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ENTHÜLLUNG: Das Kontrollsystem wankt

Das angebliche Sicherheitsproblem bei den Dopingflaschen bringt das Olympische Komitee in Not. Produziert werden die Flaschen von der Toggenburger Firma Berlinger. Dort kündigt man Massnahmen an.
Nikolaj Stobbe (sid)
Die Dopingflaschen der Berlinger Special AG aus dem toggenburgischen Ganterschwil stehen im Zentrum der Diskussionen. (Bild: AP)

Die Dopingflaschen der Berlinger Special AG aus dem toggenburgischen Ganterschwil stehen im Zentrum der Diskussionen. (Bild: AP)

Nikolaj Stobbe (SID)

Als der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, im Olympia-Gastgeberland Südkorea eintraf, hatte auch er das Ausmass des Dopingflaschen-Desasters erfasst. Man sei «sehr besorgt» und erwarte «eine Lösung», teilte das IOC mit. Gut eine Woche vor dem Start der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang steht das Kontrollsystem in Frage. Das weltumspannende Problem mit den angeblich fehlerhaften Behältern der Berlinger Special AG mit Sitz im toggenburgischen Ganterschwil trifft das IOC ins Mark – vier Jahre nach dem russischen Staatsdoping in Sotschi ist eine saubere Abwicklung der Tests in Südkorea nicht garantiert. Ein Recherche-Team mit ARD-Journalisten – auch das Schweizer Magazin «Republik» war an der Aufdeckung beteiligt – hatte die Behältnisse geöffnet und darüber hinaus gezeigt, dass sie nicht fälschungssicher sind.

Berlinger reagiert auf die Vorwürfe

Das Toggenburger Unternehmen nahm in einem Schreiben Stellung zu den Vorwürfen. Darin kündigt es an, in Zusammenarbeit mit der Welt-Antidoping-Agentur allfällige Sicherheitslücken zu überprüfen. Berlinger beteuert, dass man die Tests des Journalistenteams ernst nehme, «wenngleich die Testmethoden nicht im Detail bekannt sind und im Widerspruch zu aufwendigen eigenen sowie unabhängigen Untersuchungen stehen». Sollten sich Sicherheitslücken bestätigen, werde Berlinger zusätzliche Massnahmen zum Schutz der Proben treffen. So werde unter anderem geprüft, an den Winterspielen Dopingbehälter mit einer adaptierten Verschlussmechanik einzusetzen.

Entsprechende Tests sind im Gang, die Ergebnisse werden kommuniziert. «Wir warten jetzt die Resultate dieser laufenden Tests ab. Wenn diese vorliegen, werden wir weiter informieren», erklärt die Medienstelle der Berlinger Special AG auf Anfrage. Die Berlinger Group ist ein in der sechsten Generation geführtes Familienunternehmen. 2015 feierte es das 150-jährige Bestehen, 2016 gewann es den Unternehmerpreis Prix SVC Ostschweiz.

Juristen sehen neue Rechtslage

Die anscheinend ungenügend gesicherten Flaschen sorgen nach Meinung von Juristen für eine neue Rechtslage bei Dopingverfahren. «Die Beweislast trifft nun nicht mehr den Athleten, sondern voll den Verband», sagte der deutsche Rechtsexperte Michael Lehner. Bislang musste der Sportler im Fall eines positiven Dopingtests seine Unschuld beweisen. Nun müsse der Verband beweisen, dass die Behälter nicht manipuliert wurden. Der Jurist rät den Athleten dennoch, die Dopingkontrollen einzuhalten. «Dort aber sollten die Sportler auf dem Formular vermerken, dass sie den Test nur unter Vorbehalt durchführen.» Journalist Hajo Seppelt, der die Recherchen leitete, glaubt sogar, dass für Fälle der Vergangenheit, der Gegenwart und der nahen Zukunft das gesamte Dopingkontrollsystem «nicht mehr sicher und juristisch anfechtbar» sei. «Jetzt muss es einen Plan B für die Olympischen Spiele geben», so Seppelt.

Gegen IOC-Präsident Bach wurden zudem in der Dokumentation schwere Vorwürfe betreffend dem Führungsstil gemacht. Die ehemalige IOC-Athletensprecherin Claudia Bokel prangerte eine fehlende Diskussionskultur in der IOC-Exekutive an. Bokel attackierte vor allem das Verhalten der Spitze in der Russland-Frage. «Wir wollten harte Konsequenzen und dass Russland von den Spielen in Rio beziehungsweise Pyeongchang ausgeschlossen wird», so Bokel. Doch Bach, dem eine Nähe zu Russlands Präsident Wladimir Putin nachgesagt wird, liess offenbar keinen Widerspruch zu. Das IOC wies den Vorwurf zurück. «Claudia Bokel hatte mehrfach die Gelegenheit, sich zu äussern», hiess es. Sie habe an der Sitzung teilgenommen, sich in der Abstimmung aber enthalten.

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