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England will die Schmach gegen Island vergessen machen

Das englische Nationalteam ist jung, hungrig und verfügt mit Captain Harry Kane über einen der weltbesten Stürmer. Grossen Anteil am Wandel hat Trainer Gareth Southgate.
Sergio Dudli
Harry Kane ist Nachfolger von Wayne Rooney als Captain der Engländer. (Bild: Imago)

Harry Kane ist Nachfolger von Wayne Rooney als Captain der Engländer. (Bild: Imago)

Die Fassungslosigkeit und Enttäuschung kannte an diesem 27. Juni vor zwei Jahren keine Grenzen. England unterlag im EM-Achtelfinal dem krassen Aussenseiter Island 1:2. Das ach so stolze Mutterland des Fussballs, besiegt von den Männern einer kleinen Insel, auf der mehr Schafe als Menschen leben. Eine Schmach. Eine Demütigung. Eine Schande. In den englischen Medien kam es tags darauf zu einem inoffiziellen Wettbewerb. Das Ziel: Die hochbezahlten, hochgelobten und noch höher geflogenen Aushängeschilder des nationalen Fussballstolzes mit möglichst harschen Worten auf den Boden der Realität zurückzuholen. Auf den Punkt brachte es Gary Lineker, ehemaliger Captain des Nationalteams und heutiger BBC-Moderator:

«Das war die schlimmste Niederlage in unserer Geschichte.»

Mit Trainer Roy Hodgson, der die Schweiz 1994 an die WM und 1996 an die EM führte, war der Hauptschuldige schnell ausgemacht. Zu konservativ, zu berechenbar, zu langweilig – so das Fazit zum Spielstil, der vom damals 68-Jährigen praktiziert wurde. Das auf seine traditionellen Werte achtende und manchmal etwas angestaubt wirkende England hatte endgültig genug vom jahrzehntelang ausgeübten «Kick and Rush» – zumindest die Anhänger. Denn mit Sam Allardyce ernannte der Verband gleich den nächsten Liebhaber der hohen Bälle zum Nationaltrainer.

Zum Unglück von Allardyce – und zum Glück für Fussball-England – wurde er nach nur einem Spiel entlassen. Grund: Der 63-Jährige gab einem verdeckt agierenden Journalisten Tipps, wie er die Transferregeln des Verbandes umgehen kann. Somit wird Allardyce der einzige Nationalcoach der Geschichte bleiben, der eine 100-prozentige Siegesquote aufweist und ohne Gegentor blieb. Denn sein einziges Spiel gewann er – ein glanzloses 1:0 gegen die Slowakei in der WM-Qualifikation. Hier die Highlights dieser Partie:

Ein guter Draht zu den jungen Spielern

Mit Gareth Southgate wurde folglich ein deutlich jüngerer Trainer auf den heissen Stuhl gesetzt. Der 47-Jährige betreute zuvor die U21-Auswahl der Engländer. Aus seiner Zeit im Nachwuchs hat er einen guten Draht zu den englischen Hoffnungsträgern wie Harry Kane von Tottenham oder Raheem Sterling von Manchester City. Bei seiner Vorstellung als Nationaltrainer sagte der ehemalige Nationalspieler:

«Wir müssen einen Schritt vorwärts machen – und dafür will ich vorangehen.»

Unter seiner Führung gelang die WM-Qualifikation, zudem gab es Achtungserfolge wie die torlosen Unentschieden gegen Deutschland und Brasilien. Dank Southgate bekamen die Engländer ein neues Gesicht. Getreu seinen Wurzeln als Nachwuchstrainer forciert er die Talente und lässt offensiver agieren als seine Vorgänger. «Wer unsere Juniorenauswahl verfolgt hat, weiss, was für Fussball ich spielen lasse. Ich will viel Ballbesitz, den Gegner dominieren und ihm keine Zeit am Ball lassen», so der Trainer.

Zwei namhafte Spieler bleiben zu Hause

Ein weiteres Markenzeichen: Southgate bevorzugt Leistung gegenüber grossen Namen. So wird voraussichtlich Jordan Pickford an der WM das Tor hüten. Joe Hart, während vieler Jahren die Nummer eins, fand keinen Platz im Aufgebot. Auch Arsenals Jack Wilshere wird die WM vom Fernseher aus verfolgen müssen. «Ich hatte einfach das Gefühl, dass uns andere Spieler mehr weiterhelfen», so Southgate, dem auf der Insel der Ruf anhaftet, «zu nett» zu sein. Folgend das Interview mit Joe Hart nach dem Ausscheiden der Engländer gegen Island:

Die vier grossen Hoffnungsträger

Das Herzstück der «neuen» englischen Mannschaft ist Tottenhams Stürmer Harry Kane, seit Jahren einer der treffsichersten Spieler der Premier League und frisch gekürter Captain der Engländer. «Kane hat diesen Glauben in sich, Grosses erreichen zu können», so der Trainer. «Ein Captain muss jeden Tag den Standard setzen, an dem sich die anderen orientieren. Kane hat gezeigt, dass er einer der besten Spieler der Welt ist. Das ist sein Antrieb und daran soll sich meine Mannschaft messen.» In seiner ersten Pressekonferenz als Captain gab Kane den Tarif durch:

«Die Erwartungen an uns sind gross. Lange hatten wir Angst zu sagen, dass wir gewinnen wollen. Das ist jetzt anders: Ich stehe hier und sage: Ich will gewinnen – und das können wir auch.»

England wird an der WM seine Stärken in der Offensive haben. Hinter Kane streiten sich Raheem Sterling, Jesse Lingard und Marcus Rashford von den Teams aus Manchester um die zwei Positionen auf den Aussenbahnen. Alles Spieler mit einer hohen Endgeschwindigkeit und Zug zum Tor. Zusammen erzielten die vier Offensiven in der abgelaufenen Saison 63 Tore. Dazu kommt mit Dele Alli von Tottenham hinter der Spitze ein weiterer torgefährlicher Mann. Der 22-Jährige war wettbewerbsübergreifend an 29 Treffern beteiligt. Kleine Randnotiz: Keiner dieser fünf Offensivkräfte ist älter als 25 Jahre. Im untenstehenden Video sind die besten Momente von Kane zu sehen:

Die gewohnten Sorgenkinder

Abgesichert werden die Offensivkräfte von Liverpools Captain Jordan Henderson oder Eric Dier, ebenfalls von Tottenham. Beide gelten als zuverlässige Sechser, die als erste Anspielstationen im Spielaufbau dienen. Die grössten Probleme haben die Engländer in der Abwehr und im Tor. Von den Innenverteidigern dürften John Stones und Gary Cahill die besten Chancen auf einen Stammplatz haben. Stones gehörte bei Manchester City nicht immer zur ersten Wahl, gilt aber als spielstarker Verteidiger mit einem guten ersten Ball. Das kommt dem Spielstil von Southgate entgegen.

Cahill dagegen ist ein Verteidiger der alten Schule: körperlich robust mit gutem Stellungsspiel. Im letzten Testspiel der Engländer vor der WM gegen Nigeria erzielte er beim 2:1-Sieg einen Kopfballtreffer (siehe Video oben). Allerdings gehörte auch der 32-Jährige bei Chelsea zuletzt nicht mehr zum Stamm. Im Tor wird Evertons Jordan Pickford stehen. Der 24-Jährige ist ein moderner Torhüter, der stark mit dem Ball am Fuss ist. Das belegt die Statistik: Mit 1600 Ballberührungen und 1200 gespielten Pässen gehört er zu den spielstärksten Goalies der Premier League. Diese Werte lässt Southgate darüber hinwegsehen, dass seine Nummer eins bei hohen Bällen wackelt.

Ein Weiterkommen ist Pflicht

In der Gruppe mit Belgien, Panama und Tunesien ist ein Weiterkommen Pflicht. Aber: Die Engländer werden in der Heimat trotz vorhandenem Potenzial skeptisch beäugt. Eine weitere Blamage wie gegen Island können sich die «Three Lions» nicht leisten. Allerdings stimmten die Testspielsiege gegen die WM-Teilnehmer Costa Rica und Nigeria zuversichtlich. Gelingt es England, die obligaten Fehler in der Defensive abzustellen und vielleicht mal ein Penaltyschiessen zu gewinnen, liegt etwas drin. So meint Trainer Southgate wenige Tage vor der WM:

«Als ich vor fünf Jahren U21-Trainer wurde, wollte der Verband bis 2022 Weltmeister werden. Ich glaube, dass für uns alles möglich ist.»

England

Einwohner: 55,33 Millionen
Weltrangliste: 13
WM-Teilnahmen: 15
WM-Titel: 1 (1966)
Gründung Verband: 1863
Beitritt zur Fifa: 1905

Besonderheit

Seit 1939 amtet jeweils ein Mitglied der Königsfamilie als Oberhaupt des Englischen Fussballverbands. Seit zwölf Jahren hat Prinz William den präsidialen Vorsitz. Allerdings fallen nur repräsentative Aufgaben in seinen Tätigkeitsbereich. So übergibt er beispielsweise die Trophäe für den Gewinner des FA-Cups.

Kader

Tor: Butland (Stoke), Pickford (Everton), Pope (Burnley).
Verteidigung: Alexander-Arnold (Liverpool), Cahill (Chelsea), Walker (Manchester City), Stones (Manchester City), Maguire (Leicester), Trippier (Tottenham), Rose (Tottenham), Jones (Manchester United), Young (Manchester United).
Mittelfeld: Dier (Tottenham), Alli (Tottenham), Lingard (Manchester United), Henderson (Liverpool), Delph (Manchester City), Loftus-Cheek (Chelsea).
Sturm: Vardy (Leicester), Rashford (Manchester United), Sterling (Manchester City), Welbeck (Arsenal), Kane (Tottenham).
Trainer: Gareth Southgate.

Verteidigung: Alexander-Arnold (Liverpool), Cahill (Chelsea), Walker (Manchester City), Stones (Manchester City), Maguire (Leicester), Trippier (Tottenham), Rose (Tottenham), Jones (Manchester United), Young (Manchester United). Mittelfeld: Dier (Tottenham), Alli (Tottenham), Lingard (Manchester United), Henderson (Liverpool), Delph (Manchester City), Loftus-Cheek (Chelsea). Sturm: Vardy (Leicester), Rashford (Manchester United), Sterling (Manchester City), Welbeck (Arsenal), Kane (Tottenham). Trainer: Gareth Southgate.

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