Eingang – Ausgang – Wolfgang

KONSTANZ. Die Ein-Mann-Unternehmung «Wolfgang – das Musical – hilft» am Theater Konstanz spannt einen hyperaktiven Bogen zwischen Tastenakrobatik und Nonsens-Texten.

Brigitte Elsner-Heller
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«Wolfgang – das Musical – hilft»: Feuerwerk mit Wolfgang Erkwoh. (Bild: Theater Konstanz/Guido Kasper)

«Wolfgang – das Musical – hilft»: Feuerwerk mit Wolfgang Erkwoh. (Bild: Theater Konstanz/Guido Kasper)

Den Mann gibt es nicht alle Tage. Denn «Wolfgang – das Musical – hilft» taucht nicht so oft im Spielplan auf. Zum erstenmal jetzt gerade in Konstanz, denn der Schauspieler Wolfgang Erkwoh ist neu im Ensemble. Dennoch hat er bereits in Herta Müllers «Herztier» auf der Bühne gestanden und zeigt sich jetzt auch als Pinocchio alles andere als hölzern.

Nur keine Romantik

Erkwoh hat sich also für sein Musical im Foyer der Spiegelhalle an einen Tisch gesetzt. Idyllisch: ein Kerzenleuchter mit drei Kerzen, golden schimmert deren Schein vom Paravent im Hintergrund. Weiche, wärmende Musik. Doch Achtung! Das war nur das Vorspiel, bis der letzte Besucher sich endlich für einen passenden Stuhl entschieden hat. Während die Regie das Licht dimmt, das Gemurmel im Zuschauerraum abnimmt, streckt und räuspert sich Wolfgang Erkwoh noch einmal – nur um dann beherzt die Kerzen auszublasen. Bitte keine Romantik, nur keine Wohlfühlatmosphäre! Ohnehin ist er unromantisch schnell. Erst 2012 hat er seinen Abschluss in Hamburg gemacht, hat während des Studiums schon am Deutschen Schauspielhaus und am Thalia Theater gespielt, wo er sein musikalisches Soloprogramm «Wolfgang – das Musical» auch erstmals vorstellte.

Für die weitere Berichterstattung lassen wir einfach unerwähnt, dass das alte Piano des Stadttheaters nicht perfekt gestimmt ist (es klingt nie so, wie man ein Klavier gern hören möchte), aber man gewöhnt sich ja an alles. Wobei es aber auch schade ist, denn zur Überraschung zeigt «der Neue», dass er in der Lage ist, die Tasten so zu betätigen, wie sich das jeder halbwegs musikalische Mensch auch schon mal gewünscht haben dürfte. Erkwoh lässt ahnen, dass er in der Lage wäre, jeder Weihnachtsfeier selige Momente abzutrotzen und sie vom Alkohol abzuschneiden. Aber: Das will der Mann nun rein gar nicht.

«Sie gewinnen ein Bügelbrett»

Längere Melodielinien lässt er nicht zu, Texte, die in den Kanon des Bildungswesens aufgenommen werden könnten, auch nicht. Früher war es einer wie Georg Kreisler, der für den erhabenen Schrecken sorgte, heute ist es einer wie Erkwoh, der Trash produziert (mit der Zeile «Eingang – Ausgang – Wolfgang» nimmt er sich auch selbst hoch). Er singt, mal hoch, mal tief, dabei immer auf dem Punkt. Und benutzt dazu Nonsens-Texte, deren Refrain etwa lautet: «Handy, Schlüssel, Portemonnaie…»

Er spielt für sich, während er für andere singt, nur um dann schnell noch den Werbevertreter zu geben. «Herzlichen Glückwunsch, Sie haben ein Bügelbrett gewonnen. Thilo Sarrazin wurde auf dem Bügelbrett gezeugt.» Das war doch der, der damals den Armen sagen wollte, wo es langgeht. Genau. Kritisch ist er also vielleicht am Rande auch ein wenig, dieser Nonsens zelebrierende Schauspieler. Aber Sätze wie «Das <C> wird unterschätzt» oder «Selbst wenn die S-Bahn kommt, schmeiss ich mich nicht aufs Gleis» sind hier besser.

Das 50minütige Programm ist ein Feuerwerk, das unterschiedliche Muster an den Himmel zeichnet. Manchmal herrscht eher Dunkelheit, dann wieder Farbenfreude. Ein wenig hyperaktiv scheint dieser erstaunliche Neuankömmling Erkwoh zu sein – was bekanntermassen keine typische Konstanzer Haltung ist. Aber vielleicht fliegt er ja nur ein bisschen über. Lassen wir uns überraschen, wie das weitergeht.

Weitere Vorstellungen: Sa, 21./28.12., Fr, 10./17.1., Do, 30.1., Beginn 20 Uhr, Spiegelhalle

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