EISHOCKEY: Der ewige Freiburger

Der überraschende Tabellenführer Fribourg trifft heute im Spitzenspiel der National League auf Zug. Julien Sprunger ist seit Jahren Leitwolf und Topskorer bei Fribourg – und strebt nach seinem grossen Traum.

Sergio Dudli
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Julien Sprunger steht nach sieben Spielen bei vier Toren und drei Assists. (Bild: Cyril Zingaro/Keystone)

Julien Sprunger steht nach sieben Spielen bei vier Toren und drei Assists. (Bild: Cyril Zingaro/Keystone)

Sergio Dudli

Julien Sprunger gilt in Fribourg als eine lebende Legende auf Schlittschuhen. Der 31-Jährige steht seit Kindertagen für Fribourg auf dem Eis und bestritt bis heute über 600 Spiele im Dress der Freiburger. Umso schmerzhafter war die vergangene Saison für Sprunger, als «sein» Team um den Abstieg kämpfte. «Nach der langen Vorbereitung im Sommer wurde unser Trainer Gerd Zenhäusern nach wenigen Spielen durch Larry Huras ersetzt. Huras hatte keine Zeit, eine eigene Mannschaft zusammenzubauen», so Sprunger. Die Saison war also zum Scheitern verurteilt, ­bevor sie richtig begonnen hatte. «Da haben wir bildlich gesprochen ein Haus gebaut, es abgerissen und dann mit dem Bau des Dachs zuerst begonnen. Das konnte nicht funktionieren.»

Die ersten Spiele in der noch jungen Saison zeigen derweil ein neues Fribourg. Eines, das vom Fundament auf neu errichtet wurde – und nicht vom Dach aus. «Wir haben mit Mark French ­einen neuen Trainer, mit Barry Brust einen neuen Torhüter und auch sonst gab es viele Veränderungen», so Sprunger. Das habe neue Impulse gegeben und Energien freigesetzt. Dieser Energieschub katapultierte Fribourg mit sechs Siegen aus sieben Spielen an die Tabellenspitze der National League. «Wir wollen in dieser Saison ein neues Kapitel schreiben und aus den Fehlern der vergangenen Saison lernen.»

Früher Weckruf für Fribourg

Dabei dachten viele Experten und Eishockeyanhänger nach dem zweiten Spiel und der 1:6-Niederlage gegen Bern, dass Fribourg nun in gewohnte Muster verfällt. Doch seither hat das Team um Captain Sprunger alle Spiele gewonnen. «Es war ein früher Weckruf für uns, um nach dem guten Saisonstart gegen Servette nicht abzuheben», sagt der 31-jährige Flügelstürmer. Keinen Weckruf benötigte derweil Sprunger selber: In den sieben Saisonspielen sammelte er ebenso viele Skorerpunkte, und von seinen vier Treffern waren drei siegbringend. «Tore schiessen ist meine Aufgabe. Ich gebe alles für das Team, wer die Treffer macht, ist mir letztlich egal», so Sprunger, der im nächsten Satz die gute Defensive um Torhüter Brust hervorhebt. «Brust ist ein einzigartiger Typ. Wenn er in die Kabine kommt, sieht er gar nicht aus wie ein Profi und wirkt etwas energielos – auf dem Eis ist er das pure Gegenteil», so der Captain über den Kanadier, der bisher die beste Fangquote aller Torhüter der National League aufweist.

Dass die Saison erst sieben Spiele alt ist und noch schwierigere Phasen warten, ist Sprunger bewusst: «Nun haben wir aber mehrere Leadertypen, die alles geben, um den Club aus solchen Tiefs herauszuholen. Deshalb sind wir für solche Momente bereit.» Auch der Routinier selber ist sich nicht zu schade, in der Kabine laut zu werden. «Als Captain muss ich auch auf den Tisch hauen können. Aber zurzeit habe ich – im Gegensatz zur Vorsaison, als ich das oft tun musste –keinen Grund dazu.» Das Team habe Vertrauen in den Trainer und das System.

Lieber ein Titel hier als fünf woanders

Man spürt im Gespräch mit Sprunger, dass er alles für Fribourg gibt und es sein Verein ist. «Ein Meistertitel mit Fribourg ist mir mehr wert als fünf mit einem anderen Verein. Das ist der Grund, weshalb ich immer noch hier bin.» Er wolle als der Captain in die Geschichte eingehen, der den ersten Meisterpokal der Vereinsgeschichte hochstemmen durfte.

Möglichkeiten, zu einem der grossen Vereine mit Titelambitionen wie Bern oder den ZSC Lions zu wechseln, hatte Sprunger öfters. «Aber ich will meine Ziele hier in meiner Heimat erreichen.» Es gäbe Spieler, so Sprunger, für die sei ein Titel mehr nur eine ­weitere Zahl im Lebenslauf. «Für mich bedeutet ein Titel mit Fribourg viel mehr.» Ob der Verein in dieser Saison schon so weit ist, weiss er nicht. Die Konkurrenz in der Liga sei gross.«Aber wenn du oben in der Tabelle stehst, willst du dort bleiben.»