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«Unsere jungen Spieler der vierten Linie sind Overtimemonster»: Rappi-Trainer Jeff Tomlinson über den ersten Halbfinaleinzug seit 15 Jahren

Rapperswil-Jonas Headcoach Jeff Tomlinson äussert sich nach dem historischen Exploit über die Reaktion seiner Mannschaft auf den aus den Händen gegebenen 3:1-Vorsprung, Kraftreserven – und den grossen Teamspirit.

Tim Frei
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Führte Rapperswil-Jona erstmals seit 2006 in den Halbfinal: Trainer Jeff Tomlinson.

Führte Rapperswil-Jona erstmals seit 2006 in den Halbfinal: Trainer Jeff Tomlinson.

Bild: Patrick B. Kraemer / Keystone (Rapperswil, 19. April 2021)

Welch ein Krimi mit emotionalen Hochs und Tiefs: Rapperswil-Jona musste sich diesen vierten Sieg und den Einzug in den Playoff-Halbfinal hart erarbeiten. 160 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit als sicherer Sieger ausgesehen, mussten die St.Galler doch noch den Umweg über die Overtime gehen. Es sollte schliesslich fast zwei komplette Verlängerungen bis zum erlösenden Tor durch Stürmer Gian-Marco Wetter dauern. Der Rheintaler schoss Rapperswil in der 97. Minute ins Glück.

Eine zentrale Figur bei Rapperswils erstmaliger Halbfinalteilnahme in der höchsten Liga seit März 2006 ist Trainer Jeff Tomlinson. Der Kanadier, der am Freitag seinen 51. Geburtstag feiert, hatte die St.Galler nach dem Abstieg 2015 zurück in die National League geführt und dem Verein wieder eine Siegermentalität implementiert. Das sind seine zentralen Aussagen nach dem historischen Exploit:

Was Jeff Tomlinson über Rapperswils ersten Halbfinaleinzug seit 15 Jahren sagt.

Wir haben immer ans Weiterkommen geglaubt. Dass wir die Serie aber gleich mit 4:1 Siegen gewonnen haben – das hat niemand erwartet. Verfügt Lugano doch über eine sehr gute Mannschaft, die es nicht umsonst auf Rang zwei in der Qualifikation geschafft hat. Unser Ziel war es, Lugano zu ärgern.

Wie er mit dem Ausgleich 11,8 Sekunden vor Schluss umgegangen ist.

Ich habe gedacht: Dann müssen wir diese Overtime gewinnen. Der Mannschaft habe ich in der dritten Pause gesagt: «Es ist egal, in welcher Verlängerung, Minute oder in welchem Spiel wir diese Serie gewinnen.» Hätte mir jemand vor dem Viertelfinal gegen Lugano gesagt, dass wir in der Overtime um den Halbfinal spielen würden – ich hätte sofort unterschrieben. Im Playoff ist es entscheidend, Schwankungen zu verhindern und sich stattdessen auf einem konstanten Level zu bewegen.

Was er zur Reaktion auf den aus den Händen gegebenen 3:1-Vorsprung sagt.

Ich bin beeindruckt, wie sehr die Spieler fokussiert geblieben sind. Stolz macht mich, wie sie diesen Rückschlag abgeschüttelt haben und einfach weitermarschiert sind. Sie haben sich nicht ablenken lassen – auch nicht durch die Quatscherei auf dem Eis.

Was es über die Mannschaft aussagt, dass die vierte Linie zum zweiten Mal den goldenen Treffer in der Verlängerung erzielte.

Unsere jungen Spieler der vierten Linie sind Overtimemonster. Dass wir konsequent mit vier Sturmreihen spielen konnten, war wohl ein entscheidender Unterschied zum Gegner. Ich habe gemerkt, dass Lugano seine besten Kräfte forciert hat– deshalb hat den Tessinern am Ende wohl die Kraft gefehlt.

Wie es um die Kraftreserven seines Teams steht.

Wir hätten gut noch ein paar Verlängerungen spielen können. Ich sowieso (lacht). Das Training und die harte Arbeit mit unserem Krafttrainer über die ganze Saison zahlen sich nun aus.

Wie Tomlinson den grossen Teamzusammenhalt geschaffen hat.

Wenn du so viele gute Charaktertypen in der Mannschaft hast, musst du als Trainer nicht viel machen. Wir Coaches haben versucht, den Spielern ein gutes Gefühl zu geben. Wir wollen weiter zusammenarbeiten in den nächsten paar Wochen. Ich möchte das Ende meiner Zeit in Rapperswil so lange wie möglich hinauszögern. Wir haben die Serie gegen Lugano mit dem Ziel begonnen, bis spät in den April zu spielen. Und dann mit Respekt nach Hause zu gehen.

Was er dazu meint, dass er als Aufstiegs- und Halbfinaltrainer bei vielen Anhängern Legendenstatus haben dürfte.

Was soll ich dazu sagen. Ich tue und liebe meinen Job. Ich habe das Privileg, mit tollen Jungs und einer super Organisation zusammenzuarbeiten.

Wie Tomlinson dem Halbfinal entgegenblickt.

Dazu kann ich aktuell nichts sagen, da wir unseren Gegner noch nicht kennen (Anm. der Red.: Rapperswil-Jona wird entweder auf Genf oder Zug treffen. Während die Romands als zweites Team in den Halbfinal eingezogen sind, fehlt den Zentralschweizern noch ein Sieg).

Hinweis: Wann der Halbfinal beginnt, ist noch offen. Je nach Ausgang der Freitagspartien Bern–Zug und ZSC Lions–Lausanne könnte das bereits am Sonntagabend der Fall sein.