Einer gegen alle

Wenn Christian Constantin vor vier Jahren gewusst hätte, welche Folgen der Transfer des ägyptischen Goalies Essam El Hadary haben würde – der Präsident des FC Sion hätte sich wahrscheinlich nach einem andern Torhüter umgeschaut.

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schnitt - FC Sion's president Christian Constantin during the UEFA Europa League qualifying round second leg soccer match between Switzerland's FC Sion and Scottish's Celtic Glasgow at the Tourbillon stadium in Sion, Switzerland, Thursday, August, 25, 2011. (KEYSTONE/Laurent Gillieron) (Bild: LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))

schnitt - FC Sion's president Christian Constantin during the UEFA Europa League qualifying round second leg soccer match between Switzerland's FC Sion and Scottish's Celtic Glasgow at the Tourbillon stadium in Sion, Switzerland, Thursday, August, 25, 2011. (KEYSTONE/Laurent Gillieron) (Bild: LAURENT GILLIERON (KEYSTONE))

Wenn Christian Constantin vor vier Jahren gewusst hätte, welche Folgen der Transfer des ägyptischen Goalies Essam El Hadary haben würde – der Präsident des FC Sion hätte sich wahrscheinlich nach einem andern Torhüter umgeschaut. El-Hadary war bei Al-Ahly, einem Klub aus Kairo, noch unter Vertrag, als er ins Wallis wechselte. Die Verantwortlichen des FC Sion verliessen sich auf ein mündliches Versprechen des Vereins, man werde die Freigabe für den Keeper schon erteilen. Ob der Dolmetscher wirklich genau das übersetzte, was die Repräsentanten von Al-Ahly sagten, blieb unergründlich. Der Fall Sion, der eine Prozesslawine auslöste, die ihresgleichen im Fussball sucht, entstand möglicherweise aus einem Übersetzungsfehler.

Peinlicher Fehler der Fifa

Zugute halten muss man Christian Constantin, dass der 54-Jährige nicht am Anfang des juristischen Hickhacks stand. Die Fifa verursachte vielmehr das Chaos, verhängte sie doch die Sanktionen gegen den Verein FC Sion und nicht gegen die Olympique des Alpes, also jene AG, unter deren Dach der Profibetrieb in Sion läuft. Für Constantin ein gefundenes Fressen: Der ohnehin als streitlustig bekannte Präsident holte mit Hilfe eines Heers von Anwälten zum Gegenschlag aus. Constantin kann die zahllosen Prozesse locker finanzieren. Mit seinem Architekturbüro setzt er jährlich gegen 300 Millionen Franken um.

Mit dem Stammplatz in den Medien erhöht er seinen Bekanntheitsgrad ausserhalb des Wallis und der Romandie beträchtlich. Heute genügt es auch in der Deutschschweiz, ihn mit dem Kürzel «CC» vorzustellen. Es hat sich herumgesprochen, dass der zweifache Familienvater Ferraris liebt, jeden auf Anhieb duzt, regelmässig den Posten seines wichtigsten Angestellten, des Trainers des FC Sion, neu besetzt und die Fäden seines Klubs vom seinem Büro in einer schmucklosen Drei-Sterne-Herberge in Martigny aus zieht. 23 Millionen Franken setzt der FC Sion im Jahr um, dazu steuert Constantin aus eigener Tasche vielleicht eine Million bei– mehr nicht.

Besessen von seiner Mission

Christian Constantin ist besessen von seiner Mission, den Vorzeigeklub des Wallis auch zu internationalen Ehren zu führen. Wo immer er meint, sein Klub gerate in Schieflage, wo immer er dem FC Sion nicht wohlgemeinte Kräfte vermutet, da kämpft er. Im Visier hat er vor allem die Fussballfunktionäre. Auf dem Thron der Funktionärshierarchie sitzt mit Sepp Blatter ebenfalls ein Walliser, was den Vorkämpfer des FC Sion in seiner Manie, gegen jeden und alles zu prozessieren, eher noch mehr anzustacheln scheint, als ihn vor Respekt gegenüber dem Fifa-Präsidenten erstarren zu lassen.

Neue Klage angekündigt

Dass die Fifa nun mit scharfen Sanktionen droht, die auch den SFV oder den FC Basel betreffen könnten, lässt Constantin kalt wie gut gekühlter Walliser Weisswein. Spätestens hier übertreibt es der Winkelried vom Wallis. Auch wenn kaum anzunehmen ist, dass Bayern München in der Champions League nun gegen Manchester United und nicht mehr gegen Basel spielt – wie Constantin wieder einmal zurückschlagen will, deutet an, dass ihm der Sinn für die Realität möglicherweise endgültig abhanden gekommen ist. Er hat eine Klage gegen die Fifa-Verantwortlichen wegen Nötigung angekündigt. (zo)