EM: Bitteres Unentschieden

Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft hat die Qualifikation für die Viertelfinals verpasst. Beim 1:1 gegen Frankreich verfehlte sie den zwingend nötigen Sieg, nachdem sie bis zur 76. Minute noch 1:0 geführt hatte.

Christian Finkbeiner/sda, Breda
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Voller Einsatz, am Ende vergebens: Die Schweizerinnen mit Rahel Kiwic (links) und Vanessa Bernauer (Mitte) sind lange auf Viertelfinal-Kurs. (Bild: Salvatore di Nolfi/KEY)

Voller Einsatz, am Ende vergebens: Die Schweizerinnen mit Rahel Kiwic (links) und Vanessa Bernauer (Mitte) sind lange auf Viertelfinal-Kurs. (Bild: Salvatore di Nolfi/KEY)

Christian Finkbeiner/SDA, Breda

Ein direkt verwandelter Freistoss von Camille Abily eine Viertelstunde vor Schluss liess die Schweizer Träume vom grossen Coup gegen die Nummer drei des Fifa-Rankings platzen. Die Nummer 10 von «Les Bleues» glich den frühen Führungstreffer von Ana-Maria Crnogorcevic aus und bewahrte den Turniermitfavoriten vor dem blamablen Ausscheiden nach der Vorrunde. Zur tragischen Figur im Schweizer Team avancierte Torhüterin Gaëlle Thalmann, die den nicht allzu scharf und wenig platziert geschossenen Ball passieren liess. Ausgerechnet Thalmann, die zuvor keine Schwächen gezeigt und in der ersten Halbzeit die Schweizerinnen mit Paraden vor einem Gegentreffer bewahrt hatte.

«Spiel des Jahres» bis zum Schluss offen

In der Schlussphase stemmte sich die SFV-Auswahl zwar noch ­einmal gegen das Ausscheiden. In der 83. Minute traf Ana-Maria Crnogorcevic nach einem Corner aus aussichtsreicher Situation den Ball nicht richtig, Sekunden vor dem Schlusspfiff bot sich ­Ramona Bachmann noch eine Freistosschance. Der Schuss der Chelsea-Stürmerin parierte ­Sarah Bouhaddi im französischen Tor aber souverän.

Als «Spiel des Jahres» hatte Martina Voss-Tecklenburg die Partie bezeichnet. Dementsprechend engagiert und konzentriert traten die Schweizerinnen von der ersten Minute an auf. Sie waren sich der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst und boten eine disziplinierte und kämpferisch einwandfreie Leistung. Und nach dem Platzverweis gegen Eve Perisset in der 17. Minute und dem 1:0 durch Crnogorcevic kontrollierten sie gegen die technisch und spielerisch starken Französinnen über weite Strecken die Partie – bis sie durch den Faux-pas Thalmanns um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden. Die Taktik der Schweizerinnen war bis zu diesem Zeitpunkt perfekt aufgegangen.

Hypothek des Startspiels wog zu schwer

Der grosse Coup wäre für die SFV-Auswahl zum Greifen nahe ge­wesen. Die Qualifikation für die ­K.-o.-Phase vergaben die Schweizerinnen allerdings nicht im Duell mit der Nummer 3 der Weltrangliste. Auch wenn die Französinnen sich durch die Gruppenphase zitterten, «Les Bleues» sind unter Coach Olivier Echouafni seit mittlerweile 14 Spielen ungeschlagen. Die letzte Niederlage kassierte Frankreich an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro in den Viertelfinals gegen Kanada.

Aus Sicht der Schweizerinnen wog letztlich die Hypothek aus dem Startspiel gegen Österreich zu schwer, als sie mit ihrer Rolle des Favoriten nicht klarkamen und nach einem schwachen Auftritt 0:1 verloren. Dieser Aussetzer liess sich nicht mehr korrigieren, auch wenn gegen Island und Frankreich eine klare Leistungssteigerung gelang und der erste Sieg und die ersten Tore in der EM-Geschichte überhaupt resultierten.