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EISHOCKEY: Die unvollendeten Davoser

Die Playoff-Halbfinals finden erstmals seit vier Jahren ohne den HC Davos statt. Nicht alles war schlecht in der Saison des Rekordmeisters, es bleiben aber einige Fragen.
Marcel Hauck (sda)
Trainer Arno del Curto setzte im Playoff vor allem auf die Jungen. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

Trainer Arno del Curto setzte im Playoff vor allem auf die Jungen. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

Marcel Hauck (SDA)

Arno Del Curto enttäuschte seine Zuhörer auch nach dem 2:5 im sechsten Spiel gegen Biel und dem Ausscheiden aus dem Playoff nicht. Wenn es seinem Team läuft, tritt der Coach resolut auf die Euphoriebremse, egal wie gut seine Spieler übers Eis flitzen. Und wenn sie enttäuscht haben, wie in diesem Playoff, streicht er das Positive heraus. Tatsächlich gibt es vielversprechende Ansätze für die Zukunft. Nicht weniger als sechs Spieler zwischen 18 und 20 Jahren erhielten in diesem Playoff regelmässig Eiszeit. Das ist selbst für Davoser Verhältnisse eine eigentliche «Babytruppe». «Da ist es fast normal, dass eben auch Fehler passieren.» Die äusserst ruhig und diszipliniert ­spielenden Bieler nützten diese resolut aus und gestanden dem Gegner umgekehrt nur wenige Chancen zu.

«Das 1:2 und das 1:3 waren unnötig und haben uns das Genick gebrochen», stellte Del Curto nüchtern fest. «Aber diese krassen Fehler gehören im Moment etwas zu uns.» Es seien auch durchaus nicht nur die Jungen gewesen, die sich Fehler geleistet hätten. Zum Beispiel Nationalspieler Enzo Corvi, der dreieinhalb Minuten vor Schluss in einem Einsatz gleich zwei Zweiminutenstrafen kassierte und so die letzten Hoffnungen auf eine späte Aufholjagd zunichtemachte. In Unterzahl fiel das 2:5, ohne dass der Coach die Möglichkeit gehabt hätte, nochmals mit dem Herausnehmen des Goalies alles auf eine Karte zu setzen.

Das Pech mit den Ausländern

Der Coach muss sich allerdings die Frage gefallen lassen, warum er einige dieser Jungen erst im Playoff aufs Eis schickte und sie – gerade angesichts der sicheren Playoff-Qualifikation – nicht schon früher einsetzte. Sie hätten den Rhythmus wohl besser verkraftet. Allerdings war die Verjüngungskur so radikal mit ­Sicherheit nicht geplant. Im Playoff gingen Del Curto schlicht die Spieler aus. Nachdem der ­Finne Perttu Lindgren, MVP der Saison 2015/16, nach einer Hüftoperation bereits fast die ge­samte ­Saison ausgefallen war, blieb ­Davos nach der Verletzung von Captain Andres Ambühl im Spiel drei gegen Biel gerade noch ­Corvi als einziger gelernter Center.

«Mit den Ausländern hatten wir diese Saison extrem Pech», betonte Trainer Del Curto. Auch der als Lindgren-Ersatz geholte Anton Rödin brach sich kurz nach seiner Ankunft das Wadenbein, Robert Kousal spielte zum Teil mit einem gebrochenen Fuss. Und im letzten Spiel am Donnerstag sah sich Del Curto gezwungen, auf Broc Little zu verzichten, bei dem die Batterien völlig leer waren.

So zog der Engadiner ein versöhnliches Fazit: Im Gesamten gesehen sei die Saison «in Ordnung» gewesen. «Du kannst ja nicht mit so vielen Jungen rauskommen und glauben, sie könnten zaubern. Sie haben aber bis zum Schluss gekämpft.» Für das Playoff gilt das bestimmt. In der Qualifikation liessen sie aber ­viele Punkte gegen vermeintlich schwächere Gegner liegen. Gegen die vier Abstiegsrunden-Teilnehmer Langnau, Lausanne, Ambrì-Piotta und Kloten holte Davos in 16 Spielen mit 26 Zählern nur einen Punkt mehr als gegen die vier Halbfinalisten Bern, Biel, Lugano und ZSC Lions.

Die Ansprüche sind beim Rekordmeister hoch

Diesbezüglich spart Del Curto nicht mit Kritik. «Das ist eine Kopfsache. Das hat mir nicht ­gefallen, das muss sich ändern.» Er werde sich in den nächsten ­Tagen Gedanken zur nächsten Saison machen, ehe er die Ferien plane. Mit den Abgängen von ­Samuel Walser, Noah Schnee­berger ­(beide zu Fribourg) und Gregory Sciaroni (Bern) verliert Davos erneut einiges an Erfahrung. Einfach wird deshalb auch die nächste Saison nicht.

Während Del Curto innerhalb des Vereins praktisch freie Hand geniesst, wird seine Nachwuchsstrategie von der erfolgsverwöhnten Fanbasis nicht immer goutiert. Für das Schicksalsspiel am Donnerstag pilgerten gerade mal 4512 Fans ins Landwassertal. Die Ansprüche sind beim Rekordmeister höher als die sichere Qualifikation und dann das Ausscheiden im Viertelfinal – egal, wie viele Junge auf dem Eis stehen. Diesen Spagat wird der Cheftrainer Del Curto auch nächste Saison meistern müssen.

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