EM-QUALIFIKATION: Ein erster Rückschlag

Mit der 25:27-Niederlage gegen Portugal bringen sich die Schweizer Handballer um die Chance, sich für die EM-Endrunde zu qualifizieren. Zum ersten Mal unter Coach Michael Suter enttäuscht die Equipe.

Jörg Greb, Biel
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Lenny Rubin war mit sieben Toren treffsicherster Schweizer. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Lenny Rubin war mit sieben Toren treffsicherster Schweizer. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Jörg Greb, Biel

Das Schlussbild in Biel entsprach nicht dem, was man sich erhofft hatte. Trotz gespielter Begeisterung der Speaker war die Stimmung bei der Heimequipe im Keller. Auf der anderen Seite brachten die Iberer und ihre wenigen Anhänger Wärme in die Arena. Sie verabschiedeten sich jubelnd. Die Portugiesen hatten die Partie dominiert, klug und variantenreich gespielt. Vor allem hatten sie den erfolgshungrigen Schweizern sehr schnell den Wind aus den Segeln genommen.

Gegen den «Widersacher auf Augenhöhe» resultierte ein veritabler Fehlstart. Erst der zehnte Abschlussversuch führte zum ersten Treffer. Drei Fehlschüsse von Manuel Liniger aus erfolgversprechender Position zählten dazu, ebenso ein Siebenmeterfehlschuss von Teamleader Andi Schmid. Da nützte es wenig, dass die Defensive einigermassen solide stand und Torhüter Nikola Portner Präsenz markierte. 0:4 stand es, ehe dem jungen Lenny Rubin nach gut zehn Minuten das erste Schweizer Tor glückte. Wenig später stand es 1:6.

«Ein solcher Start unterstreicht: In der Anfangsphase machten wir wenig richtig», sagte Captain Liniger. Er sprach von «einer Situation, die sich nur selten erleben lässt» und meinte die Motivation, den Glauben an die eigenen Möglichkeiten und dann die Realität, die alles widerlegt. «Eine solche Situation ist schwierig und alles andere als erfreulich», so Liniger. Und dass er selber, mit seinen 35 Jahren und seiner internationalen Erfahrung, derart schlecht in die Partie gekommen war, analysierte er schonungslos: «Mein Start ging komplett daneben, so etwas darf nicht passieren.» Auf der Bank reagierte Nationaltrainer Michael Suter aktiv auf den Fehlstart. Bereits nach acht Minuten wechselte der Coach die gesamte Angriffsformation im Rückraum aus. Am Flügel übernahm Marvin Lier den Part von Liniger. Die neue Formation brachte Schwung. Vor allem Rubin erwies sich im Zusammenspiel mit Schmid als treffsicher. Das 11:13 zur Pause liess zumindest die Hoffnung auf einen Umschwung offen.

Auf Andi Schmid lastet zu viel Verantwortung

Doch den Portugiesen gelang es, den Schweizer Spielfluss erneut zu brechen. Innert zehn Minuten erarbeiteten sie sich eine Reserve von fünf Treffern. Ins Gewicht fiel nun, dass zu viel Verantwortung auf Schmid lastete. Dessen Wirkungsraum schränkten die Gäste mit einer engen Deckung ein. «Wir haben die Realität vor Augen geführt bekommen», sagte Suter. «Wir konnten den Druck nicht aufrecht erhalten.» Am Sonntag im Rückspiel in Portugal besteht die Möglichkeit zur Korrektur – unter mental wohl anderer Voraussetzung.