EISHOCKEY: «Vielleicht waren wir zu naiv»

Vieles sprach vor dem Playoff für den Qualifikationssieger Bern. Nach der 2:3-Niederlage bei den ZSC Lions im sechsten Halbfinalspiel ist der Traum vom dritten Titel in Folge jedoch ausgeträumt.

Sascha Fey (sda)
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Enttäuschte Berner nach der sechsten und gleichzeitig letzten Partie im Halbfinal gegen die ZSC Lions. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Enttäuschte Berner nach der sechsten und gleichzeitig letzten Partie im Halbfinal gegen die ZSC Lions. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Sascha Fey (SDA)

Die Overtime am Samstagabend war ein Sinnbild für diese packende Serie. Nach wenigen Sekunden ging ein Schuss des Berners Mark Arcobello nur deshalb nicht ins Tor, weil ZSC-Torhüter Lukas Flüeler den Stock losliess und der Puck dadurch entscheidend abgelenkt wurde. In dieser Szene war aus Sicht der Lions auch sehr viel Glück dabei. Noch in der gleichen Minute traf der Zürcher Pius Suter das leere Gehäuse nicht, ehe er in der 63. Minute nach einem Querpass von Fredrik Pettersson doch noch erfolgreich war.

Nicht nur diese Partie hätte durchaus auf die Seite des SCB kippen können. Die beiden Teams befanden sich auf Augenhöhe – fünf der sechs Duelle ­endeten mit einem Tor Unterschied. «Es war ein Kampf auf sehr hohem Niveau», brachte es der Berner Simon Bodenmann auf den Punkt. Der Olympia-Teilnehmer, der ab der nächsten Saison für den ZSC spielt, erzielte mit dem 1:1 seinen siebten Treffer in den laufenden Playoffs. Die guten Leistungen waren für ihn aber nur ein schwacher Trost: «Wir hatten Grosses vor nach der Qualifikation. Insofern ist das Scheitern im Halbfinal bitter.»

Die ZSC Lions ausgeglichener besetzt

Tatsächlich spielten die Berner eine sehr starke Regular Season und gingen als klarer Favorit in die entscheidende Meisterschaftsphase. «Vielleicht waren wir etwas zu naiv, glaubten wir, dass es nicht von jedem alles braucht. Aber das ist nötig», sagte Captain Simon Moser. «Sie spielten cleverer, machten weniger Fehler, lasen unser Spiel gut und machten uns so das Leben schwer. Sie wollten es in den kleinen Dingen mehr als wir und kamen deshalb verdient weiter.» Inwiefern war es ein Faktor, dass nicht weniger als 13 Spieler der Berner bei den Winterspielen in Pyeongchang dabei waren? «Das spielte keine Rolle. Von der Energie her war die gesamte Serie ziemlich ausgeglichen.» Den wohl entscheidenden Punkt hob Bodenmann heraus: «Sie waren über vier Linien etwas ausgeglichener besetzt.» So wiesen die Lions bei der vierten Linie deutliche Vorteile aus: Mike Künzle erzielte in der Serie gegen Bern drei Tore, Marco Miranda verzeichnete drei Assists und Raphael Prassl deren zwei. Von der vierten Berner Sturmreihe kam derweil gar nichts.

Ausserdem gewann Flüeler das Goalie-Duell gegen Leonardo Genoni. «Ich hätte weniger Fehler machen sollen», gab sich Genoni selbstkritisch. «Ich weiss, woran ich arbeiten muss. Ich muss bei den Überzahlsituationen besser agieren und muss aggressiver spielen.» Selbstredend war auch bei CEO Marc Lüthi die Enttäuschung gross, jedoch nicht über die Leistung. Deshalb gab er sich gelassen. «Es war ein gutes Spiel, so dass es nichts bringt, zu toben. Ich werde nur hässig, wenn nicht gekämpft wird. Und das kann man den Spielern heute Abend nicht vorwerfen.»