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Eishockey: Schweiz gewinnt gegen Gastgeber Deutschland mit 4:3

Die Schweiz gewinnt beim Deutschland Cup gegen den Gastgeber mit 4:3. Lino Martschini zeigt im Penaltyschiessen starke Nerven.
Klaus Zaugg
Bezwingt im Penaltyschiessen Deutschlands Goalie Niklas Treutle: Lino Martschini. (Bild: Andy Müller/Freshfocus, 10. November 2018)

Bezwingt im Penaltyschiessen Deutschlands Goalie Niklas Treutle: Lino Martschini. (Bild: Andy Müller/Freshfocus, 10. November 2018)

Es ist einer dieser Augenblicke, in denen wir verstehen, warum Kanadas Nationaldichter Al Purdy Eishockey als «eine Mischung aus Ballett und Mord» bezeichnet hat. Nach 60 Minuten plus 5 Minuten Verlängerung steht es zwischen Deutschland und der Schweiz beim Deutschland Cup 3:3 – Penaltyschiessen. Lino Martschini (25), der «Zauberzwerg», der Kleinste von allen, läuft an. In unnachahmlicher Eleganz und Leichtigkeit gleitet er übers Eis, täuscht den Torhüter und lupft die Scheibe auf der Stockhandseite ins Tor.

Der Bann ist gebrochen. Als nächstes wird Yannick Herren treffen. Die Entscheidung. Torhüter Lukas Flüeler lässt sich nicht bezwingen, die Schweizer gewinnen das Penaltyschiessen 2:0 und die Partie somit 4:3 nach Penaltys.

Trotzdem nicht ganz zufrieden

Um ein Haar wäre die Entscheidung bereits in den letzten Sekunden der Verlängerung gefallen. Aber da scheiterte Lino Martschini, als er den Gegenspielern schon davongeflogen war, noch am gegnerischen Goalie. Ein Final wie ein Feuerwerk also für Zugs Topskorer. Ganz zufrieden war er trotzdem nicht. Im Spiel habe er zu wenig Torchancen kreiert. Dafür klappte es mit dem Penalty. Und das ist keineswegs selbstverständlich. Zuletzt war er beim Spiel mit Zug in Ambri im Penaltyschiessen zweimal gescheitert.

Aber diesmal war er ziemlich sicher, dass es funktionieren würde. «Ich habe gesehen, dass der Goalie auf der Fanghand sehr stark ist. Also wusste ich, dass ich es auf seiner Stockhandseite versuchen musste. Ich wusste von allem Anfang an genau, was ich tun wollte.» Wer zum Penalty anzutreten hatte, war nicht von vornherein klar. «Patrick Fischer entscheidet nach Bauchgefühl. Er hat mir einfach einen Schubs gegeben und mich losgeschickt.»

Es gehört zu den «ewigen Streitfragen» unseres Hockeys: Ist Lino Martschini mit 168 Zentimetern zu klein für internationales Hockey? Für ein Spiel mit grimmig entschlossenen Männern in ritterähnlichen Ausrüstungen, die in der Regel grösser als 180 und oft gar über 190 Zentimeter sind? Martschinis Kritiker lassen nicht gelten, dass er doch Zugs Topskorer ist. Das sei eben das offene, schnelle, weniger raue Ligahockey. Sie verweisen gerne auf seine bisher einzige WM-Teilnahme 2016 in Moskau. Da konnte er sich nie in Szene setzen (4 Spiele/1 Assist). Aber leicht geht vergessen: Es war Patrick Fischers erste WM und das Spiel der Schweizer noch wild und wenig strukturiert («Pausenplatzhockey»).

Die WM bleibt ein Thema

Doch inzwischen ist es dem Nationaltrainer gelungen, seine damals noch revolutionäre, moderne Hockeyphilosophie auf eine begeisternde Art und Weise umzusetzen und im letzten Frühjahr bis in den WM-Final zu stürmen. Lino Martschini musste wegen einer Handverletzung im Frühjahr 2018 bereits auf die WM-Vorbereitung verzichten. Wer weiss, vielleicht wäre Kopenhagen sonst auch sein Turnier geworden. «Noch einmal an die WM ist mein ultimatives Ziel», sagt der Enkel der Turnerlegende Ludek Martschini. «Ich weiss, was Patrick Fischer verlangt, und er weiss, was er von mir bekommt.» Nun hat er nicht seine beste Partie gespielt und doch einen ganz wesentlichen Anteil an einem grossen Sieg gegen Deutschland. Mit dem Assist zum 1:1 und dem verwerteten Penalty. Die WM 2019 in Bratislava bleibt für ihn ein Thema.

Mischung aus Traum und Trauma

Dass es überhaupt zu einem Penaltyschiessen kam, lag an einer Mischung aus Traum und Trauma: 50 Minuten lang zelebrierten die Schweizer internationales Traumhockey. So wie es Patrick Fischer verlangt. Natürlich nicht fehlerfrei. «Null Fehler» gibt es höchstens bei der Fahrprüfung. Die Schweizer lösten sich mit präzisen Pässen aus der eigenen Zone, sie schalteten blitzschnell von Verteidigung auf Angriff, sie jagten in der gegnerischen Zone die Gegenspieler und die Scheibe. Für die Deutschen ging alles ein bisschen zu schnell.

Erst in der Schlussphase, als die Schweizer im Bestreben, das 3:1 über die Zeit zu bringen, passiver wurden, kehrten die Gastgeber ins Spiel zurück. Mit Wucht und Kraft und letztem Willen, mit deutschen Tugenden halt und mit einem sechsten Feldspieler für den Torhüter schafften sie 41 Sekunden vor Schluss doch noch den Ausgleich zum 3:3. Das Trauma: Eishockey ist, wenn am Ende doch die Deutschen gewinnen. Die drei letzten Partien hatten die Schweizer gegen den Erzrivalen verloren, zwei davon in der Verlängerung, die letzte beim olympischen Turnier (1:2 n.V). Aber dann tanzte Lino Martschini im Penaltyschiessen – und alles war gut.

Deutschland Cup Krefeld. Deutschland Cup: Deutschland – Schweiz 3:4 n. P. Russland – Slowakei 2:1. – Rangliste (je 2 Spiele): 1. Schweiz 5. 2. Russland 5. 3. Deutschland 2. 4. Slowakei 0. Die letzten Spiele. Heute, 11.00: Schweiz – Russland. – 14.30: Deutschland – Slowakei.
Deutschland – Schweiz 3:4 (1:2, 0:1, 2:0, 0:0) n.P. König-Palast, Krefeld. – 6113 Zuschauer. – SR Bauer/Hoppe (GER), Cepik/Klima (GER). Tore: 2. (1:27) Pföderl (Pietta, Hungerecker/Ausschluss Fuchs) 1:0. 3. (2:20) Herren (Martschini, Glauser) 1:1. 10. Rod (Bertschy, Glauser) 1:2. 29. Rod (Fora) 1:3. 52. Bergmann (Mauer, Ebner) 2:3. 60. (59:19) Noebels (Sezemsky, Ebner) 3:3 (ohne Goalie). Penaltyschiessen: Pfohl –, Richard –; Pietta –, Martschini 0:1; Bergmann –, Herren 0:2; Mauer –. Strafen: je 4-mal 2 Minuten. Deutschland: Aus den Birken/Treutle (ab 50.); Reul, Akdag; Abeltshauser, Boyle; Ebner, Zerressen; Sezemsky; Mauer, Pfohl, Bergmann; Pföderl, Pietta, Noebels; Kink, Loibl, Hungerecker; Leon Niederberger, Höfflin, Krämmer. Schweiz: Flüeler; Fora, Frick; Glauser, Kreis; Paschoud, Marti; Heldner; Bertschy, Rod, Miranda; Riat, Fuchs, Bachofner; Martschini, Richard, Herren; Mottet, Walser, Simion.

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