EISHOCKEY: Fabrice Herzog im Playoff-Final: Duracell mit Durchschlagskraft

Der Frauenfelder Fabrice Herzog ist die Verkörperung der ikonischen Batterie-Werbung: Er läuft und läuft und läuft und läuft. Die Energie des ZSC-Stürmers kann im Playoff-Final ab morgen auch Lugano bodigen.

Matthias Hafen/Zürich
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ZSC-Lions-Stürmer Fabrice Herzog. (Bild: Keystone)

ZSC-Lions-Stürmer Fabrice Herzog. (Bild: Keystone)

Matthias Hafen/Zürich

matthias.hafen@thurgauerzeitung.ch

Sucht man nach den Stärken der ZSC Lions im diesjährigen Playoff, dann landet man schnell bei Fabrice Herzog. Die Nummer 61 der Stadtzürcher verkörpert wie kein anderer die Auferstehung der Lions in der entscheidenden Meisterschaftsphase. Der von den Toronto Maple Leafs gedraftete Thurgauer gehörte nach einer enttäuschenden Qualifikation des ZSC zu den Meistgescholtenen seiner Mannschaft. Sportchef Sven Leuenberger sagt heute: «Herzog spielte damals unter Wert.» Das war, bevor die Lions von Platz sieben aus zuerst Mitfavorit Zug und im Halbfinal auch Titelverteidiger und Qualifikationssieger Bern aus dem Meisterrennen warfen.

Vor der Finalserie gegen Lugano, die am Donnerstag um 20.15 Uhr im Tessin beginnt, sind von Herzog fast nur noch Bilder in Jubelpose zu finden. Der 23-jährige Frauenfelder ist ein Wettkampftyp. Einer, der eine Schippe nachlegen kann, wenn es darauf ankommt. Einer auch, der seine Energie hocheffizient einsetzt. «Fabrice ist ein Phänomen», sagt Mitspieler Mathias Seger. «Er läuft und läuft und läuft und wird nie müde.» Mit seiner körperlichen Robustheit bringe Herzog die gegnerischen Verteidiger an ihre Grenzen, so der Schweizer Rekord-Nationalspieler.

Mit dem kanadischen Stil blüht Herzog auf

Doch Herzog macht die Gegner nicht nur müde, er skort auch. Nach elf Playoff-Spielen weist er dank sechs Toren und einem Assist schon fast die Hälfte jener Punktezahl auf, auf die er es in 46 Qualifikationsspielen gebracht hatte. Beim wegweisenden 3:1-Heimsieg im vierten Halbfinalspiel gegen Bern erzielte der frühere Junior der Pikes Oberthurgau alle Zürcher Treffer selbst – einen davon gar in Unterzahl. Hans Kossmann setzt den Flügelstürmer auch immer wieder im Boxplay ein. Der ZSC-Trainer steht am Ursprung von Herzogs Wandel in dieser Saison. Seit der Schweiz-Kanadier Ende Dezember das Zepter an der Bande übernommen hat, ist die Nummer 61 im Löwenrudel kaum wiederzuerkennen. «Kossmann lässt ein System spielen, das mir deutlich mehr behagt», sagt Herzog. Vorgänger Hans Wallson setzte auf die schwedische Schule, auf mehr Querpässe. «Mein Spiel ist gradlinig», so Herzog. Dass sich der Thurgauer besser mit dem kanadischen Stil anfreunden kann, erstaunt nicht. Die Saison 2013/14 bei den Québec Remparts in der kanadischen Juniorenliga QMJHL hat Herzogs Spiel geprägt. Das war, unmittelbar nachdem er von den Toronto Maple Leafs gedraftet wurde. An seinem Stil hält der Powerflügel fest, wie auch am Traum, dereinst in der NHL zu spielen. Bis 2019 läuft sein Vertrag mit den ZSC Lions noch. Eine Ausstiegsklausel im Vertrag würde ein vorzeitiger Wechsel in die nordamerikanische Profiliga zulassen. Doch derzeit verschwendet Herzog keinen Gedanken an einen Wechsel. «Ich stehe erstmals in meinem Leben im Playoff-Final. Ich habe die Möglichkeit, meine erste NLA-Meisterschaft zu gewinnen, einen Kindheitstraum zu realisieren. Genau deswegen bin ich vor drei Jahren zu den ZSC Lions gekommen.» Im Final gegen Lugano erwartet Herzog einen Abnützungskampf. «Der Meister wird nicht vor dem sechsten Spiel erkoren sein.» Zudem werde es «sehr physisch». Etwas, worauf sich der 1,89 Meter grosse Offensivspieler besonders freut. «Ich mag es, wenn die Checks so richtig krachen.»

«Er ist eine unserer treibenden Kräfte»

Dank des Playoff-Erfolgs der ZSC Lions hat Herzog wieder einen höheren Stellenwert im Team. «Er ist eine unserer treibenden Kräfte was die Aggressivität angeht», sagt Sportchef Leuenberger. Und auch für Teamkollege Seger, der in der letzten Saison seiner 22-jährigen Nationalliga-Karriere unverhofft nochmals Meister werden könnte, nimmt Herzog eine mitentscheidende Rolle ein. «Es wird gegen Lugano besonders wichtig sein, dass er seine Energie ins Spiel rein bringt.»

Während der 40-jährige Seger die glorreiche Vergangenheit der ZSC Lions mit fünf Meistertiteln seit dem Jahr 2000 verkörpert, steht der 23-jährige Herzog für die neue Generation. Eine, die dem Stadtzürcher Club weitere Triumphe bescheren soll. «Es sind neue Geschichten, die jetzt geschrieben werden», sagt Seger. Vielleicht auch eine mit dem Frauenfelder Fabrice Herzog in der Hauptrolle.