EISHOCKEY: Schon Spuren hinterlassen

Timo Meier befindet sich in der NHL auf einem guten Weg. Der 20-jährige Herisauer legte einen Traumeinstand hin und strebt mit den San Jose Sharks den Gewinn des Stanley-Cups an.

Sascha Fey
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Timo Meier hat sich in der NHL als Torschütze etabliert. Die Saison begann der Ostschweizer noch eine Liga tiefer. (Bild: Marcio Jose Sanchez/AP)

Timo Meier hat sich in der NHL als Torschütze etabliert. Die Saison begann der Ostschweizer noch eine Liga tiefer. (Bild: Marcio Jose Sanchez/AP)

Sascha Fey

Timo Meier geniesst den Tag zwischen zwei Partien auf dem Golfplatz – zusammen mit Kevin Labanc, einem von zwei Wohnpartnern. In der NHL ist es wegen des gedrängten Spielkalenders besonders wichtig, abzuschalten und sich zu erholen. Meier wurde Mitte Dezember von den San Jose Sharks in die beste Liga der Welt geholt. Dort gelang ihm ein Traumeinstand, war er doch bei seinem Début mit dem ersten Schuss erfolgreich.

«Das erste Tor kam sehr überraschend», sagt der Herisauer. «Ich brauchte Zeit, um alles zu realisieren. Es war ein Moment, den ich nie vergessen werde.» Vor der Partie sei er angespannter gewesen als vor einem normalen Spiel. Der eingerahmte Puck erhält zu Hause einen Ehrenplatz, die Eltern, die ihn an Weihnachten besuchten, nahmen ihn mit in die Ostschweizer Heimat.

Als 20-Jähriger schon erstaunlich reif

Dass der 2015 als Nummer neun gedraftete Meier in dieser Saison den Sprung ins Team der Sharks geschafft hat, erstaunt nicht. Wer mit ihm redet, bekommt nicht das Gefühl, mit einem 20-Jährigen zu sprechen. Er weiss genau, was er will, arbeitete schon früh daraufhin, seinen Traum von der NHL zu verwirklichen. Zudem besitzt er mit einem Gewicht von 96 kg bei einer Grösse von 1,84 m die nötige Wasserverdrängung. Dementsprechend physisch spielt er. Auffallend ist auch, wie häufig er aufs Tor schiesst, eine Eigenschaft, die gerade bei Schweizer Stürmern oft ein ­Manko ist.

Meier hatte die Teamverantwortlichen der San Jose Sharks bereits im Vorbereitungscamp 2015 überzeugt. Sie sagten ihm, dass er es schon damals ins Team hätte schaffen können. Jedoch sahen sie mit einer weiteren Saison bei den Junioren mehr Entwicklungspotenzial. Im Vorbereitungscamp dieser Saison erkrankte der Appenzeller am Pfeiffer’schen Drüsenfieber. Da die Milz angeschwollen war, konnte er auf dem Eis nur leichte Sachen machen. «Das war für mich eine Herausforderung», so Meier. «Verletzungen sind jedoch ein Teil vom Sport. Ich machte das Beste daraus.» Als Folge davon verzögerte sich sein Saisonstart bis Ende Oktober. Und er musste zuerst zum Farmteam San Jose Barracudas in die unterklassige American Hockey League (AHL). «Die AHL ist keine einfache Liga, da jeder versucht, in die NHL zu kommen. Das war eine Umstellung. Ich musste mich zuerst zurechtfinden», sagt Meier.

«In der NHL musst du dich jeden Tag neu beweisen»

Doch bereits im dritten Spiel punkte er erstmals, nach 18 Partien hatte er neun Tore und sechs Assists auf dem Konto. «Ich konnte gut an mir arbeiten, verbesserte mich rasch und gewann schnell an Selbstvertrauen.» Insofern war die Beförderung in die NHL nur logisch. Meier hat das Vertrauen mit soliden Leistungen zurückgezahlt. Aber: «Als Junger musst du dich jeden Tag neu beweisen», so Meier. In die NHL zu kommen sei eine Sache. «Dort zu bleiben aber eine ganz andere.» Meier ist sich bewusst, dass die Arbeit für ihn erst begonnen hat. Von Teamkollegen wie Superstar Joe Thornton, der 2005 in der Lock-out-Saison mit dem HC ­Davos den Meistertitel gewann, kann er einiges lernen. Jedenfalls ist der 20-jährige Ostschweizer beeindruckt von der Einstellung und der Arbeitsmoral des fast doppelt so alten Thornton. «An einem freien Tag ist er der Erste in der Eishalle.» Meier durfte schon in einer Linie mit Thornton spielen – sowie mit Joe Pavelski, einem weiteren Star im Team. «Jedes Spiel ist ein Höhepunkt. Ich versuche, jeden Moment zu geniessen», sagt Meier, dem insbesondere auch der nordamerikanische Lebensstil gefällt.

Stanley-Cup soll endlich her

Die Stadt San Jose stuft der He­risauer als «nicht speziell» ein. Meier wohnt etwas ausserhalb des Zentrums. Allerdings liegt San Francisco mit der berühmten Golden Gate Bridge nur etwa anderthalb Stunden entfernt. Meier war in der spärlichen Freizeit schon ein paarmal dort. San Jose ist dafür als Eishockey-Destination umso attraktiver. Die Sharks haben zwar noch nie den Stanley- Cup gewonnen, in der vergangenen Saison scheiterten sie aber erst im Final an den Pittsburgh Penguins. Das Verpasste will die Mannschaft, die Nummer eins in der Pacific Division, nun nachholen, das Potenzial dazu besitzt sie auf jeden Fall.

Für Thornton und den ebenfalls 37-jährigen Patrick Marleau, der kürzlich sein 500. Tor in der NHL-Qualifikation erzielt hat, könnte es die letzte Chance sein, die wichtigste Clubtrophäe im Eishockey doch noch in die Höhe zu stemmen. Bei beiden läuft der Vertrag Ende Saison aus. Deren Motivation ist daher umso grösser. Die hohe Erwartungshaltung spürt Meier. «Das Team will ­gewinnen. Wenn du einen Fehler machst, ist das schlimm. Der Trainer will junge Spieler, denen er vertrauen kann.» Das sei zwar keine einfache Situation, aber gut für die persönliche Entwicklung.