Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

EM: Dzemaili vor der Versöhnung

Zusammen mit Yann Sommer ist Blerim Dzemaili der bisher beste Schweizer. Und das in einer Rolle, die den Trainern schon seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet. Morgen um 21 Uhr trifft die Schweiz im letzten Gruppenspiel auf Frankreich.
Andreas Ineichen/Montpellier
Bild: ANDREAS INEICHEN/MONTPELLIER

Bild: ANDREAS INEICHEN/MONTPELLIER

FUSSBALL. Jetzt noch er. Der Begnadete, der den FC Zürich als 20-Jähriger zum Meistertitel führte. Dem eine grössere Karriere prophezeit wurde, als er sie bisher durchlebt hat. Der in der Schweizer Nationalmannschaft noch keine grosse Figur war.

Jetzt also noch Blerim Dzemaili. Auf der Position, mit der eigentlich keiner in den vergangenen Jahren richtig glücklich wurde. Weder der Trainer mit dem Spieler, noch der Spieler mit der Rolle. Es geht um die zentrale Position im offensiven Mittelfeld, gleich hinter der Sturmspitze, im 4-2-3-1-System.

Ottmar Hitzfeld hat es lange mit Granit Xhaka versucht, auch er ein Begnadeter. Dann kam Xherdan Shaqiri von rechts in die Mitte. Die deutlich bessere, weil gefährlichere Variante. Aber in der Mitte ist viel mehr Verkehr, sind viel mehr Beine, ist Shaqiri für jeden Gegner leichter abzumelden. Darum jetzt er. Dzemaili. Ein neues Projekt von Nationalcoach Vladimir Petkovic. Es funktioniert, aber bisher bloss in den Testspielen vor EM-Beginn. Dzemaili trifft beim 1:2 gegen Belgien und dem 2:1 gegen Moldawien.

Der Pfostenschuss an der WM

Doch an einer EM scheint dem 30-Jährigen der Teufel im Nacken zu sitzen. Es gelingt ihm kein Tor gegen Albanien, trotz zwei guten Chancen, und das gleiche Schicksal widerfährt ihm gegen Rumänien. Noch bitterer war für ihn jene Situation vor dem Tor, die um die Welt ging. Im WM-Achtelfinal in Brasilien gegen Argentinien setzte er als Einwechselspieler in den Schlusssekunden einen Kopfball an den Pfosten. Es war die letzte Chance der Schweiz zum 1:1.

Es ist ein Torerfolg, der Dzemaili davon trennt, als Lösung für ein langwieriges Problem im Nationalteam zu dienen. Er wird weitere Gelegenheiten erhalten, dieses Versäumnis aus der Welt zu schaffen. Morgen gegen Frankreich und dann wahrscheinlich auch noch im ersten EM-Achtelfinal mit Schweizer Beteiligung.

Dzemaili bringt vieles mit, um die Rolle des zentralen, offensiven Mittelfeldspielers auszufüllen. Er erkennt blitzschnell, was um ihn herum passiert, er hat die Technik, um die Bälle schnell, präzise und gewinnbringend zu spielen, er kann dem Gegner auch weh tun, wenn er selber in den Abschluss geht. Vor allem mit seiner guten Schusstechnik. Wenn ihm etwas abgeht, dann ist es die Robustheit. Mit einer Grösse von 1,79 Metern und 75 Kilogramm besitzt er wenig Einschüchterungspotenzial. Petkovic, sein Chef, ist überzeugt, dass sich sein Projekt noch auszahlen wird: «Dzemaili hat das Potenzial, noch dominanter zu werden.» Wird Dzemaili noch zur grossen Figur der Schweizer EM-Mission, wäre es so etwas wie eine Versöhnung mit der Nationalmannschaft.

Die Liebe ist nie aufgeblüht

Eigentlich hätte er im Jahr 2007 der Nachfolger von Johann Vogel als Captain der Schweizer Nationalmannschaft werden sollen. Aber ein Kreuzbandriss, den er sich im April 2007 im Spitzenspiel mit dem FC Zürich gegen Basel zuzog, veränderte seine Karriere. Gökhan Inler nutzte die Gunst der Stunde. Er sollte Dzemaili in der Folge noch öfters vor der Sonne stehen, später bei Napoli und im Nationalteam.

Gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagte Dzemaili vor kurzem offen und ehrlich: «Die Nationalmannschaft und ich? Diese Liebe ist nie aufgeblüht. Aber das kann ja vielleicht noch passieren.»

Alle EM-Infos auf unserem Special www.tagblatt.ch/euro2016

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.