetreten, was du im Playoff immer willst: Jeder steckt sein Ego zurück und gibt alles für den Erfolg des Teams. Zudem haben wir vier Linien, die regelmässig eingesetzt werden und etwas zum Sieg beitragen können. Zudem kommt uns die Spielweise entgegen, die unser Trainer Hans Kossmann von uns verlangt. Wir spielen sehr geradliniges und einfaches Eishockey. Es geht nicht immer darum, immer den schönen Pass zu spielen. Bis wir das verinnerlicht hatten, dauerte es einige Zeit.

Im Final wartet der HC Lugano. Was erwarten Sie für eine Serie?

Es ist der ewige Nord-Süd-Vergleich, der bereits in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen gesorgt hat. Ich erwarte daher eine enge und hart umkämpfte Serie mit vielen Emotionen. Für uns ist wichtig, dass wir dort ansetzen, wo wir gegen Bern aufgehört haben. Wir haben nicht aufgrund unseres Talents gewonnen, sondern weil wir uns die Siege erarbeitet haben. Man muss nicht immer clever spielen. Oftmals sind harte Arbeit und Einsatz wichtiger.

Lugano stand gegen Biel vor dem Aus, ihr seid mit wenig Kredit in das Playoff gestartet. Wie schwierig ist es in solchen Situationen, den Glauben an seine Fähigkeiten nicht zu verlieren?

Das ist nicht einfach. Aber ich sage mir immer: Man ist nicht so gut, wie es andere sagen, aber auch nicht so schlecht. Wir haben gewusst, dass wir erfolgreich sein können, wenn alle am gleichen Strick ziehen und wir uns auf dem Eis auskotzen. Es gibt eine einfache Regel: Du wirst daran gemessen, was du im Playoff leistest. Die Qualifikation spielt letztlich eine untergeordnete Rolle.

Bei Lugano fielen Schlüsselspieler wie Damien Brunner kurz vor dem Playoff aus. Dadurch hat sich die Spielanlage der Tessiner verändert, ist defensiver geworden. Beschäftigt man sich mit solchen Dingen?

Die Analyse des Gegners gehört zur Vorbereitung. Das haben wir aber erst in den vergangenen Tagen getan. Zuvor wusste ich nicht, was für ein Lugano auf uns wartet. Aber du musst als Mannschaft die Stärken und Schwächen deines Gegners kennen und die Fähigkeit haben, dich ihm anzupassen. Du kannst nicht einfach blind an deinem Spiel festhalten.

Was wird die Serie entscheiden?

Ich bin überzeugt, dass jenes Team gewinnen wird, das härter arbeitet. Über eine Serie von sieben Spielen bin ich der Meinung, dass weder Glück noch Talent oder sonst etwas den Unterschied ausmacht. Es ist eine Frage des Willens und des Einsatzes.

2012 wurden Sie mit den ZSC Lions nach einem siebten Platz in der Qualifikation noch Meister. Werden solche Geschichten in der Kabine thematisiert?

Nein, das hört man nur von den Journalisten. Aber jeder Spieler, der so etwas erlebt hat, erinnert sich in solchen Momenten daran. Es zeigt dir, dass alles möglich ist – und zwar im positiven wie im negativen Sinne.