EM: Der kleine Zwilling

Zum Auftakt trifft die Schweiz heute auf Österreich, das in der Entwicklung des Frauenfussballs einen ähnlichen Weg geht. Im Kampf um die Viertelfinalplätze ist dieses Spiel wegweisend.

Christian Finkbeiner (sda)
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Die Schweizer Nationalmannschaft ist im heutigen Spiel gegen Österreich der deutliche Favorit. (Bild: Salvatore Di Nolfi/KEY)

Die Schweizer Nationalmannschaft ist im heutigen Spiel gegen Österreich der deutliche Favorit. (Bild: Salvatore Di Nolfi/KEY)

Christian Finkbeiner (SDA)

Der österreichische Frauenfussball geht einen ähnlichen Weg, wie ihn der Schweizerische Fussballverband hinter sich hat. 2011 wurde das erste Frauenfussball-Zentrum in St. Pölten eröffnet, die Spielerinnen trainieren dabei unter der Woche dort und spielen am Wochenende bei ihren Clubs. Immer mehr junge Spielerinnen wagen aber inzwischen auch den Schritt über die Grenze, von dem EM-Kader stehen 14 Akteurinnen in der deutschen Bundesliga unter Vertrag. Von dem im Ausland erworbenen Know-how profitiert das Nationalteam, das sich in der Qualifikation dank Rang zwei in seiner Gruppe hinter Norwegen erstmals überhaupt für ein grosses Turnier qualifizierte.

«Wir fahren mit einem tollen, positiven Gefühl und einer riesengrossen Freude an die EM», sagte die Rekordinternationale Nina Burger vor dem Start in das EM-Abenteuer. «Und wir haben die Gewissheit, dass wir die Grossen ärgern können.» Die Stürmerin hatte mit ihren fünf Toren in der Qualifikation massgeblichen Anteil am bisher grössten Erfolg in der ÖFB-Geschichte. In der ­abgelaufenen Bundesligasaison sorgte die ausgebildete Polizistin zudem mit sieben Treffern für den SC Sand für Aufsehen.

Vor allem in der Offensive stark

Auch dank Burger haben die Österreicherinnen ihre Stärken in erster Linie in der Offensive, welche sie im letzten Testspiel vor der EM gegen Dänemark – immerhin Halbfinalist der EM 2013 – unter Beweis stellten. Österreich gewann 4:2. Nach Ball­gewinn sucht die ÖFB-Auswahl zielstrebig den Abschluss. Sie hat individuell starke und schnelle Spielerinnen, die den Unterschied ausmachen können. Die Stammformation tritt als geschlossenes Kollektiv auf, und im Gegensatz zu den von Marcel Koller trainierten Männern ist die Erwartungshaltung gering. Die Mannschaft könne befreit und ohne Druck auftreten, sagte ÖFB-Verbandspräsident Leo Windtner. Trainer Dominik Thalhammer, der seit 2011 in der Verantwortung steht, ist der Baumeister des jüngsten Erfolgs. Der 46-jährige Wiener weist die Rolle des Favoriten der Schweiz zu. «Sie sind über uns zu stellen, da sie in der Entwicklung des Frauenfussballs uns vielleicht fünf bis zehn Jahre voraus sind.»

Die SFV-Auswahl ist für die Auftaktpartie gewappnet. Der Verband überliess vor dem Turnier nichts dem Zufall, die Gegner wurden über Monate intensiv beobachtet und analysiert. Die Stärken Österreichs in der Offensive sind ebenso bekannt wie die Schwächen im defensiven Umschaltspiel, zudem verfügen die Österreicherinnen nicht über die qualitative Breite und die Erfahrung der Schweizerinnen. Dennoch erwartet Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg ein Spiel auf Augenhöhe: «Österreich ist eine Herausforderung, unsere Turniererfahrung sollte uns aber helfen.»