ZSC Lions

Die berühmte Millionen-Dollar-Frage: Warum sind die ZSC Lions in den Playoffs gescheitert?

Sportchef Edgar Salis analysiert das frühe Saisonende der ZSC Lions, übt Selbstkritik und verteilt Komplimente an den HC Lugano.

Marcel Kuchta
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Zum zweiten Mal in Serie in den Playoffs versagt: Die ZSC Lions und ihr Captain Mathias Seger.

Zum zweiten Mal in Serie in den Playoffs versagt: Die ZSC Lions und ihr Captain Mathias Seger.

Keystone

Am Tag nach dem Viertelfinal-Out gegen den HC Lugano herrscht bei den ZSC Lions immer noch eine gewisse Fassungslosigkeit. «Die Enttäuschung ist riesig. Wir haben viel mehr von uns erwartet», findet Sportchef Edgar Salis klare Worte. Den Zürchern steht, wie schon in der vergangenen Saison, eine unerfreulich lange Sommerpause bevor. Und damit viel Zeit zu analysieren, was zum erneuten, frühzeitigen Scheitern führte.

Im Mittelpunkt steht dabei neben der Bewertung der Spielerleistungen und der Trainerarbeit auch die Performance des Sportchefs. Diesbezüglich gibt es einige Kritikpunkte, die einer Klärung bedürfen. Zum Beispiel die Tatsache, dass die ZSC Lions in fünf von sechs Playoff-Spielen mangels Alternativen nicht mit der maximalem Anzahl Ausländern (4) antreten konnten.

Robert Nilsson: Nach dem Ausfall des Schillerfalters traten die Lions nur noch mit drei Ausländern auf.

Robert Nilsson: Nach dem Ausfall des Schillerfalters traten die Lions nur noch mit drei Ausländern auf.

Keystone

Während sich alle anderen NLA-Mannschaften für alle Eventualitäten absicherten und Ersatzsöldner verpflichteten, blieb man in Zürich tatenlos. Für Salis auch jetzt noch ein vertretbarer Entscheid: «Es hatte ganz einfach keine Spieler auf dem Markt, die uns hätten helfen können.»

Zu grosses Kader?

Dass der Lions-Sportchef diesbezüglich untätig blieb, hatte auch einen anderen Hintergrund. Mit Jonas Siegenthaler und Ronalds Kenins stiessen nach Saisonbeginn zwei weitere Spieler zum sowieso schon grossen Kader. Die ganze Mannschaft personell noch weiter aufzublähen, hätte kaum Sinn gemacht. Zumal das Überangebot an Spielern sowieso schon Unruhe ins Team brachte, wie Salis im Nachhinein feststellen musste.

Auch das ganze Theater um die Personalie Luca Cunti war der Entwicklung der Mannschaft nicht zuträglich. Das Trainerduo Wallson/Johansson fand keine Verwendung für den hochtalentierten, aber sensiblen Mittelstürmer, der schliesslich zum EHC Kloten entsorgt wurde. Dabei fehlte den Zürchern in der Serie gegen Lugano gerade nach dem Ausfall von Robert Nilsson ein kreativer Spieler, der für einen Geniestreich gut gewesen wäre.

Salis übt Selbstkritik

Bei allen Kritikpunkten ist für Edgar Salis aber klar, dass «Lugano die bessere Mannschaft war. Ich bin der festen Meinung, dass es in einer Best-of-7-Playoffserie keinen Zufallssieger gibt.» Der Bündner stellte auch fest, dass den Lions in den entscheidenden Phasen die nötige Intensität fehlte.

Haben die ZSC Lions das richtige Kader?

Haben die ZSC Lions das richtige Kader?

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«Wir sind oft dominant aufgetreten, konnten es aber in den Playoffs nicht durchziehen. Warum das so ist? Das ist die berühmte Millionen-Dollar-Frage. Zumal es uns ja nicht das erste Mal passiert ist, sondern letzte Saison auch schon.» Die Konsequenz? Salis: «Wir müssen sicher unsere Mannschaft unter die Lupe nehmen und uns die Frage stellen: Haben wir die falschen Leute?»

Edgar Salis ohne Angst vor der Zukunft

Allzu viel Spielraum hat der Lions-Sportchef allerdings nicht punkto Kaderbildung. Der Grossteil der Equipe steht. Auf den Ausländerpositionen hat nur Mattias Sjögren einen weiterlaufenden Vertrag. Ryan Shannon tritt zurück, David Rundblad und Patrick Thoresen gehörten während der Playoffs zu den wenigen Spielern, die die Erwartungen einigermassen erfüllten, haben aber noch keinen Vertrag für die kommende Saison.

Und Edgar Salis selber? Hat er Angst, dass seine Position nach der eingehenden Saisonanalyse gefährdet ist? «Angst? Nein. Aber das hat nichts damit zu tun, ob ich in meiner Funktion als ZSC-Sportchef gefährdet bin oder nicht. Ich bin gesund, habe eine Familie und weiss, dass ich wieder einen Job finden würde.»