NLB-Eishockey

Grosse Ambitionen zwischen Wallis und Holland: Wie Tim Bucher von Visp nach Olten fand

Oltens Neuzugang Tim Bucher will mit dem EHCO Grosses erreichen – und trifft ein erstes Mal auf seinen Ex-Klub Visp. Er sagt: «Es wird ein besonderes Spiel sein.»

Silvan Hartmann
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Verteidiger Tim Bucher im Dress des EHC Olten.

Verteidiger Tim Bucher im Dress des EHC Olten.

Bruno Kissling

Tim Bucher macht keinen Hehl daraus: Heute wartet in der Litternahalle in Visp (17.45 Uhr) ein ganz besonderes Spiel auf den Oltner Neuzugang.

In der letzten Saison lief der 29-jährige Verteidiger noch im Dress der Oberwalliser auf. Nun trifft er ein erstes Mal – es werden mindestens sieben Direktduelle sein – auf seine ehemaligen Teamkameraden.

Noch mehr: Die Visper Fankurve deutete an, nach dem Spiel ihren Ex-Captain mit einer Welle feiern lassen zu wollen. «Ich freue mich auf das Spiel: Ich habe vier Jahre in Visp verbracht, meine Freundin ist aus dem Wallis und ich habe in dieser Zeit gute Freundschaften geschlossen. Ich bin daher noch immer hin und wieder im Wallis anzutreffen», sagt Bucher, der in Wattwil SG aufgewachsen ist und heute in der Stadt Bern wohnt.

Überzeugender Teamplayer

Beim EHCO unterschrieb Tim Bucher, der mit seinem Stammverein Rapperswil-Jona 98 NLA-Spiele bestritten hatte, einen Zweijahresvertrag: «Ich wollte wieder zurück in die Region. Olten hat sich sehr stark um mich bemüht, menschlich haben sie mich sofort angesprochen und der Umbruch sowie die grossen Ambitionen sind sehr reizvoll. Zudem ist das Publikum grossartig.»

Was viele nicht wissen: Bereits im Jahr 2008 kam ein Wechsel des damals 20-Jährigen zum EHC Olten beinahe zustande. «Ich war in Olten im Probetraining und unterhielt mich lange mit Dino Stecher. Weil ich aber an einem Punkt war, an welchem ich etwas ganz Neues suchte und Olten sich zu diesem Zeitpunkt noch im Aufbau befand, entschied ich mich für eine Saison in Visp», erinnert sich Bucher. Daraus wurden insgesamt vier.

Nun, neun Jahre später, haben sich die Parteien doch noch gefunden. Bucher hatte während der Vorbereitung sowie im Saisonauftakt- und Cupspiel bewiesen, wie wichtig er noch werden könnte für den EHCO. Nicht nur seiner Grösse wegen fiel der Ostschweizer auf dem Eis auf: Der mit 1,91m grösste Oltner Spieler ist erstaunlich agil und leichtfüssig auf den Schlittschuhen unterwegs, strahlt Sicherheit aus, stabilisiert die Defensive routiniert. Und gleichzeitig ist er in der Lage, solide erste Pässe zu spielen und vermag in der Offensive gefährliche Akzente zu setzen. Kurz: Tim Bucher ist ein kompletter Verteidiger.

Mit dem Wechsel zum EHC Olten verändern sich für Bucher nun aber nicht nur die Gegebenheiten neben dem Eis markant, auch sein Spiel muss er anpassen: «Wir haben unglaublich viel Offensivpotenzial, sehr viele produktive Stürmer. Ich werde deshalb eine eher defensivere Rolle einnehmen, als ich bei Visp innehatte. Und dennoch ist es mein persönliches Ziel, mich auch in die Offensive einschalten zu können, wann immer der Platz dazu da sein wird», so Bucher, aus dem zu jeder Zeit des Gesprächs der überzeugende Teamplayer durchdringt.

Es wurmt ihn daher auch nicht, dass er trotz zweijähriger Führungserfahrung als Captain in Visp das Amt nur als Assistent ausführen darf. «Ganz ehrlich: Ich habe daran nicht einmal einen Gedanken verloren. Ich hätte es als Neuzugang auch nicht gewollt. Schneuwly ist genau der Richtige. Er hat die Fähigkeiten, kennt den Klub, die Leute, die Mechanismen – es ist mir lieber so», sagt Bucher, der sich selber als sensible, kommunikative Person beschreibt, die in der Kabine eher den individuellen Austausch mit den Teamkameraden sucht, als jemanden lauthals zu kritisieren.

Angebot aus den Niederlanden

Umso sachlicher kann Bucher denn auch den Saisonstart einordnen: «Auf dem Papier war der Start sicher vielversprechend. Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen und müssen weiter an uns arbeiten. Wir stehen viel zu wenig kompakt, zu instabil, haben noch viel zu viele Scheibenverluste», so Bucher: «Und trotzdem stimmt mich positiv, dass wir dabei wenige Tore erhalten haben und im richtigen Moment die Tore schiessen konnten.»

Bucher strebt mit Olten grosse Ziele an. Wie es nach seinem Zweijahresvertrag weitergehen soll, weiss der 29-Jährige noch nicht. Im Januar schloss er erfolgreich das Betriebswirtschaftsstudium ab und macht bei einem EHCO-Sponsor – einem Personalbüro – im 20-Prozent-Pensum einen ersten Schritt in der Arbeitswelt.

Mittelfristig hört sich ein kurios anmutendes Angebot ziemlich verlockend an: Im April besuchte Bucher in den Niederlanden – der Heimat seiner Mutter – den Eishockeyclub Tilburg Trappers.

Der 15-fache niederländische Meister spielt seit 2015 in der deutschen Oberliga und ist amtierender Meister der dritthöchsten deutschen Spielklasse.

Der Verein möchte professionellere Strukturen erarbeiten und war beim Besuch Buchers sofort Feuer und Flamme für die Dienste des Oltner Verteidigers. «Sie rollten mir quasi den roten Teppich aus», sagt er schmunzelnd und scheint nicht ganz davon abgeneigt zu sein, eines Tages seine Hilfe anzubieten.

Noch ist das erst Zukunftsmusik. Und so gilt die Konzentration ganz der Gegenwart: «Ich will hier in Olten etwas Grosses erreichen.»