ENDSPURT: Federers goldener Herbst?

Einen Monat nach seinem letzten Ernstkampf kehrt Roger Federer in Schanghai auf die ATP-Tour zurück. Die Nummer 1 ist derweil kaum noch in Reichweite – ein erfolgreicher Herbst könnte es aber dennoch werden.

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Roger Federer bestreitet morgen sein erstes Spiel. (Bild: KEY)

Roger Federer bestreitet morgen sein erstes Spiel. (Bild: KEY)

Für ein Selfie mit Roger Federer stehen selbst Superstars wie Kevin Durant oder Stephen Curry Schlange. Von Goofy und Micky Maus ganz zu schweigen. Um Punkte spielt der Schweizer in Schanghai zwar erst morgen, er kennt noch nicht einmal seinen ersten Gegner. Dennoch war Federer seit seiner Ankunft in der chinesischen Metropole am vergangenen Donnerstag sehr geschäftig: Der 36-jährige Basler besuchte am Sonntagabend den NBA-Champion Golden State Warriors vor dessen Vorbereitungsspiel in Schanghai gegen Minnesota, er spielte Tennis mit den Figuren aus dem örtlichen Disneyland und liess sich in der U-Bahn beim Plausch mit der Lokalbevölkerung ablichten.

Für Federer ist das Verpflichtung und Ansporn zugleich. Vor allem der Besuch in der Garderobe der Basketballer begeisterte Federer. «Es ist ungewöhnlich, dass ich die Garderobe anderer Sportler besuchen kann, noch dazu vor einem Spiel», schwärmte der Schweizer, für den Michael Jordan eines seiner ersten Idole war. «Es ist cool. Ich liebe es, andere Sportler zu treffen.» Auf Federers Shirt prangte der Schriftzug «PeRFfect».

Grosser Vorsprung für Nadal

Perfekt muss er in den nächsten Wochen auch sein, wenn er nochmals die Nummer 1 werden will. So oder so kann Federer ein sensationelles Jahr noch besser machen. Nachdem er an den US Open von den Nachwehen einer Rückenverletzung gebremst wurde, machte er am neulancierten Laver-Cup vor zweieinhalb Wochen einen fitten und spielfreudigen Eindruck. Im Rennen um die Spitze der Weltrangliste ist Rafael Nadal in den vergangenen Wochen allerdings ziemlich enteilt. Dank der Siege an den US Open und vergangene Woche in Peking weist der Spanier 2360 Punkte Vorsprung auf.

Federer kann derweil bis Ende Jahr im Maximum noch 4000 Zähler sammeln. Er müsste also eben fast perfekt spielen, und Nadal müsste oft und früh verlieren. Ein Sieg in Schanghai scheint für Federer praktisch Pflicht, wenn er sich die Chance wahren möchte.

Federer jagt seine eigenen Rekorde

Los geht’s für Federer in Schanghai morgen mit der Partie gegen den Argentinier Diego Schwartzman oder den Australier Jordan Thompson. Beide Gegner scheinen auf dem Papier für Federer machbar: Schwartzman liegt in der aktuellen Weltrangliste auf Platz 29, Thompson auf Rang 71.

Auch wenn es für die Nummer 1 nicht reichen sollte, ein goldener Herbst kann es für den Schweizer dennoch werden. In Schanghai strebt er seinen vierten Titel nach 2006, 2007 und 2014 an. Bei den Swiss Indoors in Basel könnte er seinen Rekord von bisher sieben Turniersiegen ausbauen. Das­selbe gilt für die ATP-Finals, wo Federer mit sechs Triumphen ­Rekordhalter ist. Der letzte Höhepunkt der Saison findet im No­vember in London statt. (sda)