Kolumne

Endlich wieder Fussball-Sehnsucht

Trotz bereits einmonatiger Pause fehlte mir der Fussball nicht. Eine erschreckende Erkenntnis. Aber die letzte Woche ist etwas passiert. Denn jetzt ist die Sehnsucht nach meiner liebsten Nebensache wieder gross.

Céline Feller
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Die Sehnsucht nach solchen Bildern ist wieder da. Ich will meinen Lieblingsklub Manchester United wieder jubeln sehen. Oder einfach irgendwelchen Fussball schauen können.

Die Sehnsucht nach solchen Bildern ist wieder da. Ich will meinen Lieblingsklub Manchester United wieder jubeln sehen. Oder einfach irgendwelchen Fussball schauen können.

Keystone

Ich liebe Fussball. Ich lebe ihn. Tagtäglich. Ich habe das grosse Glück, mich in meinem Beruf meiner Leidenschaft zu widmen – und verfolge diese auch weit nach Feierabend. Es gibt wenig im Fussball, was mich nicht interessiert, begeistert, fasziniert. Egal ob Bolzplatz oder Bundesliga, Kreisliga oder Königsklasse. Deshalb waren die letzten Wochen, oder besser der letzte Monat, umso überraschender für mich. Denn der Fussball hat mir nicht gefehlt.

Céline Feller, Sportredaktorin

Céline Feller, Sportredaktorin

CHMedia

Verstehen Sie mich nicht falsch. Auch ich wäre gerne nach wie vor jedes Wochenende ins Stadion, hätte davor noch die Bundesliga-Konferenz und am nächsten Tag den Super-Sunday der Premier League geschaut. Davon hätte gar mich als Sonnenanbeterin das schöne Wetter nicht abgehalten. Und doch habe ich die letzten Wochen über gemerkt, dass ich auch mal ohne Fussball kann. Natürlich nur im Wissen, dass der Ball ganz bald wieder rollt. Selbstredend habe ich die Sportteile der Zeitungen gelesen und teilweise in ihnen mitgeschrieben, habe ich das Sportpanorama geschaut und die News verfolgt, die es rund um das runde Leder gab. Ich war und bin immer auf dem neusten Stand.

Aber während ich Bilder auf Whatsapp oder Snapchat von Freunden kriegte, die sich Retro-Spiele anschauten, ich auf Tweets markiert wurde, in welchen die besten Bücher gegen den Fussball-Entzug aufgelistet wurden und mir Tipps für Fussball-Dokumentationen zugesandt wurden, habe ich andere Dinge getan.

Ich habe Krimis und Schnulzen verschlungen, an meinem Teint gearbeitet, mich in die Finanzwelt eingelesen und meine Wohnung so sauber geputzt und aufgeräumt, dass der wenige Besuch in Corona-Zeiten sie kaum wieder erkannt hat. Ich habe auf Netflix berühmte Serien gebinged, noch nicht aber beispielsweise die Doku «Sunderland till I die». Die Spezialsendung zum Kicker habe ich kürzlich geschaut. Es war das Erste, das mit Fussball zu tun hatte.

Nach und nach kam die Frage bei mir auf, wieso ich den Fussball nicht exzessiver vermisse. Nicht so, wie es offenbar alle anderen tun. Mein einziger Fussball-Sehnsuchts-Anfall war, als mir die Idee kam, im Homeoffice jeden Tag ein anderes meiner Manchester-United-Shirts zu tragen. Immerhin wäre ich da ja 20 Tage versorgt. Ob es nur an der Hitze in meiner Dachwohnung liegt, dass ich es nicht getan habe, ist so unklar wie die unmittelbare Zukunft des Fussballs.

Ob ich mir Sorgen machen müsste, habe ich mich kürzlich gefragt. Sorgen, weil die Sehnsucht nicht unermesslich ist. Es gibt Leute in meinem Umfeld, die das wohl so sehen. Ich aber habe gemerkt, dass mein Kopf sich wohl in der Sommerpause befindet. Oder in der Winterpause. Sie dürfen es sich selber aussuchen. Dann also, wenn ich für gewöhnlich mal frei habe, mich eben nicht rund um die Uhr mit Fussball beschäftige, sondern an einem Strand in Spanien, Griechenland oder der Karibik liege. Dann, wenn ich die Sehnsucht in der Sonne reifen lasse, um nachher wieder mit der grösstmöglichen Leidenschaft Tag für Tag das Geschehen zu verfolgen.

Wenn Marcel Koller also wie diese Woche im Interview mit dieser Zeitung die aktuelle Lage mit einem Fussballspiel vergleicht, so tue ich dies mit dem übergeordneten Saisonverlauf. Wir befinden uns zwischen zwei Saisonhälften. Jetzt aber neigt sich die Pause zwischen bei mir langsam dem Ende zu. Ich spüre es. Es ist plötzlich wieder da.
Dieses Kribbeln, als ich eben erst am Joggeli vorbei gefahren bin. Und der Gedanke, wie gern ich wieder ein Spiel sehen würde. Ein Live-Spiel. Im Stadion.

Und da war dieser Moment beim Spaziergang vergangenes Wochenende. Wir überquerten ein Mini-Fussballfeld, die Tore hatten keine Netze, der Rasen war grauenhaft tief. Es war unweit jenes Fussballplatzes, auf dem ich meine halbe Kindheit verbracht habe. Ich habe mich zu meiner Begleitung gedreht und gesagt: «Hätten wir doch nur einen Ball dabei. Ich will kicken.» In dem Moment musste ich lächeln. Es ist so weit. Die Sehnsucht ist endlich da. Und sie ist gross. Die Pause hat mir gut getan. Jetzt aber reicht es mir. Ich vermisse dich, Fussball.

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