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Das sind die Hintergründe zur Krise beim SC Bern

Beunruhigender Zuschauerrückgang, sportlich miserabel - nur Platz zwölf in der Tabelle.

Klaus Zaugg
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Lange Gesichter beim früheren Serienmeister SC Bern.

Lange Gesichter beim früheren Serienmeister SC Bern.

Die Hockeygötter richten jedem bei der Schicksalsbank ein Geduldskonto ein. Dort können Präsidenten, Manager, Sportchefs und Trainer im Erfolg einzahlen und in der Not über ein bestimmtes Guthaben verfügen. Wenn dieses Guthaben aufgebraucht ist, folgen Absetzung oder Entlassung.

Das Problem ist nur: Keiner weiss genau, wie viel Geduld noch auf seinem Konto ist. Die SCB-Granden haben mit drei Titeln zwischen 2016 und 2019 viel aufs Geduldskonto eingezahlt. Aber seit der letzten Meisterschaft von 2019 gehen sie mit ihrem Guthaben verschwenderisch um.

13 Ausländer seit der letzten Meisterfeier

Johan Lundskog ist schon der fünfte Trainer der Berner seit 2019. Seit der letzten Meisterfeier sind dem Publikum bereits 13 verschiedene Ausländer präsentiert worden. Die bange Frage ist inzwischen: Wie viel Geduld haben die Fans?

Seit dem letzten Titelgewinn haben sich die Berner in einem schleichenden Prozess von den Respektablen in die Miserablen verwandelt: zweimal Rang neun in der Qualifikation und aktuell Platz zwölf in der Tabelle. Der Zuschauerschnitt ist von starken 16290 auf beunruhigende 12928 gesunken. Das ist in absoluten Zahlen der grösste Rückgang aller Flachlandteams der Deutschschweiz.

Der SC Bern lebt wie kein anderes Hockeyunternehmen von den verkauften Tickets und der Bewirtschaftung der Matchbesucher.

Also appelliert Untersportchef Andrew Ebbet in seinem «Hirtenbrief» auf der SCB-Website an die Geduld: «Wir müssen noch etwas Geduld haben, um alle auf die gleiche Seite zu bringen.» Und gelobt Besserung: «Ich bin sicher, dass wir am Freitag und Samstag einen viel stärkeren SC Bern sehen werden.» Und dann wird er unverhofft deutlich:

«Wenn das nicht der Fall ist, müssen wir natürlich nach Lösungen suchen. Wir beobachten den Markt hier in der Schweiz und im Ausland permanent.»

Potz Donner! Seine Message, offiziell auf der Website seines Arbeitgebers, ist eigentlich unmissverständlich: Nach Lösungen suchen heisst handeln. Das tönt schon ein bisschen nach Ungeduld. Was zur Frage führt: Warum braucht der SC Bern so viel Zeit, um wieder respektabel zu werden? Die taktisch beste Mannschaft der Jahre 2016 bis 2019 spielt inzwischen unkoordiniertes «Pausenplatz-Hockey».

Der Obersportchef spricht von drei Jahren

Da wartet noch viel, viel, viel Arbeit auf Trainer Johan Lundskog. Die Frage geht an Obersportchef Raeto Raffainer: Warum dauert es so lange? Er hat den HC Davos als Sportdirektor in einer einzigen Saison saniert und vom elften Schlussrang auf den dritten Platz, nur zwei Punkte hinter dem Qualifikationssieger (ZSC Lions), verbessert.

«Die Situation ist nicht vergleichbar. In Davos hat einfach alles gepasst. Wir hatten beispielsweise bis zum 8. Dezember keine Verletzungen.» Und Raffainer mahnt zur Geduld. «Ich habe bei meinem Amtsantritt in Bern gesagt, dass wir drei Jahre brauchen.» Er hat seine Arbeit in Bern am 1. Februar dieses Jahres aufgenommen.

An Patrick Fischer hielt Raffainer eisern fest

Das bedeutet: Der SC Bern wird im Februar 2024 wieder respektabel sein. Da braucht es noch viel Geduld. Und gut, dass der SCB-Obersportchef Raffainer bereits weiss, wie man einen Trainer trotz heftiger Kritik im Amt behält: Als Sportdirektor des Verbandes hat er auch nach einer missglückten und einer enttäuschenden WM (2016, 2017) und einem miserablen olympischen Turnier (2018) eisern an Nationaltrainer Patrick Fischer festgehalten.

Bereits 2018 hat Patrick Fischer die Schweiz in den WM-Final geführt. Inzwischen ist der Zuger eine Lichtgestalt unseres Hockeys geworden. Bis SCB-Trainer Johan Lundskog eine Lichtgestalt des Berner Hockeys ist, dauert es noch ein wenig.

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