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EISSPORT-SZENE: Stein statt Puck

In zwei Tagen beginnt die Curling-EM in St. Gallen. Bis zu 10 000 Zuschauer werden im Lerchenfeld erwartet. Der Curlingsport ist in der Gallusstadt populär. Eishockey konnte sich hingegen nie durchsetzen. Wie kam es dazu?
Pascal Koster

Pascal Koster

Wir schreiben das Jahr 2006. Die Spieler des Curlingclubs St. Galler Bär dürfen die Schweiz als amtierende Landesmeister an den Olympischen Spielen in Turin vertreten. Nur knapp verpassen Skip Ralph Stöckli, Claudio Pescia, Pascal Sieber und Marco Battilana den Halbfinal und damit eine ­Medaille. Zehn Monate später stellt der CC St. Galler Bär die EM-­Equipe. Der Uzwiler Stöckli ist erneut dabei und gewinnt mit Skip Andreas Schwaller, Thomas Lips und Damian Grichting in Basel Gold. St. Gallen freut sich mit.

«Das Team Stöckli hat dem hiesigen Curling einen riesigen Schub gegeben», erinnert sich Gallus Kappler. Er ist Präsident des Curling-Centers St. Gallen und regelt als solcher die Benutzung der neuen Halle. Im Jahr 2008 reussieren die St. Galler Bären erneut. Skip Pescia, Patrick Hürlimann, Sieber und Battilana, der OK-Präsident der übermorgen startenden EM, erringen den Schweizer-Meister-Titel. Bis 2010 gehört der CC St. Galler Bär in der Schweizer Meisterschaft permanent zu den Besten. Nach und nach löst sich das erfolgreiche Team jedoch auf. Seit 2008 bleiben die Erfolge in der Elite aus.

Trotzdem gilt St. Gallen bis heute als Curling-Stadt. «St. Gallen ist unter den Curlern sehr bekannt», bestätigt Battilana. Der 41-Jährige ist sich sicher, dass dieser Punkt bei der EM-Vergabe berücksichtigt wurde. «Hier gab es schon früher als anderswo eine aktive Szene», weiss er. Das Curling sei zusätzlich aufgekommen, als in den 60er-Jahren eine Halle gebaut wurde. Dasselbe Phänomen liess sich auch bei der Er­öffnung der neuen Curlinghalle vor drei Jahren beobachten. «Wir verzeichneten grossen Zuwachs», sagt Kappler.

«St. Gallen ist keine ­Eishockeystadt»

Erfolg und eine einwandfreie ­Infrastruktur, zwei Elemente, die den St. Galler Hockeyanhängern nicht geboten werden. Der EHC St. Gallen steckt im Mittelfeld der fünfthöchsten Schweizer Spielklasse fest. Die Eisbären St. Gallen sind Drittligisten. Der SC Herisau, dessen Spiele zu NLB- und NLA-Zeiten von vielen Stadtsanktgallern besucht wurden, versucht sich nach dem Aufstieg im Frühjahr in der 1. Liga zu halten. Werner Haltiner stellt klar: «St. Gallen ist keine Eishockeystadt.» Der 58-Jährige spielte mit Herisau in der NLB und gründete 1992 den EHC Vorwärts Bruggen. Das Team bestand aus ausgedienten NLA- und NLB-Spielern. Die «Bröggler», wie sie genannt wurden, stiegen innert drei Jahren von der 4. in die 1. Liga auf. In der Stadt brach eine Eishockey-­Euphorie aus. «Wir hatten an den Aufstiegsspielen bis zu 1200 Zuschauer», sagt Haltiner. 2000 ­fusioniert Bruggen mit dem EHC St. Gallen und gerät genauso in Vergessenheit wie die erfolgreichen Tage. Doch das Projekt EHC Vorwärts Bruggen habe ihm bewiesen, dass es viele Interessierte gäbe. «St. Gallen hat die Anhänger, aber keinen nennenswerten Club. Viele gehen deshalb nach Davos.»

Haltiner kennt die Gründe für die Misere der lokalen Eishockeyclubs. «Jeder Verein schaut nur für sich selbst. Dabei gäbe es mehr als genügend einheimische Spieler. In der Ostschweiz müsste es ganz eindeutig einen NLA-Club geben.» In den Vorständen seien oft die falschen Leute gesessen. «Es wurde in vielen Bereichen unprofessionell gearbeitet», betont er. Enttäuscht ist der ehe­malige NLB-Profi auch von der neuen Lerchenfeld-Halle. «Es wurden Personen beauftragt, die keine Ahnung von Eishockey haben. Die Eishalle ist in vielerlei Hinsicht eine Fehlkonstruktion.»

Die Hoffnung auf Besserung gibt Haltiner nicht auf. Im Nachwuchsbereich müssten die Clubs allerdings näher zusammenarbeiten, sodass in St. Gallen etwas aufgebaut werden könne. Die Curler nehmen dabei eine Vorbildfunktion ein. Haltiner lobt die Initianten der neuen ­Curlinghalle: «Sie schafften es, eine wunderschöne Anlage zu er­richten.»

Hartnäckige Kooperation

Die neue Halle ist vor allem der Verdienst von Ferdinand Flühler, der sich 14 Jahre lang dafür eingesetzt hat. Die Curlinghalle sei von den St. Galler Clubs selbst­finanziert, sagt Gallus Kappler. Die Curlingclubs St. Gallen, St. Gallen-Sitter, St. Galler Bär, Herisau-Waldstatt sowie der Rollstuhl-Curlingclub St. Gallen hätten alle am gleichen Strick gezogen, um den Bau der Halle zu ermög­lichen. Dieses Miteinander der Clubs widerspiegelt sich in der Infografik oben. Während sich die neun grösseren Curlingvereine der Region auf drei Hallen ver­teilen, benötigen die zehn Eis­hockeyclubs zwischen der 2. Liga und der NLB neun Eis-Arenen. Der NLB-Verein Rapperswil-Jona wird in der Grafik ausser Acht gelassen, weil die Stadt St. Gallen nicht zum Einzugsgebiet gehört.

Dass fünf verschiedene Clubs und eine Jugendabteilung konfliktfrei in einer Halle untergebracht werden können, glaubte Kappler erst selbst nicht. «Beim Amts­antritt war für mich klar, dass ich aus den vielen Vereinen einen einzigen machen muss.» Er habe jedoch schnell gemerkt, dass der Dialog zwischen den Vereinen funktioniert. «Jeder der fünf Clubs organisiert eigene nationale, aber auch internationale Turniere», so Kappler. Die anfallenden Kosten verteilen sich. Durch die vielen Anlässe erlangt der Curlingsport immer wieder Aufmerksamkeit. «Für die Eishockeyaner ist es ­natürlich schwierig, einen grossen Anlass nach St. Gallen zu holen», gibt Kappler zu. Er weiss um die Chancen, die ein solches Turnier bietet. «Ich hoffe, dass die EM ­einen weiteren Hype auslöst», sagt er.

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