Eishockey Playoff-Halbfinal
Die Leichtigkeit des Seins - Damien Brunner und der EHC Biel haben sich gefunden

Damien Brunner und der EHC Biel: Oder wenn ein Puzzleteil perfekt ins Gesamtbild passt. Die Bieler schlugen den SC Bern schon zum zweiten Mal in dieser Halbfinal-Serie. Die Seeländer sind vorsichtig optimistisch, zu präsent sind die Erinnerungen an vergangenes Jahr.

Marcel Kuchta
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Spezieller Jubel: Biels Damien Brunner klettert nach seinem späten Ausgleichstreffer auf das Berner Tor.

Spezieller Jubel: Biels Damien Brunner klettert nach seinem späten Ausgleichstreffer auf das Berner Tor.

Urs Lindt/freshfocus

Eishockey kann ein langweiliger Sport sein. Dann, wenn sich zwei Mannschaften zurückziehen, sich gegenseitig abtasten und nichts riskieren. Aber Eishockey kann auch ein fantastischer, unterhaltsamer Sport sein. Wenn die Mannschaften auf dem Eis intensiv zu Werke gehen, die Checks fertigmachen, aber spielerisch trotzdem eine feine Klinge führen.

Das zweite Halbfinal-Duell zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern (3:2 nach Verlängerung) war exakt so ein Spiel, bei welchem man als neutraler Betrachter bisweilen ins Schwärmen geriet – Spannung und Dramatik inklusive.

Auf der einen Seite sah man einen entschlossenen SCB, der seine physischen Vorteile ausspielte und endlich mit der nötigen Playoff-Intensität zu Werke ging. Auf der anderen Seite faszinierten die Bieler mit ihrem Spielwitz, ihrer Präzision und der permanent offensiven Ausrichtung.

Einer der Hauptdarsteller im Ensemble der Seeländer war am Donnerstagabend Damien Brunner. Dass er ein Spieler mit speziellen Begabungen ist, ist in der Szene hinlänglich bekannt. Er, der 2013 in der NHL bei den Detroit Red Wings an der Seite des russischen Superstars Pavel Datsjuk zauberte, hat schwierige Jahre hinter sich.

Bei den New Jersey Devils wurde er nicht glücklich, weil er nicht mehr in einer Rolle agieren durfte, die auf ihn zugeschnitten ist. Und seine dreieinhalb Jahre in Lugano waren vor allem von unzähligen Verletzungen geprägt.

«Macht extrem viel Spass»

Erst jetzt, im Alter von 33 Jahren scheint er wieder in der Lage, sein enormes Potenzial auszuschöpfen. Es war jedenfalls eine wahre Freude, Brunner in diesem hart umkämpften Duell gegen den SCB zu beobachten. Da war einer am Werk, der die Leichtigkeit des Seins erlebt und sich rundum wohlzufühlen scheint.

Ein Eindruck, der nicht täuscht, wie er selber bestätigte: «Es macht extrem viel Spass, in der Linie mit Jason Fuchs und Robbie Earl zu spielen. Wir haben eine gute Chemie entwickelt. Aber unsere grosse Stärke ist das Kollektiv. Wir können uns in jeder Situation auf den Mitspieler verlassen. Das ist das Schöne hier in Biel. Ich bin ein Puzzleteil und passe perfekt ins Gesamtbild. Und das ist das Allerwichtigste.»

Als Damien Brunner im vergangenen Sommer aus seinem laufenden Vertrag in Lugano nach Biel wechselte, da wurde dies mit gemischten Gefühlen wahrgenommen. Angesichts der Tatsache, dass der torgefährliche Stürmer nach seiner schönen Saison in Detroit nie mehr auf sein gewohntes und erwartetes Rendement kam, durfte man sich effektiv fragen: Ist er für die Bieler tatsächlich eine Verstärkung oder doch eher ein Spieler, der nur noch von altem Ruhm lebt und dafür das Lohnbudget strapaziert?

Letztlich wurde Damien Brunner von Biels Sportchef Martin Steinegger gerade wegen Abenden wie am Donnerstag verpflichtet. Wenn Spieler wie er in einer engen, umkämpften Partie den entscheidenden Unterschied ausmachen können. Als die Bieler im letzten Drittel dem 1:2-Rückstand hinterherrannten und Chance um Chance vergaben, verloren sie nicht die Geduld.

Und wurden belohnt, als Brunner in der 57. Minute nach der brillanten Vorarbeit von Robbie Earl am richtigen Ort stand, seiner Intuition vertraute und den Puck an SCB-Goalie Leonardo Genoni vorbeibrachte. Mit seinem späten Ausgleich ebnete Brunner seiner Mannschaft den Weg zum Sieg, den der Finne Toni Rajala in der Verlängerung sicherstellte.

Die Erinnerung ans Vorjahr

2:0 führt Biel in der Halbfinalserie gegen den SC Bern. Grund für übertriebene Euphorie gibt es im Seeland noch nicht. Zumal man schon im Vorjahr gegen Lugano eine 2:0-Führung aus den Händen gegeben hat. Man spürt jedoch, dass die Bieler mit einem gesunden Selbstvertrauen unterwegs sind.

«Wir können alle einander vertrauen. Jeden Abend kann ein anderer Spieler Held sein», sagt Damien Brunner und erklärt die Spielfreude der Mannschaft mit folgenden Worten: «Man spürt es auch auf der Bank: Es macht Spass, den anderen zuzuschauen. Man kommt fast immer in guten Situationen aufs Eis. Die Spieler wechseln in den richtigen Momenten. Es hilft, wenn man sich vorwärtsorientieren und mit positiver Energie agieren kann, statt immer erst dem Puck hinterherrennen zu müssen. Wir haben lange daran gearbeitet, dass wir als Mannschaft so funktionieren.»

Bleibt die Frage: Ist bei den Bielern genügend Energie vorhanden, um den aufwendigen und kraftraubenden Stil durchzuziehen? Daran hat Brunner keine Zweifel: «Ich weiss, dass wir volle Tanks haben. Wir forcieren niemanden», sagt er, merkt aber gleichzeitig an: «Ich bin jetzt auch schon 33 Jahre alt.

Der Körper spürt die Strapazen, zumal ich in den letzten Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Ich musste im Januar und Februar nochmals etwas mehr in den physischen Aufbau investieren.» Schaut man Damien Brunner derzeit bei der Arbeit zu, dann hat sich der Aufwand zweifellos gelohnt.

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