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EISHOCKEY: Deutschland verpasst das Wunder

Die deutsche Nationalmannschaft verliert den Final gegen Russland erst in der Verlängerung mit 3:4. Die Schweizer trauern derweil der Achtelfinal-Niederlage gegen den nördlichen Nachbarn nach.
Klaus Zaugg, Gangneung
Direkt nach dem Spiel überwiegt bei den deutschen Eishockeyspielern die Enttäuschung über die Niederlage. (Bild: Julio Cortez/AP)

Direkt nach dem Spiel überwiegt bei den deutschen Eishockeyspielern die Enttäuschung über die Niederlage. (Bild: Julio Cortez/AP)

Klaus Zaugg, Gangneung

Brauchen wir die NHL-Profis eigentlich bei einer WM oder einem olympischen Turnier? Nein. Das letzte Titelturnier ohne NHL-Stars war das olympische von 1994. Es endete auch mit einem Drama. Schweden besiegte im Final Kanada 3:2 nach ­Penaltys. Seither sind die NHL-Stars dabei. Bei der WM sind sie sowieso seit 1977 zugelassen. Aber für die Spiele 2018 gab es keine Freigabe.

Das erste Titelturnier ohne NHL seit 24 Jahren. Wenn die 700 besten Spieler fehlen, ist die Erde keine Kugel mehr. Dann wird sie flach wie ein Puck. Es gibt kein Unten und kein Oben, keine Hierarchie mehr. Alles, was war, verblasste. Beinahe auch das «Miracle on Ice». Der goldene Triumph der US-College-Boys 1980 nach einem Sieg über die Sowjets. Aber nur beinahe. In Südkorea gewinnt doch noch Russland in der Verlängerung gegen Deutschland.

Helden des Augenblicks

Wenn es je eine ehrenvolle Niederlage gegeben hat, dann diese. Wenn es je ein Hockey-Drama gegeben hat, dann war es dieser Final. Eine Mischung aus wagnerianischer Oper, Hitchcock und Ballett. Deutschland, nur besiegt von Russland, das auf einer heiligen Mission war. Nach all den Wirren und Demütigungen konnte nur dieses olympische Gold die Schmach ein wenig lindern. Eishockey ist der heilige Sport der Russen. Weil er ihrer Seele am meisten entspricht. Die Russen waren weder überheblich noch hatten sie die Deutschen unterschätzt. Es ist ganz einfach so, dass die Deutschen die grösste Leistung gezeigt haben, die je einem Aussenseiter im olympischen Turnier geglückt ist. Sie haben noch mehr aus ihrem Talent gemacht als damals die Amerikaner. Nur der finale Triumph ist ­ihnen von den Hockeygöttern verwehrt worden. So sind sie Helden des Augenblicks geworden. Aber keine Legenden für die Ewigkeit wie die Fussballer, die 1954 im Berner Wankdorf Ungarn besiegten und Weltmeister wurden.

Und doch ist es am Ende kein Wunder, dass wir da atemlos geschaut haben. Eishockey bedeutet ja auch, dass die Namen auf dem Dress nur aufgenähte Buchstaben sind. Und genau so war es. Namen zählten in diesem Final nicht mehr. Vergangener Ruhm auch nicht. Alles was zählte, war die Gegenwart. Die Leidenschaft, die Kampfkraft, der Mut, die Zuversicht, die Disziplin, die Kaltblütigkeit der Stunde. Ein entscheidender Faktor in diesem Turnier war das Momentum. Der emotionale Kickstart, der eine Mannschaft in einem so kurzen, intensiven und ausgeglichenen Turnier auf ungeahnte Höhen tragen kann. Dieser Kickstart blieb den Schweizern verwehrt.

Momentum auf Seiten von Deutschland

Ja, sie hatten erst einmal ein Schockerlebnis, das sie, wie wir im Rückblick erkennen, nicht mehr überwinden konnten: Torhüter Leonardo Genoni wurde von den Kanadiern bereits im ersten Spiel viermal bezwungen.

Die Mutter aller Partien, das Spiel, das die grössten Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Turnier haben sollte, war ausgerechnet – die Auseinandersetzung zwischen der Schweiz und Deutschland. Ein Sieg in dieser Partie zwischen den zwei aussichtsreichsten «Underdogs» musste zum Momentum führen, das eine Sensation möglich macht. Die Deutschen triumphierten in der Verlängerung in einer Partie, die von den Schweizern dominiert worden war, und holten sich das finale Momentum. Das ist die entscheidende Rolle, die wir in diesem Turnier gespielt haben. Ein Sieg über Deutschland hätte vielleicht auch die Schweiz in finale Höhen tragen können. So aber bleibt eine bittere wie banale Erkenntnis: Der Sieger hat immer recht. Die Schweizer begannen das Turnier mit einer Episode: Mit dem Klagen über zu harte Betten in der olympischen Herberge. Hätten sie dann für eine positive Überraschung gesorgt wie die Deutschen, so wäre dies als Beweis für ihre Professionalität gewürdigt worden: Sieger kümmern sich eben um jedes Detail.

Doch nach dem Scheitern bleibt der Spott über die, die weicher liegen wollten und hart auf dem Boden der Realität gelandet sind. Wir werden für immer einer einmaligen Gelegenheit zum Eishockey-Weltruhm nachtrauern.

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