Endlich ein Sieg

Fussball. Nach neun Meisterschaftsspielen ohne Sieg kehrt der FC St. Gallen in der 20. Runde auf die Erfolgsstrasse zurück. Er bezwingt den Meister mit 1:0 und feiert damit den ersten Sieg unter Krassimir Balakov.

Markus Scherrer
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Torschütze Francisco Aguirre (rechts) entwischt der Zürcher Verteidigung, Hannu Tihinen bleibt nur das Nachsehen. (Bild: Ennio Leanza)

Torschütze Francisco Aguirre (rechts) entwischt der Zürcher Verteidigung, Hannu Tihinen bleibt nur das Nachsehen. (Bild: Ennio Leanza)

Zuerst am Samstag das verdiente 1:0 gegen den FC Zürich, dann tags darauf das 2:2 von Thun gegen Sion: Das Wochenende hätte aus der Sicht des FC St. Gallen kaum einen besseren Verlauf nehmen können. Denn durch die Punkteverluste der Berner Oberländer konnten die Ostschweizer ihren Rückstand auf den Barrageplatz auf zwei Zähler, jenen auf den achten Rang, den neuerdings Aufsteiger Xamax belegt, auf sechs Punkte verkürzen.

Dass die St. Galler nun wieder optimistischer in die Zukunft blicken dürfen, dazu haben sie am Samstag mit ihrer Leistung gegen den FC Zürich einen wesentlichen Beitrag geleistet. Der Erfolg gegen einen enttäuschenden Meister, an dem die vielen gewichtigen Abgänge nicht spurlos vorübergegangen sind, war verdient. Vor allem, wie das Team von Krassimir Balakov nach dem in der 49. Minute erzielten 1:0 auftrat, war beeindruckend. Die Ostschweizer kämpften, wie sie es schon lange nicht mehr getan hatten, sie liessen jene Leidenschaft erkennen, die ein Team zeigen muss, das nicht aus der Super League absteigen will, und im Spielerischen waren Ansätze zu erkennen, die zweifellos ein Versprechen für die kommenden Partien sind.

Solide Leistung

Dass sich die Zürcher und ihr Trainer Bernard Challandes hinterher über die Leistung des Schiedsrichters masslos ärgerten, braucht die Ostschweizer nicht weiter zu kümmern. Es gab so manche Aktionen in der zweiten Halbzeit, über die sich die Gäste später beklagten. Über das Foul von Heinz Barmettler im Strafraum an Diego Ciccone, das am Ende zum 1:0 führte. Francisco Aguirre verwertete den Elfmeter sicher. Ein Penalty, der keiner gewesen sei, sagte Challandes. Rund zehn Minuten später kam Dusan Djuric bei einem Zweikampf mit Marc Schneider im St. Galler Strafraum zu Fall. Der Spielleiter sah dabei – im Gegensatz zum FCZ-Trainer – kein Vergehen des Innenverteidigers. Für einmal lag er richtig. Dennoch sprach Challandes später von «Ungerechtigkeiten» . Da könne er nicht ruhig bleiben. Und als Alain Rochat mit gestreckten Beinen in die Füsse von Aguirre sprang, dafür zu Recht die rote Karte sah, verlor Challandes vollends die Nerven. Er musste danach auf der Tribüne Platz nehmen. Allerdings hätte der Schiedsrichter schon viel früher zu dieser Massnahme greifen müssen. Denn wie sich Challandes während 63 Minuten an der Seitenlinie aufführte, war einfach unerträglich.

In dieser Hektik, für die sowohl der Schiedsrichter mit seinen zum Teil höchst zweifelhaften Entscheiden als auch Challandes verantwortlich waren, rückte die Leistung des FC St. Gallen beinahe etwas in den Hintergrund. Dabei hatte er in der Defensive eine äusserst solide Leistung gezeigt. Der Gegner kam während den gesamten 90 Minuten nur zu zwei Torchancen – wenn sie denn überhaupt so zu bezeichnen waren. Die erste besass er nach 74 Minuten, als Almen Abdi irgendwie in Richtung St. Galler Tor schoss.

Starker Ciccone

Es gab weitere Dinge im Spiel des FC St. Gallen, die positiv zu erwähnen sind. So zum Beispiel die Tatsache, wie er sich gegen Ende der Partie gegen die Angriffe der Zürcher wirkungsvoll wehrte, wie er dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung einen äusserst kompakten Eindruck hinterliess, wie er praktisch jeden Zweikampf gewann. Und es gab Spieler, die besonders positiv in Erscheinung traten. Allen voran Diego Ciccone, der nach 43 Minuten für den an einer Oberschenkelverhärtung leidenden Jürgen Gjasula kam. Er stellte die Zürcher immer wieder vor grosse, fast unlösbare Probleme. Oft konnten sie ihn nur noch mit rüden Fouls stoppen. Für seinen Auftritt erhielt Ciccone später von seinem Vorgesetzten «ein separates Lob und ein Riesenkompliment».

Der Sieg war der Mannschaft, die zuletzt in neun Meisterschaftsspielen in Folge ohne Erfolg geblieben war, und dem Trainer zu gönnen. Balakov konnte endlich seinen ersten Triumph als Teamverantwortlicher des FC St. Gallen feiern. Dennoch gab es am Samstag auch einen Wermutstropfen. Am kommenden Wochenende muss er auf Aguirre verzichten. Der Argentinier sah nach 81 Minuten die gelb-rote Karte. «Darüber ärgere ich mich», sagte Krassimir Balakov.

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