EISHOCKEY: Praktikum in der NLA

Mike Vaskivuo ist der einzige Vertreter von Hockey Thurgau, der noch Playoff spielt. Beim HC Davos agiert er an der Seite von Andres Ambühl und steht auch dann im Mittelpunkt, wenn er nicht zum Einsatz kommt.

Matthias Hafen, Davos
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Mike Vaskivuo hat bei Davos die Rolle des Störfaktors vor dem gegnerischen Tor. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Mike Vaskivuo hat bei Davos die Rolle des Störfaktors vor dem gegnerischen Tor. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Matthias Hafen, Davos

Es gibt Spieler, die führen eine Mannschaft auf dem Eis fast im Alleingang zum Sieg. Mike Vaskivuo schafft dies sogar von der Tribüne aus. Nach drei aufeinanderfolgenden Playoff-Spielen mit dem HC Davos gehörte der 31-jährige Amerikaner mit finnischen Wurzeln am Samstag nicht mehr zum Aufgebot der Bündner. Trainer Arno del Curto verzichtete auf seinen Aushilfsstürmer aus der NLB, obwohl mit Tuomo Ruutu und Ahren Spylo zwei andere Ausländer noch immer nicht einsatzbereit waren. Davos spielte also die dritte Halbfinalpartie auswärts gegen Zug mit nur drei anstatt vier erlaubten Ausländern – und gewann prompt 5:3.

Die kleine Playoff-Anekdote verdeutlicht Vaskivuos Dilemma. Der Stürmer von Hockey Thurgau erlebt aktuell die Zeit seines Lebens. Nach 34 Saisonspielen in der NLB kann er sein Können nun beim Partnerteam in der höchsten Spielklasse unter Beweis stellen. Und wenn er davon erzählt, funkeln seine Augen. Doch in der NLA scheinen ihn das Tempo und die Intensität zuweilen über Gebühr zu fordern. Allerdings ist es auch nicht einfach, als Aushilfsspieler in ein funktionierendes Kollektiv zu finden. Vor allem, wenn dies eine Liga höher geschehen soll. «Ich brauchte schon ein paar Trainings, um in den Rhythmus zu kommen», sagt Vaskivuo.

Leader in der NLB, Rollenspieler in der NLA

Nach seinem Debüt im letzten Viertelfinalspiel gegen Lausanne trug sich der in St. Petersburg geborene Sohn eines Finnen und einer Russin bald einmal in die Skorerliste ein. Bei der knappen 2:3-Auftaktniederlage im Halbfinal gegen Zug erzielte Vaskivuo den 2:2-Ausgleich. Dieser Treffer und die Bereitschaft, für den Erfolg des Teams jede Rolle einzunehmen, verschafften dem Stürmer von Hockey Thurgau Playoff-Einsätze in der ersten Davoser Linie neben Teamcaptain und Topskorer Andres Ambühl. «Es ist ein super Gefühl, an seiner Seite zu spielen», sagt Vaskivuo. «Er ist ein grosser Kämpfer, ein vorbildlicher Sportler.»

Anders als bei Thurgau muss Vaskivuo in Davos nicht das Spiel machen. Seine Aufgabe beim Rekordmeister besteht vor allem darin, vor dem Tor für Unruhe zu sorgen. Deshalb kommt er oft im Powerplay zum Einsatz. «Ich denke, ich mache meine Arbeit nicht schlecht», sagt Vaskivuo. Gleichwohl ist ihm nicht entgangen, dass er seinen Platz zuletzt einem Schweizer räumen musste. Bei einem Trainer, der für taktische Spielchen bekannt ist, würde es allerdings nicht verwundern, wenn Vaskivuo im vierten Halbfinalspiel heute Abend wieder dabei wäre.

Noch vertragslos für nächste Saison

Die Zeit mit Davos ist Vaskivuos Chance, sich für einen neuen Vertrag in der Nationalliga zu empfehlen. Die Hoffnung auf eine Zukunft bei Thurgau hat der Flügelstürmer mittlerweile aufgegeben. «Der Club hat nicht mit mir gesprochen, geschweige denn, mir eine Offerte unterbreitet.» Seine Karriere möchte er trotzdem wenn immer möglich in der Schweiz fortsetzen. «Das Jahr im Thurgau hat mir gut gefallen.»

Als das Eishockey-Talent fünf Jahre alt war, wanderte seine Familie vom finnischen Tampere nach Miami aus und erhielt später die Greencard. Der 1,85 Meter grosse und 90 Kilogramm schwere Stürmer spielte jedoch nie in den besten nordamerikanischen Ligen. Und in Europa erzielte er seine Tore in Frankreich, Dänemark und Italien. Gut möglich also, dass der HC Davos Vaski­vuos Karrierehöhepunkt bleiben wird. Für den Amerikaner ein Grund mehr, um das Playoff zu geniessen.