Eishockey

Die Krönung einer Eishockey-Dynastie

Der HC Davos setzt sich im Playoff-Final gegen die Kloten Flyers durch und feiert seinen 30. Meistertitel. Die Bündner singen das Hohelied auf die Leistungskultur.

Marcel Kuchta
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Schweizer Meister HCD Davos gewinnt entscheidendes Spiel gegen Kloten Fleyers mit 3:2
Josef Marha feiert mit den HCD-Fans den Titel
Meister-Zigarre...
...und Bier gehören zu einem Meistertitel dazu
Freud und Leid liegen nahe beieinander: Spieler der Kloten Flyers nachdenklich am Boden zerstört
sind gelandet: Die Flieger müssen die HCD-Spieler jubelnd im eigenen Stadion zusehen, das schmerzt einem Hockeyspieler
Kimmo Rintanens Zeit bei Kloten ist abgelaufen: Da fliessen die Tränen. Rintanen wechselt auf nächste Saison hin zum HC Lugano
 Davoser Sandro Rizzi, unten, versucht einen Schuss gegen den Klotener Goalie Ronnie Rüeger
 Der Davoser Josef Marha, Mitte, freut sich ueber seinen Treffer zum 1-0
 HC Davos Stuermer Josef Marha schiesst das 0-1 und bezwingt Klotens Torhüter Ronnie Rüeger
 Keine Chance für Kloten Flyers Verteidiger Michael (Micki) DuPont, links, und Kimmo Rintanen, Nr. 33, gegen die Davoser Robin Grossmann, Mitte.
 Der Klotener Mark Bell, links, und der Davoser Reto von Arx, rechts, kämpfen um den Puck
 Kloten Flyers Stürmer Kimmo Rintanen, Mitte, gegen HC Davos-Torhueter Leonardo Genoni, am Boden, Robin Grossmann, Nr. 91, und Tim Ramholt, rechts.
 Der Davoser Petr Taticek, links, freut sich über den Treffer zum 3-1
 Klotener Micki DuPont, links, und der Davoser Marc Wieser, rechts, geben vollen Einsatz
 Davoser freuen sich über Tor

Der HC Davos ist seit mittlerweile einem Jahrzehnt das Mass aller Dinge im Schweizer Eishockey. Seit 2002 standen die Bündner siebenmal im Playoff-Final und gewannen gestern in Kloten in dieser Zeitspanne ihren fünften Meistertitel.

Das sind, angesichts der herrschenden Ausgeglichenheit im Schweizer Eishockey, eindrückliche Zahlen. Während Mannschaften wie der SC Bern oder die ZSC Lions seit Jahren um konstanten sportlichen Erfolg kämpfen, eilt der HC Davos in regelmässigen Abständen von Triumph zu Triumph.

Der HCD hat das geschafft, wovon viele Sportorganisationen träumen: Die Davoser haben eine Dynastie kreiert. Das heisst, sie haben die personellen Säulen geschaffen, die den sportlichen Erfolg über Jahre garantieren.

Die tragende Säule: Arno Del Curto

Die Hauptlast tragende Säule bei den Davosern ist Trainer Arno Del Curto. Der Engadiner hat in den 15 Jahren, die er mittlerweile im Landwassertal im Amt ist, eine Leistungskultur installiert, die hierzulande einzigartig ist. Er fordert von sich und seinen Spielern immer das Maximum, ja eigentlich sogar mehr als das.

Um diese Leistungskultur umzusetzen, braucht Arno Del Curto neben seinen Gaben als Kommunikator, Menschenkenner und Ausbildner auch Spieler, die seine Ideen zu hundert Prozent mittragen und umsetzen.

Mit den Brüdern Reto (34) und Jan von Arx (33), Sandro Rizzi (32) sowie Josef Marha (34) kann sich Del Curto seit über einem Jahrzehnt auf einen «harten Kern» verlassen. Del Curto und dieses Spieler-Quartett bilden die eigentliche Basis der Davoser Dynastie.

Das Meisterteam des HC Davos

Gegründet: 1921. - Meistertitel: 30. - Trainer: Arno Del Curto (seit 1996).

Torhüter: Leonardo Genoni (Jahrgang 87), Remo Giovannini (91).

Verteidiger: Jan von Arx (78), Beat Forster (83), Robin Grossmann (87),Tim Ramholt (84), René Back (82), Lukas Stoop (90), Samuel Guerra (93), Ramon Untersander (91), Allan Tallarini (84).

Stürmer: Reto von Arx (83), Petr Sykora (Tch, 78), Petr Taticek (Tch, 83), Peter Guggisberg (85), Josef Marha (Tch, 76), Jaroslav Bednar (Tch, 76), Peter Sejna (Slk, 79), Dario Bürgler (87), Sandro Rizzi (78), Dino Wieser (89), Marc Wieser (87), Mathias Joggi (86), Grégory Sciaroni (89), Lee Jinman (Kan, 76), Janick Steinmann (87).

Kampf gegen die Genügsamkeit

Del Curto hat es in den letzten zehn Jahren stets geschafft, um diesen harten Kern herum immer wieder eine funktionierende Mannschaft aufzubauen. Er hat der aufgrund der Meistertitel logischen Genügsamkeit und dem fehlenden Erfolgshunger immer wieder den Kampf angesagt.

Auch das eine Folge dieser einzigartigen Leistungskultur, die den HC Davos von den anderen Mannschaften abhebt. Del Curto ist nie zufrieden. Und deshalb sind seine Spieler genau dann, wenn es zählt, immer in der Lage, an ihre Grenzen und darüber hinaus zu gehen.

Genau deshalb sind sie ihrer Konkurrenz in den entscheidenden Augenblicken oft einen Schritt voraus. Der aktuelle Meistertitel war angesichts der Dominanz, mit der er zustande gekommen ist, quasi die Krönung der Davoser Dynastie.

Bleibt die Frage, wohin der Weg des HC Davos führt. Die Mitglieder des Führungsquartetts kommen langsam, aber sicher in den Herbst ihrer Spielerkarrieren. Dank ihrer Professionalität und ihrer mentalen Stärke werden Reto von Arx und Co. noch mindestens drei Saisons auf hohem Niveau agieren und somit das Spiel des HC Davos prägen können.

Doch für Arno Del Curto hat mit dem Gewinn des Meistertitels 2011 bereits die nächste Herausforderung begonnen. Er wird sich an die (unlösbar scheinende) Aufgabe machen, einen Nachfolger von Reto von Arx aufzubauen.

Einen Spieler, der dereinst in die Fussstapfen des Emmentalers treten kann. Solche Spieler wachsen nicht auf Bäumen. Sie müssen mit viel Arbeit und noch mehr Geduld geformt, ja herangezüchtet werden. Ausgerechnet ein Spieler bei Finalgegner Kloten liess erahnen, dass er einst in die Fussstapfen von «RvA» treten könnte: Der 18-jährige Samuel Walser.