Eine scheinbar verlorene Partie doch noch gewonnen: Fortitudo Gossau siegt im Ostschweizer NLB-Handballderby gegen Kreuzlingen in extremis

Fortitudo Gossau siegt im Spitzenkampf der NLB-Handballer gegen den HSC Kreuzlingen 29:28 und bleibt verlustpunktloser Leader. Die Gäste verspielen ihren Vorsprung in den letzten Minuten.

Fritz Bischoff
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Gossauer Freudentanz nach dem Sieg gegen Kreuzlingen.

Gossauer Freudentanz nach dem Sieg gegen Kreuzlingen.

Michel Canonica

Leidenschaft, Kampf, Energie, Freude, Begeisterung und kollektiver Siegeswille hatte der vor eineinhalb Wochen von seinem Amt zurückgetretene Trainer der NLB-Handballer von Fortitudo Gossau, Oliver Roth, von seinen Spielern jeweils gefordert. Er glaube an die unheimlichen mentalen Stärken des Teams, hatte er gesagt. Genau diese Eigenschaften auszuleben, forderte im Spitzenkampf der Gossauer gegen den HSC Kreuzlingen auch Roths interimistischer Trainernachfolge, Rene Ullmer. Das Kollektiv folgte den Wünschen des Vorarlbergers mit dem erkämpften 29:28-Sieg gegen die Thurgauer und rührte ihn damit am Ende in seinen Gefühlen zu Freudentränen.

«Meine Emotionen sind unbeschreiblich. Mit Mut und Herz hat sich das Team immer wieder zurückgekämpft und eine unglaubliche Moral bewiesen.»

Valon Dedaj als Alleinunterhalter

Eine grosse Portion an Siegeswillen war bei Fortitudo tatsächlich notwendig, um nach vier Runden als einziges Team der NLB verlustpunktfrei zu bleiben. Nach einer ausgeglichenen Startviertelstunde spielte Kreuzlingen immer dominanter auf. Dreh- und Angelpunkt praktisch aller Offensivaktionen war Valon Dedaj. Der Ex-Gossauer überzeugte als Spielgestalter mit klugen Anspielen an den Kreis und auf die Flügel gleichermassen wie als sicherer Tor- und vor allem Penaltyschütze. So erzielte er in der ersten Halbzeit 9 Tore, deren 6 mittels Penalty. Das Heimteam bekam den Regisseur nie in den Griff.

Valon Dedaj drückte dem Spiel seinen Stempel auf.

Valon Dedaj drückte dem Spiel seinen Stempel auf.

Michel Canonica

Dies änderte sich in der zweiten Halbzeit und je älter die Partie wurde. Einerseits liessen bei Dedaj die Kräfte nach, anderseits störte die nun offensiver agierende Gossauer Verteidigung seinen Wirkungskreis entscheidend. Lediglich noch ein Tor gelang ihm nach der Pause. «Das war für unsere Niederlage aber nicht entscheidend. Entscheidend war, dass wir als Team in den letzten zehn Minuten eine schlechte Wurfauswertung und zu viele Fehler hatten», sagte der Thurgauer Topskorer.

Perfekte Gossauer Schlussphase

Über weite Strecken der Partie waren die Gäste das bessere Team und schienen sich einem Sieg entgegenspielen zu können. So lagen sie zur Pause 16:13 vorne, nach 45 Minuten 24:19 und in der 55. immer noch 28:25. Die Präzision im Spielaufbau und bei den Torwürfen wurde bei den Kreuzlingern jedoch immer schlechter. Gossau nutzte dies und steigerte sich in einen eigentlichen Spielrausch. Auf einer starken Defensivleistung mit einem sichern Torhüter Gabor Busa im Rücken aufbauend erzielte das Heimteam in den letzten fünf Minuten bei keinem einzigen Gegentreffer vier Tore zum frenetisch umjubelten 29:28-Erfolg. Gabor Busa freute sich:

Der Gossauer Lukas Osterwalder erzielt einen seiner vier Treffer.

Der Gossauer Lukas Osterwalder erzielt einen seiner vier Treffer.

Michel Canonica
«Unser Teamspirit war unglaublich. Wir haben nie aufgegeben und einen starken Charakter gezeigt.»

Der Goalie wurde mit seiner elften erfolgreichen Abwehraktion 14 Sekunde vor dem Ende zum gefeierten Helden. Doch es war das ganze Team, das sich den Sieg erkämpft und verdient hatte. «Wir sind über die gesamte Spieldauer gesehen sicher mit einem blauen Auge davongekommen. Am Ende zählt aber das letzte Tor, das Tor zum Sieg», freute sich Arie Thür, der in der vorletzten Saison noch bei Kreuzlingen gespielt hatte. Für die Thurgauer endete die Partie in einer bitteren Niederlage. «Wir haben den Sieg verschenkt, denn wir waren das dominierende Team. Aber ich gratuliere Gossau zum Sieg», zeigte sich Trainer Werner Bösch als sportlicher Verlierer.