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EM: Mit dem Geist des WM-Quartiers

Die Teambasis in Frankreich will sorgfältig ausgewählt sein. Denn im EM-Quartier bleiben die Finalisten, die am 10. Juli im Stade de France spielen, fünf Wochen lang. Die Qual der Wahl kennen «Les Bleus» nicht, sie haben ein eigenes Zuhause: Clairefontaine.
Christian Brägger/Paris
Bild: CHRISTIAN BRÄGGER/PARIS

Bild: CHRISTIAN BRÄGGER/PARIS

FUSSBALL. Noch weilen 24 EM-Teilnehmer in ihren Basiscamps. Nach dem dritten Spieltag, der heute mit der Schweizer Gruppe A beginnt, muss die erste Tranche die Heimreise antreten. Albanien könnte als erstes Team davon betroffen sein, oder auch die Rumänen. Weiter im Turnier und damit in ihrem EM-Quartier bleiben die Franzosen. Wie immer, wenn «Les Bleus» zusammenkommen und im Einsatz stehen, weilen sie in Clairefontaine. Ein Miniort mit ungefähr 800 Einwohnern, der überregional für das nationale Leistungszentrum des Französischen Fussballverbandes – das Centre technique national Fernand-Sastre – bekannt, vielleicht sogar berühmt ist. So klärt zumindest der Pariser Taxifahrer auf, ein Algerier: «Oui, oui, c'est très, très fameux.»

Clairefontaine. Hier also ist die Residenz der Franzosen und von Trainer Didier Deschamps. Völlig abgeschottet von der Öffentlichkeit bereiteten sie sich in den vergangenen Wochen auf das grosse Ziel vor, im eigenen Land den sehnlichst erhofften EM-Titel zu holen. Er wäre ein kleines Trostpflaster in diesen Zeiten und würde temporäre Ablenkung schenken. Die Anlage befindet sich ungefähr 50 km südwestlich von Paris, sie wurde 1988 eröffnet. In jenem Sommer weihte sie der damalige Staatspräsident François Mitterrand ein, natürlich ist Fussball bei der «Grande Nation» eine Prestigeangelegenheit.

Lange Zeit der Realisation

Viele Jahre hatte es gedauert, bis die Franzosen ihr Leistungszentrum erhielten, nachdem der damalige Verbandspräsident Fernand Sastre erstmals 1972 zum Bau einer solchen Anlage angeregt hatte. 1984 wurde symbolisch der Grundstein gelegt, erstellt wurde das Zentrum schliesslich von 1985 bis 1987. Dafür musste erst einmal viel Wald gerodet werden. Das berühmte Schloss, in dem die Fussballer wohnen, wurde renoviert und vollumfänglich den Wünschen des modernen Fussballs angepasst, hinzu kamen der Neubau des Ausbildungszentrums sowie weitere Wohngebäude. Schon während der WM 1998 im eigenen Land wohnte die «Équipe Tricolore» hier, mit Mittelfeldspieler Deschamps als Captain wurden die Franzosen das einzige Mal Weltmeister. Nur Tage nach dem WM-Sieg wurde das Leistungszentrum zu Ehren des noch während der WM verstorbenen Initianten Sastre benannt. Der WM-Geist von 1998 ist jetzt noch allgegenwärtig, und Deschamps sagt: «Ich fühle mich in Clairefontaine zu Hause. In meinem ersten Leben als Fussballer war ich da, dann für die Ausbildung zum Trainer, und jetzt wieder. Es ist immer emotional, an den Ort zurückzukehren, wo wir den WM-Titel feierten. So etwas bleibt.»

Alle U-Nationalteams Frankreichs kommen hier zusammen, überdies ist Clairefontaine ein Trainingszentrum für talentierte 13- bis 15-Jährige. Es ist für die Jungen, egal welchen Alters, der Traum aller Träume, hier zu sein. Der Taxifahrer klärt auf: «Sie waren in der Jugend alle einmal da: Karim Benzema, Thierry Henry, Nicolas Anelka, einfach alle.» Das Gelände ist 56 Hektaren gross, 6,6 Hektaren nehmen sieben Rasen- und zwei Kunstrasenplätze ein. Die perfekten Bedingungen führen dazu, dass das Leistungszentrum zum Vorbild anderer Verbände geworden ist.

Heimvorteil Clairefontaine

Bekanntlich ist der Heimvorteil an einem Grossanlass nicht mehr so entscheidend. Wenn er noch greift, dann bei der Wahl des EM-Quartiers. In diesem Punkt hatten es die anderen 23 Teilnehmer weitaus schwieriger, da war keine vertraute Umgebung, geschweige denn ein Heimkommen ins Familienidyll wie bei den Franzosen. Vielmehr musste man im Vorfeld des Turniers lange evaluieren, welches Basecamp in Frage kommt. Mit dem Resultat, dass die Teams im Gastgeberland weit verstreut sind.

Die Schweiz – 67 Orte standen ihr zur Auswahl – entschied sich für Juvignac bei Montpellier, für den Süden also. Eine gute Wahl, wenn man nur schon ans Wetter denkt. Da trafen es die Deutschen mit Evian am Genfersee schlechter: viel, viel Regen, der kann schon einmal aufs Gemüt schlagen. Weshalb aber wollte der Schweizer Nationalcoach Vladimir Petkovic nach Montpellier? Weil er seine Bedingungen bestens erfüllt sah: Nur sein Team ist im Hotel gebucht; das Training findet in einem Stadion, im Stade de la Mosson, auf perfektem Rasen statt; die kurze Fahrtzeit dahin. Notabene ist die Unterkunft die günstigste aller EM-Teilnehmer, so verwöhnt wie Ungarn oder England sind die Schweizer nicht.

Keine Idee für die Schweiz

Gibt es im Schweizerischen Fussballverband (SFV) wie nun bei den Deutschen ebenfalls Bestrebungen, über eine vergleichbare Einrichtung wie jene der Franzosen nachzudenken? Mediensprecher Marco Von Ah verneint: «Der SFV verfügt nicht über die gleichen Mittel wie die Verbände von England, Deutschland, Italien oder eben Frankreich. Darum investieren wir lieber im bewährten Stil in den Fussball selber, insbesondere in die Spiel- und Ausbildungsphilosophie, als in Beton.»

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