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EISHOCKEY: Kanada im Schockzustand

Ein «Berner» ist einer der tragischen Helden in diesem grossen Hockeyschauspiel: SCB-Stürmer Andrew Ebbett. Er verliert mit den Kanadiern den olympischen Halbfinal gegen Deutschland 3:4.
Klaus Zaugg, Gangneung
Fassungslose Kanadier: Andrew Ebbett (vorne) und seine Teamkollegen. (Bild: Srdjan Suki/EPA (Gangneung, 23. Februar 2018))

Fassungslose Kanadier: Andrew Ebbett (vorne) und seine Teamkollegen. (Bild: Srdjan Suki/EPA (Gangneung, 23. Februar 2018))

Klaus Zaugg, Gangneung

Nach dem Spiel gibt es kein Entrinnen. Die Helden, die strahlenden und die tragischen, müssen auf dem Weg zurück zur Kabine durch die «Mixed-Zone». Dort warten die Chronisten. Manchmal sieht man hier Zeichen des Zorns, Zeichen der Freude oder sogar Tränen. Schwedens Torhüter hatte nach der Viertelfinal-Niederlage gegen Deutschland auf dem Weg zur Kabine gar den Stock zertrümmert.

Und jetzt? Leere Gesichter, Schock, Fassungslosigkeit bei den Kanadiern. Sie können es noch nicht fassen. Sie reden leise. Einige fast wie in Trance. Verbale Schocklähmung sozusagen.

Berns Kanadier Andrew Ebbett wirkt gefasst. Freundlich, wie es sich gehört, gibt er Auskunft. Ein Chronist tröstet ihn: «Wenigstens waren Sie soeben bei einem der grossen Dramen des olympischen Hockeys dabei.» Er lächelt fast ein wenig. Trost ist ihm das nicht. «Ich bin einfach bitter enttäuscht. Wir hätten gegen die Russen um olympisches Gold kämpfen können.»

Bitterster Moment in Ebbetts Karriere

Die Frage ist immer wieder: warum nur? «Ich weiss keine Antwort. Wir waren sehr gut vorbereitet, die Coaches haben einen guten Job gemacht, und die Stimmung in der Kabine war gut. Und dann war es, als seien wir am Anfang einfach nicht im Spiel.» Sind die Deutschen unterschätzt worden? «Nein, auf gar keinen Fall.» Und Ebbett ist auch in dieser bitteren Stunde ein fairer Sportsmann: «Wir sollten auch die starke Leistung unseres Gegners würdigen.» Auf die Frage, ob dies der bitterste Moment seiner Karriere sei, sagt er: «Ja, definitiv.» Es kann für ihn also diese Saison nicht noch schlimmer kommen. Ein frühzeitiges Scheitern mit dem SCB in den Playoffs wäre dann höchstens der zweitbitterste Moment seiner Karriere.

Und die Deutschen? Sie haben nacheinander den Erzrivalen Schweiz (2:1 n.V.), Weltmeister Schweden (4:3 n.V.) und nun Olympiasieger Kanada (4:3) besiegt. Felix Schütz, ein Defensivstürmer aus der vierten Linie, machte nach dem Halbfinal eine interessante Aussage: «Wir waren so grössenwahnsinnig, dass wir uns den Final zum Ziel gesetzt haben.» Die Chinesen sagen: Am Anfang grosser Ereignisse steht der Gedanke, dann folgen die Worte und schliesslich die Tat. Deutschland spielt am Sonntag gegen Russland um olympisches Gold. Der Kanadier Andrew Ebbet hingegen hat heute noch eine «Strafaufgabe» zu erledigen. Das Bronze-Spiel gegen Tschechien.

Folgt nun die grösste Überraschung aller Zeiten?

Für Deutschland ist es der grösste Erfolg aller Zeiten und das beste Resultat seit der olympischen Bronzemedaille von 1976. Für Kanada ist es die grösste Schmach seit der 1:8-Niederlage gegen die UdSSR im Final um den Canada Cup 1981.

Die grösste Sensation bleibt der Olympiasieg der amerikanischen Collegeboys im Jahr 1980 nach einem 4:3 gegen die Sowjetunion. Aber wenn es den Deutschen gelingen sollte, die Russen am Sonntag zu besiegen – dann wäre das die grösste Überraschung aller Zeiten.

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