«El Clásico» in der Königsklasse

Real Madrid gegen den FC Barcelona zum Dritten. Heute treffen die beiden spanischen Clubs im Halbfinal-Hinspiel der Champions League aufeinander. Barcelona-Trainer Josep Guardiola schiebt die Favoritenrolle Real Madrid zu.

Ueli Zoss
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Kräftemessen: Barcelonas Dani Alves (links) und Real Madrids Cristiano Ronaldo treffen heute innerhalb von elf Tagen bereits zum drittenmal aufeinander. (Bild: ap/Andres Kudacki)

Kräftemessen: Barcelonas Dani Alves (links) und Real Madrids Cristiano Ronaldo treffen heute innerhalb von elf Tagen bereits zum drittenmal aufeinander. (Bild: ap/Andres Kudacki)

Fussball. 210 Minuten sind zwischen Real Madrid und Barcelona im Grand Slam des «clásico» gespielt. Die Halbzeitbilanz lässt den Schluss zu: Das 1:1 im Liga-Vergleich und der 1:0-Erfolg nach Verlängerung im Cupfinal hat bei Madrids Spielern die ohnehin schon stolze Brust weiter anschwellen lassen. «Wir haben gelernt, dass Barcelona nicht unbesiegbar ist», so Real-Präsident Florentino Pérez – als hätte das angesichts der Stärke seiner Mannschaft mit dem teuersten Kader der Welt jemals zur Debatte gestanden. An Selbstvertrauen mangelt es auch Cristiano Ronaldo nicht: «Barcelona spielt unglaublich gut Fussball, aber wir sind sehr stark.» Und Trainer José Mourinho tönte nach dem Cup-Triumph: «Wir wollen mehr.»

«Kaum jemand setzt auf uns»

Sein Team sei nicht in bester Verfassung, sagt hingegen Josep Guardiola. Beim Trainer der Katalanen ist der Respekt vor Real grösser geworden. «Wir wissen, dass nicht viel für uns spricht. Kaum jemand wird auf uns setzen.» Dass Guardiola dem Rivalen die Favoritenrolle zuschiebt, ist allerdings auch als taktisches Geplänkel zu verstehen, denn so schlecht spielte der alte und designierte neue Meister in Teil eins der spanischen Festwochen nicht.

Was Guardiola ins Grübeln brachte: Real Madrid dominierte im Cupfinal die erste Halbzeit und die Verlängerung. Torschütze Ronaldo, Ballverteiler Mesut Özil und der unermüdliche Flügelspieler Angel Di Maria versetzten die Abwehr des Gegners mitunter in helle Aufregung, Goalie Iker Casillas parierte alles, was auf sein Tor kam, Sergio Ramos setzte zu beeindruckenden Tacklings an und wie Pepe ohne Rücksicht auf Verluste die gegnerischen Spieler attackierte, ist mit dem Begriff «Aggressiv-Leader» sehr zurückhaltend umschrieben. Vielleicht setzt Mourinho aber auch auf Spielkunst. Der lange Zeit verletzt gewesene Brasilianer Kaká könnte nach seiner Gala-Vorstellung am Wochenende beim 6:3 in Valencia erneut in der Startformation stehen.

Schiedsrichter-Diskussion

Eine an und für sich beiläufige Nachricht erregte die Gemüter, nachdem die Uefa den Namen des Schiedsrichters bekanntgegeben hatte. Das Hinspiel leitet der Deutsche Wolfgang Stark, den Mourinho nach dem 1:1 in den Achtelfinals in Lyon harsch kritisiert hat. Was den Real-Trainer zusätzlich auf die Palme bringt: Stark hat sich wiederholt als grosser Anhänger von Lionel Messi geoutet. Er soll während der WM 2010 sogar auf das Trikot des Argentiniers spekuliert haben, schrieb die Real Madrid nahe stehende Sportzeitung «As».

Doch wie so viele Nachrichten vor dem dritten «clásico» lenkt die Schiedsrichter-Personalie bloss vom Wesentlichen ab: Heute treffen wiederum zwei der besten Mannschaften mit 22 der besten Spieler aufeinander.