Eine Notlösung wird zum Markenzeichen

Farbige Hosen und Vollgas auf dem Eis: Das norwegische Team um Skip Thomas Ulsrud ist am European Masters in St. Gallen der Publikumsliebling. «Ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder in schwarzen Hosen zu spielen», sagt der 43jährige Ulsrud.

Lukas Würmli
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CURLING. Am Eröffnungstag des olympischen Curling-Turniers in Vancouver 2010 ging ein Aufschrei durch die norwegischen Medien. Grund dafür war jedoch nicht die Niederlage des Teams um Skip Thomas Ulsrud gegen Kanada, sondern viel mehr die Kleidung der Skandinavier. Die in den Landesfarben gehaltenen Hosen waren eine Notlösung, geplant gewesen waren ursprünglich rote Hosen. Als Second Christoffer Svae jedoch nichts Passendes fand, schlug er dem Team verzweifelt ein kariertes Modell vor. «Es war die beste Idee, die er je hatte», sagt Ulsrud und lacht.

Aus einer Verzweiflungstat wurde ein Markenzeichen, das den Norwegern vieles erleichtert. Inzwischen sind die Hosen berühmter als das Team selbst, das bestätigt auch der Skip. Verhandlungen mit Sponsoren oder selbst die Gewichtung des Curlingsports in den norwegischen Medien – alles sei mit der gewagten Kleidung besser geworden. Selbst ihre Leistungen: Weil sie im Training nun viel mehr lachen, sind die Norweger auch an den Turnieren entspannter. Ulsrud gibt aber auch zu, dass er am Anfang etwas skeptisch war: «Wir schauten aus wie Clowns, sehr verrückte Clowns.»

Turniersieg bei der Premiere

2012 nahmen die Norweger an der ersten Austragung des European Masters in St. Gallen teil. Gerne erinnert sich Ulsrud zurück: «Vor allem der Spass bleibt mir in bester Erinnerung, die Kombination mit dem Breitensportturnier und nicht zuletzt das Nachtleben.» Auch aus sportlicher Sicht lohnt sich für die Norweger der Rückblick. Ohne eine Niederlage konnten sie die Premiere gewinnen. Ulsrud meint, den Grund für seine guten Auftritte in St. Gallen zu kennen: «Dank unserer Erfahrung können wir sehr entspannt an die Spiele herangehen.»

Diese Lockerheit hat die Norweger damals zu Publikumslieblingen gemacht und dies ist auch in diesem Jahr nicht anders. Sein Team komme jeweils mit der Devise nach St. Gallen, Spass zu haben und auf dem Eis Vollgas zu geben. «Jetzt sind ja auch die Frauenteams dabei, das macht es für uns noch schöner», so der 43jährige Ulsrud.

Die Erinnerung ans Casino

Am meisten freut sich Ulsrud jedoch auf das Bankett am heutigen Abend. «Das war bei unserem vergangenen Aufenthalt ein grossartiges Erlebnis, auch wenn ich nach dem Casinobesuch kein Geld mehr hatte.» Obwohl die Norweger am nächsten Tag um den Turniersieg spielten, waren sie bis in die frühen Morgenstunden in der Innenstadt unterwegs. Sie sind sich sicher, dass dies auch in diesem Jahr nicht anders sein wird. «Christoffer spielt sowieso dann am besten, wenn er nur zwei Stunden geschlafen hat», sagt Ulsrud über seinen Second und fügt an: «Einzig Torger Nergard sollten wir diesmal besser früher ins Bett schicken.»

Wenn die Norweger so weiterspielen wie bis anhin, werden sie morgen wieder um den Turniersieg spielen. Wieder werden ihnen viele Zuschauer die Daumen drücken und zum Schluss Jagd auf ein Souvenir, auf ein Paar norwegische Hosen machen. Für Ulsrud gehört dies schon längst dazu und für ihn steht fest: «Ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder in schwarzen Hosen Curling zu spielen.»

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