EISHOCKEY-WM: Ein Wechsel in der Hierarchie

Nationaltrainer Patrick Fischer hat Rafael Diaz als Nachfolger von Andres Ambühl zum Captain bestimmt. Trifft der Davoser dafür wieder ins Tor? Heute um 12.15 Uhr trifft die Schweiz auf Slowenien.

Klaus Zaugg, Paris
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Rafael Diaz (vorne) während einer Trainingseinheit vor dem ersten WM-Spiel in Paris. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Rafael Diaz (vorne) während einer Trainingseinheit vor dem ersten WM-Spiel in Paris. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Klaus Zaugg, Paris

Slowenien ist ein Eishockeyzwerg. 1017 registrierte Spielerinnen und Spieler hat das Land, die Schweiz 26898. In der Weltrangliste belegt es Rang 15, die Schweiz ist die Nummer 7. Noch nie hat die Schweizer Nationalmannschaft bisher gegen Slowenien verloren. Und doch ist ein Sieg gegen den Aufsteiger im heutigen Spiel ab 12.15 Uhr keine Selbstverständlichkeit. Denn zuletzt hat die Schweiz zweimal hintereinander das WM-Startspiel gegen den Aufsteiger nach Penaltyschiessen verloren. 2015 in Prag gegen Österreich mit 3:4 und 2016 in Moskau mit 2:3.

Diese zwei Pleiten sind nicht vergessen. Die Vorbereitung ist seriös und professionell. Freitagmittag. Das Abschlusstraining ist beendet. Patrick Fischer und seine Spieler stehen den Chronisten Red und Antwort. Wer nicht weiss, dass Slowenien ein Hockeyzwerg ist, kommt zum Schluss, dass es zum WM-Start gegen einen der Titanen des Welthockeys geht. Alle betonen, wie viel Respekt man vor den Slowenen habe. Patrick Fischer führt aus, die Slowenen seien kräftig und zäh in den Zweikämpfen. Man werde die Slowenen unter Druck setzen, müsse aber gleichzeitig darauf achten, einfach und fehlerfrei zu spielen. Der sprachgewandte Kommunikator hat jeweils ein längeres «Interview-programm» als alle seine Vorgänger. Denn er parliert fliessend Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch. Bis nur alle drei Spracheregionen des staatstragenden Fernsehens und Radios bedient sind, ist er schon doppelt so lange Red und Antwort gestanden wie einst Ralph Krueger oder Sean Simpson.

«Wir haben das so entschieden»

Wie üblich verrät Patrick Fischer vor einem WM-Spiel nicht, welcher Torhüter (Jonas Hiller oder Leonardo Genoni) zum Zuge kommen wird. Die Schweizer werden gegen Slowenien mit 7 Verteidigern und 13 Stürmern antreten. Zwei Feldspieler müssen also auf die Tribune. Nach dem Abschlusstraining können wir sagen: von den Stürmern trifft es Fabrice Herzog oder Reto Suri, von den Verteidigern Dominik Schlumpf oder Christian Marti. Ein Wechsel gibt es in der Hierarchie. Nationaltrainer Patrick Fischer hat den WM-Veteranen Andres Ambühl (91 WM-Spiele/16 Tore/21 Assists), den letztjährigen WM-Captain in die Rolle des Assistenz-Captains zurückversetzt. Die Position des offiziellen Leitwolfes wurde neu an Zugs Verteidiger Rafael Diaz (22 WM-Partien/3 Tore/8 Assists) vergeben.

Warum, verrät er nicht und sagt lediglich: «Wir haben das so entschieden.» Mit «wir» meint er sein Coaching-Team mit Tommy Albelin und Christian Wohlwend – und Andres Ambühl. Der Grund für diesen Wechsel ist offensichtlich: der Nationaltrainer will dem Leitwolf des HC Davos Druck von den Schultern nehmen. In der Rolle als Captain spielte Andres Ambühl vor einem Jahr in Moskau seine wohl unglücklichste WM. In sieben Spielen erzielte er lediglich vier Assists. Zum ersten Mal seit 2007 gelang ihm bei einer WM kein Treffer.

Eine Ausgangslage wie an der WM 2010

Die interessanteste Einschätzung der Schweizer Nationalmannschaft macht Damien Brunner. «Die Ausgangslage erinnert mich an die WM 2010. Auch damals hatten wir viele Absagen und ein junges Team, dem wenig zugetraut wurde.» Es war die erste WM mit Sean Simpson. Die Schweizer wuchsen weit über sich hinaus, starteten mit vier Siegen und scheiterten im Viertelfinale denkbar knapp und dramatisch an Deutschland (0:1). Paris 2017 wie Mannheim 2010? Warum nicht?