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EISHOCKEY: Ticino first bei Ambrì

Nach turbulenten Jahren kehrt beim NLA-Club Ambrì wieder Ruhe ein. Grossen Anteil daran haben Trainer Luca Cereda und Sportchef Paolo Duca. Die beiden Tessiner schaffen das, woran viele vor ihnen gescheitert sind.
Sergio Dudli
Luca Cereda (oben) und Paolo Duca stehen für den Wandel bei Ambrì. (Bilder: Freshfocus, Keystone)

Luca Cereda (oben) und Paolo Duca stehen für den Wandel bei Ambrì. (Bilder: Freshfocus, Keystone)

Sergio Dudli

Wer derzeit auf die Tabelle der Eishockey-NLA schaut, findet Ambrì auf dem elften Rang – dem zweitletzten. Glaubt man den Prognosen von Experten vor der Saison, liegt der Traditionsclub aus dem Tessin dort, wo er zu erwarten war. Allerdings zeigt der Blick auf die Tabelle nur die halbe Wahrheit. Bloss zwei Punkte liegt Ambrì hinter einem Playoffplatz, und die junge Mannschaft heimst mit ihrer offensiven Spielweise Komplimente von allen Seiten ein. Es ist ein neues, jüngeres und dynamischeres Ambrì als in den vergangenen Jahren, als das Playoff stets ausser Reichweite lag. Grossen Anteil an diesem Wandel haben der neue Sportchef Paolo Duca sowie der neue Trainer Luca Cereda, die beide viele Jahre lang für Ambrì auf dem Eis standen.

Duca absolvierte in der vergangenen Saison im letzten Spiel in der Ligaqualifikation gegen Langenthal sein 650. Spiel für den Club – und wurde nach dem geschafften Klassenerhalt direkt zum Sportchef ernannt. «Wir wollen wieder das machen, was uns in der Vergangenheit stark gemacht hat: Wir müssen ein Ausbildungsclub sein und jenen Kampfgeist auf das Eis bringen, der uns von anderen Teams unterschieden hat.» Um den Plan eines neuen Ambrì umzusetzen, beförderte die Führungsetage im Sommer Cereda zum Trainer der ersten Mannschaft. Er trainierte zuvor Ambrìs NLB-Farmteam Bias­ca Ticino Rockets. «Unser Ziel ist es, junge Spieler zu fördern. Das ist der einzige Weg für uns», sagt Cereda, der über 150 Spiele für Ambrì bestritt, bevor er seine Karriere wegen Herzproblemen beenden musste.

Als der Präsident um Unterstützung bitten musste

Das Wort «fördern» fällt in den Gesprächen mit den beiden Ambrì-Urgesteinen oft. Es verdeutlicht, dass man bei den Tessinern einen Weg abseits der teuren und fertig geschliffenen Spieler gehen will. «Wir wollen junge Spieler mit Potenzial, die sich entwickeln können», sagt Duca. Als Beispiel nennt er Dominic Zwerger. Der 21-jährige Österreicher, einst auch im Rheintal und beim SC Herisau aktiv, versuchte sich in kanadischen Juniorenligen, schaffte aber nie den Sprung in die NHL. «Einer mit so grossem Talent muss sich bei uns nicht erst in der vierten Linie beweisen. Er konnte von Anfang an eine tragende Rolle übernehmen», so der Sportchef. Zwerger zahlt das Vertrauen mit Skorerpunkten ­zurück: In 20 Spielen war er an 14 Toren beteiligt und ist somit zweitbester Punktesammler der Tessiner.

Mit der Ernennung von Duca und Cereda gelang Ambrì-Präsident und CVP-Politiker Filipo Lombardi ein Coup. Die beiden wissen, wie der Verein tickt, und geniessen als ehemalige Ambrì-Spieler grosses Ansehen bei den Anhängern. Zeiten wie jene im Februar dieses Jahres, als sich Lombardi nach schwachen Leistungen des Teams in einem offenen Brief an die Zuschauer wandte und um Unterstützung bat, scheinen weit entfernt. «Die Menschen hier haben es immer geschätzt, ein kämpferisches Team zu sehen. Diese Tugend spüren sie nun wieder», sagt Duca. Trainer Cereda unterstreicht derweil die Wichtigkeit der Anhänger: «Wir spüren ihre Unterstützung und ihr Vertrauen – das hilft unserer jungen Mannschaft sehr.»

Zwei Jugendfreunde im Scheinwerferlicht

Das Zusammenspiel von Sportchef und Trainer scheint bei Ambrì bestens zu funktionieren. «Es ist schon speziell, so eine grosse Herausforderung mit einem Jugendfreund anzugehen. Aber wir haben dieselben Visionen und Ideen», sagt Cereda. Dass diese Visionen nicht von heute auf morgen zum Erfolg führen, ist sich er sich bewusst. «Im Moment sind wir noch weit von dem entfernt, was wir erreichen wollen. Aber wir sind mit dem Einsatz der Spieler zufrieden», so der 36-Jährige.

Auch der gleichaltrige Duca bittet um Geduld. «Die Bewertung unserer Saison ist nicht an Resultate geknüpft. Wir wollen sehen, dass unsere Prinzipien wie Kampfgeist umgesetzt werden und die Jungen einen Sprung nach vorne machen.» Man wolle bei Ambrì keine Schritte mehr machen, die länger sind als die Beine. Auf eine Prognose, wo die Tessiner mittelfristig stehen könnten, möchte sich Duca nicht einlassen. «Vier oder fünf Jahre sind im Eishockey eine sehr lange Zeit. Ich weiss nicht, wo wir dann stehen. Aber ich weiss: Wir sind auf einem guten Weg.»

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