EISHOCKEY: Hingehen und absteigen

An der WM in Paris und Köln ist auch Hockey Thurgau vertreten. Stephan Mair, Trainer des NLB-Clubs, hat als Nationalcoach Italiens eine schier unlösbare Aufgabe vor sich. Einer seiner Trümpfe: Oldie Armin Helfer.

Matthias Hafen
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Thurgaus Trainer Stephan Mair soll Aufsteiger Italien an der WM in Köln in der Elite des Welteishockeys halten. (Bild: Mario Gaccioli)

Thurgaus Trainer Stephan Mair soll Aufsteiger Italien an der WM in Köln in der Elite des Welteishockeys halten. (Bild: Mario Gaccioli)

Matthias Hafen

matthias.hafen@thurgauerzeitung.ch

Abstiegssorgen muss sich Stephan Mair keine machen. Zwar glaubt kaum einer, dass Italien an der WM in Köln und Paris über den letzten Platz hinauskommen wird. Doch mit der Relegation rechnet selbst der italienische Eishockeyverband. Nationalcoach Mair, während der Saison Trainer des NLB-Clubs Thurgau, hat eine Carte blanche. «Am meisten Druck mache ich mir selber», sagt der 49-jährige Südtiroler vor dem Startspiel am Samstag um 16.15 Uhr gegen die Slowakei. «Denn wir wollen ja auch nicht mit wehenden Fahnen untergehen.» Von Italien ist zumindest Gegenwehr zu erwarten.

Mit dem Aufstieg im vergangenen Jahr verschaffte Mair dem heimischen Eishockey viel Luft. Im Land des Calcio orchestriert der Eishockeytrainer ein Entwicklungsprojekt, das auf Jahre ausgelegt ist. Seit 2015 setzen die Italiener nicht mehr auf routinierte, teure Italokanadier wie früher. Sie wollen den eigenen Nachwuchs weiterbringen. Gehörten 2014 über zehn Italokanadier dem Kader an, sind es heute noch zwei – einer davon der Ersatzgoalie.

Ruben Rampazzo fällt letztem Cut zum Opfer

Entsprechend tief sind die Ansprüche. Der Aufstieg im vergangenen Jahr war eine Sensation. Und alles andere als der direkte Wiederabstieg wäre es auch. Am meisten Chancen rechnet sich Mair gegen Dänemark, Lettland und die Slowakei aus. «Aber es müsste schon alles zusammenpassen, damit wir reüssieren könnten.» Seine Spieler sind vorwiegend jung und unerfahren, jedoch keine Desperados. Ruben Rampazzo, der Davoser Verteidiger, der in dieser Saison bei Thurgau aushalf, schaffte den letzten Kaderschnitt nicht. Und das gegen Konkurrenz, die primär aus der Alpenliga kommt. «Wir haben schon eine Leistungskultur innerhalb der Mannschaft», sagt Nationalcoach Mair. «Und wir haben auch Spieler, die international mithalten können.»

Italiens grösster Trumpf steht zwischen den Pfosten. Andreas Bernard, bei Ässät Pori unter Vertrag, gehört zu den besten fünf Goalies in Finnlands Topliga. «Er ist unsere Lebensversicherung. Denn ohne guten Torhüter hast du auf diesem Niveau keine Chance», sagt Mair. In seinem WM-Kader steht auch Armin Helfer. Der 36-jährige Offensivverteidiger spielte 2008/09 und 2011/12 für Thurgau in der NLB. «Helfer ist vielleicht nicht mehr der Schnellste, aber er ist durch seine physische Präsenz sehr wichtig für uns.» Mit Oltens Luca Zanatta, Luganos Giovanni Morini, Ambris Diego Kostner und Biascas Tommaso Goi berief Mair auch vier Spieler aus der Schweizer Nationalliga an die WM. «Abgesehen vom Goalie fehlen uns aber die Topspieler auf den Schlüsselpositionen», sagt der Trainer vor der Abreise nach Köln. «Wir gehen dorthin und werden viel Lehrgeld bezahlen.» Ähnlich waren die Voraussetzungen im vergangenen Sommer vor seiner ersten Saison mit Hockey Thurgau. Am Ende war die Playoff-Qualifikation vollbracht.