Eishockey

Biels NHL-Star Patrick Kane tauscht Mutter gegen Freundin

Seit Ende Oktober spielt Patrick Kane (24) von den Chicago Blackhawks für den EHC Biel. Dass ihn seine Mutter in die Schweiz begleitet hat, sorgt in der Heimat für Erheiterung.

Patrik Schneider
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Patrick Kane hat nur bedingt Lust, in die Schweiz zurückzukehren.

Patrick Kane hat nur bedingt Lust, in die Schweiz zurückzukehren.

Er gilt als Partytiger. Die letzte Eskapade stammt aus Madison, Wisconsin. Anfang Mai, knapp zwei Wochen nach dem Aus der Blackhawks in den Conference-Viertelfinals, feierte er im Kollege Klub derart ausschweifend, dass er gemäss Augenzeugen noch vor Mitternacht aus dem Lokal geschmissen wurde. Er war stockbesoffen und führte sich offenbar auf «wie das grösste Arschloch». Die Bilder dieses feuchtfröhlichen Abends und der Fortsetzung am nächsten Tag machten schnell die Runde, ebenso schnell wurden die Stimmen laut, Kane sei in Chicago nicht mehr tragbar, zumal er sich nicht das erste Mal gehörig daneben benommen hatte. 2009 etwa fand er sich für kurze Zeit in Polizei-Gewahrsam wieder, nachdem er und sein Cousin einen Taxifahrer in Heimatstadt Buffalo tätlich angegriffen hatten.

Aus Biel hörte man bisher nichts dergleichen. Vielleicht liegt es daran, dass ihn kaum einer kennt, wenn er ohne Helm unterwegs ist. Vielleicht ist es auch die typische Schweizer Zurückhaltung, die ihn bislang vor unangenehmen Schlagzeilen bewahrt hat. Wahrscheinlich ist der Grund aber ein ganz simpler: seine Mutter Donna. Sie hat ihren Sohn in die Schweiz begleitet und lebte mit ihm bis vor kurzem in einer modernen Wohnung fünf Minuten vom Stadion entfernt. «Ich habe jeden Tag für ihn gekocht», sagte sie dem «Wall Street Journal». «Viel anderes kann man hier ja nicht machen. Es gibt nur etwa fünf englischsprachige TV-Sender. Es ist sehr abgeschieden.» Langweilig halt.

Und auch die Abende im Hause Kane waren frei von übermässigem Aktivismus. Meist sassen die beiden daheim in der guten Stube, schauten sich Filme oder amerikanische TV-Shows am Laptop an. Selbst an freien Tagen sei ihr Sohn selten aus dem Haus gegangen, Und wenn, dann zum Workout im Stadion. Dorthin brachte Donna ihren Patrick vor Heimspielen persönlich. Sie wollte wohl angesichts des nicht gerade lupenreinen Leumunds ihres Sohnes rein gar nichts dem Zufall überlassen. Die bissigen Kommentare aus der Heimat liessen nicht lange auf sich warten. Viele amüsieren sich über den vordergründig geläuterten Mr. Party. «Das ist mal eine gute Entwicklung», freut sich einer. «Am besten bleibt er nun sein ganzes Leben lang zuhause – abgesehen von den rund drei Stunden, in denen er jeweils spielen muss.»

Kane würde gerne in Chicago bleiben

Donna und Patrick Kane sind während der Nationalmannschaftspause in die USA zurückgekehrt. Dort würde der 24-Jährige auch am liebsten bleiben, wie er gegenüber «CSNChicago.com» sagte. «Es wäre schön, wenn ich am Sonntag nicht zurück in die Schweiz müsste; wenn ich mich hier im Trainingscamp auf den NHL-Start vorbereiten könnte.» Sein bisheriger Lockout-Auftritt in Biel (7 Tore und 8 Assists in 14 Spielen) sei eine gute Erfahrung, «die ich nie vergessen werde. Aber das Leben hier in Chicago ist deutlich besser. Ich realisiere erst jetzt, wie gut ich es doch habe, mit dem ganzen Trainerstaff, den Materialverantwortlichen und allen, die sich so gut um mich kümmern.» Oder anders gesagt: Es widerstrebt ihm, seine Hockeytasche selber tragen zu müssen. Wenigstens musste er nicht selber kochen. «Es war schön, meine Mutter hier zu haben. Sie hat für mich das Essen zubereitet und mir in vielen Situationen geholfen.»

Diese Zeiten sind vorbei. Da nicht davon auszugehen ist, dass sich im Streit um den neuen Tarifvertrag in der NHL in nützlicher Frist etwas tut, wird Patrick Kane am Sonntag nach Biel zurückkehren. Ohne seine Mutter. Aber auch nicht alleine. Diesmal wird ihn seine Freundin begleiten. Ob die auch so gut kochen kann, wissen wir nicht. Wenigstens dürfte die Gefahr der Langeweile damit gebannt sein.