EISHOCKEY: In Marcel Kulls Goalie-Schmiede

Janick Schwendener, der Keeper des HC Thurgau, absolviert einmal mehr das Torhüter-Sommertraining beim HC Davos. Diese Einheiten im Bündnerland bringen ihn weiter und nützen auch seinem Stammverein.

Hansruedi Camenisch
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Janick Schwendener profitiert enorm vom Wissen seines Goalietrainers Marcel Kull. (Bild: Hansruedi Camenisch)

Janick Schwendener profitiert enorm vom Wissen seines Goalietrainers Marcel Kull. (Bild: Hansruedi Camenisch)

Hansruedi Camenisch

sport@thurgauerzeitung.ch

Janick Schwendener ist Torhüter beim NLB-Eishockeyclub Thurgau. Im Sommer zieht es den 25-Jährigen regelmässig zurück nach Davos. Da feilt er jeweils unter dem erfolgreichen Goalietrainer Marcel Kull an seinen Qualitäten.

Janick Schwendener klappt seine Torhütermaske hoch. Die Schweissperlen kollern auf der offenen Kunsteisbahn in Davos nicht nur über seine Stirn und sein Gesicht, sie fliessen beinahe. Es ist nicht primär die Hitze, die den 25-Jährigen an diesem an­genehmen Sommerabend zum Schwitzen bringt, sondern das intensive Goalietraining unter Marcel Kull.

Schon einige Erfolge vorzuweisen

Schwendener ist in Klosters aufgewachsen. Beim HC Davos durchlief er die ganze Nachwuchsabteilung, und für den Bündner Nationalliga-A-Club bestritt er rund ein Dutzend Nationalliga-A-Partien. Im Herbst 2014 wechselte er zu Hockey Thurgau, dann weiter zum Genf-Servette HC, den er zum Turniersieg am Spengler Cup führte, und schliesslich zu den Kloten Flyers. Es folgte eine Saison beim SC Bern und zuletzt nach ein paar Monaten bei den Rapperswil-Jona Lakers zu Beginn dieses Jahres die Rückkehr zu Thurgau.

Kulls Ruf respektive Einladung

In seine Heimat nach Graubünden zieht es Schwendener gleichwohl immer wieder. Im Sommer folgt er jeweils dem Ruf beziehungsweise der Einladung von Markus Kull. Er freue sich bei jeder Fahrt Richtung Davos, sagt Schwendener. In Kulls Torhütertraining – dabei sind jeweils alle HCD-Goalies von der NLA bis zu den Novizen Elite – könne er «die Jungs wieder sehen und vor allem optimal an seinem Keeper-Repertoire feilen. Bereits im Frühsommer ein- bis zweimal auf dem Eis zu arbeiten ist für mich perfekt», bemerkt er. «So kann ich ideal trainieren und, was wichtig ist, meine neue Ausrüstung einspielen. Mehr wäre für mich zu diesem Jahreszeitpunkt zu viel. Nach der Saison geniesse ich es jeweils auch, Abstand vom Eis zu gewinnen.»

Vier anstrengende Stunden

Die Trainings unter Kull sind kein Sommerspass, sondern hart und intensiv. Während vier Stunden fordert Kull von seinen Schützlingen volle Konzentration, totalen Einsatz und präzise Arbeit. Im Gymnastikteil werden die Goalies zunächst während 45 Minuten in den Wandelgängen der Vaillant-Arena rumpftechnisch und mit Gleichgewichtsübungen gefordert. Dann folgen eineinhalb gnadenlose Stunden «gute Drills auf dem Eis», wie es Schwendener formuliert, oder präzises «Stellungsspiel, Ab­prallerkontrolle, Anvisieren des Pucks, Lesen des Angriffs und konsequentes Mitgehen mit dem Puck».

Mehrere HCD-Feldspieler halten dabei die Torhüter konstant auf Trab. Nach einer Pause folgen nochmals 45 Minuten Übungen im Trockenen. «Noch einmal auspowern», so Schwendener. «Noch einmal versuchen, sich zu konzentrieren, wenn man nach dem Eistraining schon recht müde ist.» Den Abschluss jeder Trainingseinheit bildet jeweils gegen 22 Uhr das gemeinsame Grillessen vor der Vaillant-Arena.

Steigerungspotenzial ist immer noch vorhanden

Schwendener sieht sich auch mit 25 noch als dankbarer Schüler in Kulls Goalie-Schmiede. Steigerungspotenzial sei in allen Bereichen noch vorhanden. «Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass ich irgendwo an Grenze stosse. Langsam komme ich ins beste Goalie-Alter. Ich will noch mehr aus mir herausholen und bin überhaupt noch nicht zufrieden.» Kull attestiert dem jetzigen Thurgau-Goalie «ein extremes Potenzial. Schwendener ist eigentlich hervorragend aufgestellt. Er darf in der Umsetzung und im Abruf aber keine Löcher haben in seiner Arbeit; er muss mental durchhalten und so der Mannschaft viel Kraft geben.» Bezüglich tech­nischer Voraussetzungen sei Schwendener unglaublich gut. «Im Moment wirkt er wie ein grosser Blocker-Goalie. Er muss schauen, dass er aus dem Blocker heraus noch mehr Bewegungen macht», so Kull.