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Remo Freuler erlebt eine märchenhafte Saison in Italien

Ex-FCL-Spieler Remo Freuler steht mit Atalanta Bergamo im Final der Coppa Italia und hat die Champions League im Visier. Ein Juniorentrainer erzählt von seinen Anfängen.
Sébastian Lavoyer
Remo Freuler steht heute Abend gegen Lazio Rom im italienischen Cup-Final. (Bild: Emilio Andreoli/Getty (Bergamo, 3. März 2019))

Remo Freuler steht heute Abend gegen Lazio Rom im italienischen Cup-Final. (Bild: Emilio Andreoli/Getty (Bergamo, 3. März 2019))

Ein kleines Städtlein im Norden Italiens mischt derzeit die Serie A auf. Und mittendrin: Nati-Star Remo Freuler (27). Mit Atalanta Bergamo ist er seit 13 Spielen ungeschlagen, dank dem 2:1 gegen Genua am Samstag verteidigen sie Platz 4. Noch nie haben die Norditaliener Champions League gespielt, jetzt fehlen noch zwei Runden. Vermutlich genügt ein Sieg, denn Bergamo hat ein deutlich besseres Torverhältnis als die hinter ihm liegenden Traditionsklubs AC Milan und AS Roma. Der Fussball ist gerade dabei, ein weiteres Märchen zu schreiben.

Aber das ist längst noch nicht alles. Freuler könnte heute mit seinem Sieg zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte die Coppa Italia gewinnen. 56 Jahre sind vergangen seit dem bisher einzigen Cupsieg der Lombarden. Und jetzt also die nächste Chance. Das grosse Spiel gegen Lazio in Rom. Freuler ist bei Atalanta nicht irgendein Mitläufer. Er ist unbestrittene Stammkraft, zuletzt gegen Genua übernahm er vom gesperrten Captain, Papu Gomez, die Binde.

«Er war lernwillig wie verrückt»

Längst sollen grössere Teams ihre Fühler nach ihm ausgestreckt haben. Von Milan war die Rede, um Valencia, Lazio und die Roma gab es ebenfalls Gerüchte. Vladimir Petkovic hat seine Qualitäten früher erkannt und ihn seit Sommer 2017 regelmässig für die Nationalmannschaft aufgeboten. Aber erstaunlich ist es nicht, dass bei Freuler alles ein bisschen länger dauert als bei anderen. Er fällt nicht auf, er bleibt länger unter dem Radar als andere, die weniger können. Doch wer ist dieser unscheinbare Fussball-Profi?

Während vier Jahren war Heinz Kohler beim FC Hinwil Trainer von Klein-Remo. «Er kam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder, und wir haben die beiden immer gleich zusammen eine Stufe hochgenommen. Remo war immer der Jüngste und der Kleinste, darum nannten wir ihn Mini», erinnert sich Kohler.

Zusammen mit Heinz Russheim, der heute Leiter der FCZ-Academy ist, hat Kohler im Zürcher Oberland angefangen regelmässige Trainings für Junioren anzubieten. Was damals schon allen auffällt: So klein er auch war, Remo wollte immer gewinnen. «Er war sackehrgeizig und lernwillig wie verrückt», sagt Russheim. Er erinnert sich an Trainings in Frühlings- und Herbstferien, freiwillige Trainings. Bei schlechtem Wetter kam keiner. Ausser Remo Freuler. «Wenn mich heute Nachwuchstrainer fragen, ob es Sinn mache, nur mit drei Spielern zu trainieren, sage ich: Die kleinste Trainingsgruppe umfasst einen Spieler. Das geht auf Remo zurück», erinnert sich Russheim. Schiessen, passen, Bälle kontrollieren – Freuler hat alles mitgemacht. Bis zum Umfallen. Allein.

Kohler erinnert sich an die Konfirmation seiner Tochter: «Da mussten sie alle nach vorne treten und etwas über sich sagen. Auch Remo war dabei. Er stand auf, sagte: ‹Ich bin Remo Freuler und will Fussballprofi werden.› Dann setzte er sich wieder hin und gut war.» Die Episode ist typisch für Freuler. Er ist kein Mann der grossen Worte, keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Interviews mit ihm gibt es nur wenige, Berichte ebenso.

Nach Hinwil führte ihn der Weg via Winterthur zu GC, Luzern und vor rund dreieinhalb Jahren zu Atalanta Bergamo. Aus dem Stürmer wurde ein stiller Schaffer, ein Mann, der die Fäden im defensiven Mittelfeld zieht, der Räume erkennt. Ein Sieg fehlt noch, und er würde sich unsterblich machen im 120 000-Seelen-Städtlein Bergamo. «Lazio liegt ihnen, sie haben ein solches Hoch, da müsste einiges schiefgehen», sagt sein Vater Marcel Freuler. Heute Vormittag reist er mit Remos Mutter Sabine und dessen Bruder Dario nach Rom. Heute ist ein Feiertag im Hause Freuler. Es fehlt nur noch ein Sieg von Remo.

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