Eine Medaille, die alle überstrahlt

Giulia Steingruber hat als Kunstturnerin schon viel erreicht. An den Europameisterschaften holte die 21jährige Gossauerin in den vergangenen drei Jahren vier Medaillen. Im Sprung-Final stand sie gar zweimal ganz oben auf dem Podest.

Raya Badraun
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Giulia Steingruber hat als Kunstturnerin schon viel erreicht. An den Europameisterschaften holte die 21jährige Gossauerin in den vergangenen drei Jahren vier Medaillen. Im Sprung-Final stand sie gar zweimal ganz oben auf dem Podest. Und doch wird ihre Mehrkampf-Goldmedaille alle vorangegangenen überstrahlen. Einerseits, weil Giulia Steingrubers Leistung an der EM in Montpellier ein historischer Erfolg ist.

Im Mehrkampf stand an einem europäischen Wettbewerb bisher nur Ariella Kaeslin auf dem Podest. 2009 sicherte sich die Luzernerin an der EM in Mailand die bronzene Auszeichnung. Zum Mehrkampftitel reichte es jedoch noch keiner Schweizer Kunstturnerin – bis jetzt. Dass Giulia Steingruber dies nun an der EM in Frankreich geschafft hat, ist für die Athletin und den Schweizer Turnverband ein grosser Erfolg.

Anderseits leuchtet die Medaille auch heller, weil sie für Giulia Steingruber wegweisend sein wird. Die 21jährige Gossauerin tritt damit nicht nur endgültig aus dem Schatten ihrer erfolgreichen Vorgängerin Ariella Kaeslin. Sie lässt damit auch ihre bisherige Rolle hinter sich. Lange war Giulia Steingruber «nur» die europäische Sprungprinzessin. Diese Rolle stand ihr zwar gut und machte Giulia Steingruber weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Doch die Ostschweizerin kann mehr als das. Sie ist eine komplette Kunstturnerin, die auch am Boden, Stufenbarren und Schwebebalken um die vorderen Plätze mitturnen kann. Dies hat sie gestern im Mehrkampffinal bewiesen und wird – wenn alles nach Plan läuft – es auch heute und morgen in den Gerätefinals nochmals tun.

Nach diesen europäischen Titelkämpfen wird niemand mehr von der Sprungprinzessin sprechen. Giulia Steingruber wird dann die Turnkönigin sein. Diesen Titel hat sie sich verdient.

raya.badraun@tagblatt.ch

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