French Open

Eine neue Rolle für Rafael Nadal in Paris

Der Spanier Rafael Nadal steigt heute für einmal nicht als klarer Favorit ins Turnier von Paris. Nach einer langwierigen Verletzungspause trifft er zudem ungewohnt früh auf Novak Djokovic. Dennoch ist dem Spanier der Triumph zuzutrauen.

Michael Wehrle, Paris
Drucken
Teilen
Rafael Nadal posiert 2005 erstmals mit dem Pokal.

Rafael Nadal posiert 2005 erstmals mit dem Pokal.

KEYSTONE

Schon neunmal stemmte Rafael Nadal den Coupe des Mousquetaires auf dem Court Philippe Chatrier in die Höhe. Vor zehn Jahren stürmte er mit 19 Jahren zum ersten Titel, seither hat er von 67 Partien in Roland Garros nur einmal verloren. 2009 im Achtelfinal gegen den Schweden Robin Söderling. Roger Federer nutzte die Gunst der Stunde zum einzigen Triumph in Paris. Respekt hat sich Nadal mit seinen Leistungen verschafft, doch die Liebe des Pariser Publikums blieb ihm bisher verwehrt.

Ungewohnte Ausgangslage

Heute nimmt er den Kampf um Titel Nummer zehn auf, erster Gegner ist der Qualifikant Quentin Halys: Franzose, 18 Jahre jung, die Nummer 296 der Welt. Er dürfte für Nadal noch kein Stolperstein werden. Doch wenn alles normal verläuft, wartet bereits im Viertelfinal der wohl härteste Widersacher. Novak Djokovic, die unbestrittene Nummer eins der Welt, der Serbe, der im Moment unschlagbar scheint, wenns um einen grossen Titel geht.

Nach Wimbledon verpasste Nadal verletzt fast die gesamte zweite Saisonhälfte, ein kurzes Comeback im Herbst ging in die Hosen. Erst in diesem Jahr kehrte er auf die Tour zurück. Inzwischen ist er auf Platz sieben der Weltrangliste zurückgefallen und trifft deshalb ungewohnt früh auf Djokovic. Erst ein Turnier hat der Spanier in diesem Jahr gewonnen, Ende Februar in Buenos Aires. Ein Turnier der kleinsten Kategorie. «Ich habe wirklich nicht die beste Sandplatzsaison hinter mir», sagt Nadal: «Schrecklich ist sie nicht gerade, aber im Vergleich mit den anderen Jahren natürlich schlecht.»

«Ich lüge nie»

Er fühle sich trotzdem gut. «Aber natürlich fehlt es mir ein wenig an Selbstvertrauen», gibt er zu. Doch seit Januar gehe es ständig aufwärts. Jetzt trainiere er noch ein bisschen härter als sonst und werde dann sehen, was herauskomme. «Ich glaube schon, dass ich gewinnen kann», sagt er. Und wenn es nicht klappe, zähle halt der Rest des Jahres. «Für mich ist es wichtig, dass ich die ganze Saison ohne Verletzungen zu Ende spielen kann», betont er. «Ich lüge nie, wenn es darum geht, meine Form zu schildern, ausser es ist hundertprozentig notwendig», sagt er lachend. Doch das brauche er jetzt nicht, «auf dem Platz kannst du nicht lügen».

Nadal kann Geschichte schreiben. Noch kein Tennisprofi hat ein Grand-Slam-Turnier zehnmal gewonnen, das schaffte bisher nur die Australierin Margaret Court in ihrer Heimat. «Ich hoffe, er schafft es, er würde es verdienen», sagte sogar Federer und glaubt: «Ihn stört es nicht, dass er im Viertelfinal auf Djokovic treffen kann, das ist eher umgekehrt der Fall.»