Eingetaucht in eine neue Trainerwelt – Magnin ist bei seiner alten Liebe angekommen

Während 12 Jahren betreute Joël Magnin den Nachwuchs von YB, jetzt will er bei Xamax seine Chance in der Super League packen. Er wollte in seiner eigenen Profikarriere lange bei Neuchatel spielen, wurde aber zu GC vermittelt. Nun ist er als Trainer bei seinem Herzensklub angekommen.

Markus Brütsch
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Joël Magnin: Man muss im Leben etwas riskieren. (Bild: Keystone)

Joël Magnin: Man muss im Leben etwas riskieren. (Bild: Keystone)

Profitrainer? «Nein», sagt Joël Magnin, «da sehe ich keine Zukunft für mich. Ich hätte zu viel mit schwierigen und schmutzigen Dingen zu tun.»

Tatsächlich! Magnin erinnert sich noch an die beiden Sätze, die er vor knapp 23 Jahren ausgesprochen hat. In einem Interview nach dem grossen 1:0-Auswärtssieg mit GC gegen Ajax Amsterdam in der Champions League. «Ich sagte dies, weil ich mich noch immer als den kleinen Jungen aus Boudry sah, der in Zürich in einer grossen Fussballwelt gelandet war und sich nicht vorstellen konnte, später einmal Trainer zu werden», sagt Magnin.

Es ist anders gekommen. Der 48-Jährige sitzt im Medienraum der Maladière mit Blick auf den glitzernden Neuenburgersee. Nach 12 Jahren als hauptberuflicher Nachwuchstrainer bei YB hat er ebenerst ein aufregendes neues Kapitel in seiner Laufbahn aufgeschlagen. Im März hatte Xamax-Präsident Christian Binggeli bekannt gegeben, Trainer Stéphane Henchoz werde im Sommer durch Joël Magnin ersetzt, weil dieser besser mit jungen Spielern arbeiten könne.

Das Schlüsselerlebnis auf der 20. Reise nach Naters

Magnin hatte sich in all den Jahren einen exzellenten Ruf als Ausbildner erworben. Er war so gut, dass YB nach Adi Hütters Abgang vor einem Jahr erwogen hatte, ihn zum Nachfolger zu machen. «Aber es wäre ein zu grosser Schritt gewesen», sagt Magnin. So trainierte er weiter die YB-Talente, hatte jedoch bereits am dritten Spieltag ein Schlüsselerlebnis. «Ich fuhr mit meinem Team zum gefühlt 20. Mal zu einem Spiel nach Naters. Da habe ich mich gefragt: Wie lange willst du das noch machen?», erzählt Magnin. «Nie zuvor hatte ich mir diese Frage gestellt. Plötzlich war mir klar, dass ich eine Veränderung brauchte.»

Da kam Binggelis Anfrage ein paar Monate später gerade recht. «Ich wusste sofort, dass ich Xamax-Trainer werden wollte», sagt Magnin. «Manchmal muss man im Leben etwas riskieren.» Für ihn ging auch deshalb ein Traum in Erfüllung, weil er einen Katzensprung entfernt von Neuenburg aufgewachsen und früh Fan von Xamax geworden war. «Joël hat alles, was es in der Super League braucht», sagt Ernst Graf, der frühere Nachwuchschef von YB. «Er hat ein ausgezeichnetes Fachwissen, ist sozialkompetent, ruhig und sehr fokussiert. Jetzt ist er gerade dabei, eine neue Welt zu entdecken.» Xamax-Sportchef Frédéric Page sagt: «Joël ist ein Teamplayer und wird das Projekt Xamax, auf junge Spieler zu setzen, vorwärtsbringen.»

Selber ein talentierter Fussballer, hätte Magnin einst zu gerne für Xamax gespielt. Doch er bekam dort keine Chance und wurde von Erich Vogel zu GC vermittelt. 27 Jahre später ist er nun doch bei seiner alten Liebe angekommen und glücklich darüber. Er hätte weiter in seiner Komfortzone in Bern bleiben können, mit seiner Frau und den beiden Buben nur fünf Minuten vom Stadion entfernt wohnend.

«Immerhin bin ich in einer Sparte Erster»

Dem Familienleben zuliebe hatte er seine Trainerambitionen bisher nicht vorangetrieben, er wollte die Kinder aufwachsen sehen. Doch jetzt, wo diese 14 und 9 Jahre alt sind, kann er guten Gewissens seine Chance in der Super League wahrnehmen.Zumal die Familie nicht umziehen musste und Magnin die 35-minütige Fahrzeit zwischen Neuenburg und Bern nützen kann, um vom Fussball Abstand zu gewinnen.

Bis vor kurzem hatte er noch Mühe mit dem Einschlafen. «Alles drehte sich um Fussball. Wen stelle ich wo auf? Was mache ich, wenn...?», erzählt Magnin. Er wäre auch nach Neuenburg gekommen, wenn Xamax in der Barrage gegen Aarau den Klassenerhalt nicht geschafft hätte. Er hat das verrückte 0:4 und das noch verrücktere 4:0 sowie den Sieg im Penaltyschiessen am TV verfolgt. «Ja, am Ende habe ich gejubelt», gibt Magnin zu.

Die Feuertaufe in der Super League hat er mit dem 2:2 in Thun bestanden. «Gegen YB haben wir nun keinen Druck», sagt Magnin vor diesem für ihn so besonderen Spiel nach 17 Jahren Gelb-Schwarz; fünf davon als Spieler. Einige Berner wie von Ballmoos, Aebischer, Bürgy und Wüthrich hat er noch selber geformt. Er sagt: «Es ist das Grösste, zu beobachten, wie sich gewisse Spieler weiterentwickeln.»

Und hofft, dass ihm dies auch in Neuenburg gelingt. In den Vorschauen wurde er als jener Trainer gehandelt, der als Erster fliegt. «Immerhin bin ich in einer Sparte Erster», sagt Magnin. Einen aufgeregten Eindruck hinterlässt er nicht.