Eine geniale Schnapsidee

Ein rosaroter Shot mit Rhabarbergeschmack und 16 Volumenprozent Alkohol sichert Simon Herzog aus Müllheim seit einigen Monaten sein monatliches Einkommen. Mit seiner Firma Schnapspartner GmbH hat der 25-Jährige grosse Pläne.

Stephanie Martina
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Geschäftsidee: In kleinen Fläschchen verkauft Simon Herzog seinen «Zonk»-Rhabarber-Likör und viele weitere Shots mit individuell gestalteten Etiketten und Aromen. (Bild: Reto Martin)

Geschäftsidee: In kleinen Fläschchen verkauft Simon Herzog seinen «Zonk»-Rhabarber-Likör und viele weitere Shots mit individuell gestalteten Etiketten und Aromen. (Bild: Reto Martin)

MÜLLHEIM. Simon Herzog lebt den Traum vieler junger Menschen: Er geht feiern und verbucht es unter Arbeitszeit. Er geht auf Parties, pflegt dabei seine Kundenbeziehungen, liefert Bestellungen aus und nimmt neue entgegen. Das alles dank einem blassrosa Getränk in einer zwei Zentiliterflasche mit 16 Volumenprozent Alkohol und der Aufschrift «Zonk».

Im vergangenen Herbst gründete Simon gemeinsam mit seinem ehemaligen Geschäftspartner die Firma Schnapspartner GmbH. Die Idee der beiden war, ihren eigenen Shot zu vermarkten. Doch während die Idee immer konkreter wurde und sich der Kundenstamm langsam vergrösserte, drifteten die Vorstellungen der beiden immer weiter auseinander. Schliesslich gingen sie getrennte Wege und Simon ist seither Alleininhaber der Firma.

Zum Zeitpunkt der Gründung arbeitete der 25jährige Müllheimer Vollzeit. Doch im November entschied er sich, eine Teilzeitstelle anzunehmen und sich vermehrt auf den Vertrieb seines Shots zu konzentrieren. Ein gewisses fixes Einkommen sei ihm wichtig, obwohl er allein vom Verkauf seines Rhabarberlikörs «Zonk» und der personalisierten Shots (siehe Kasten) leben könnte, sagt Simon. Pro Monat verkaufe er zwischen 4000 und 5000 Stück. «Es würde noch viel mehr drinliegen, wenn ich mehr Werbung machen und öfters in den Aussendienst gehen würde», sagt er.

Keine Kopfschmerzen

Simons Shots bestehen ausschliesslich aus natürlichen Produkten und sind frei von chemischen Farbstoffen. Deshalb habe am nächsten Tag niemand mit Kopfschmerzen und anderen Katererscheinungen zu kämpfen, versichert Simon. Besonders bei Frauen komme der «Zonk» extrem gut an. Und zu seiner eigenen Überraschung hätten auch Männer Gefallen an dem Shot gefunden. «Es gibt viele Männer, die süsse Getränke lieber mögen, das aber nur ungern zugeben», erklärt Simon, der ebenfalls süssliche Getränke bevorzugt. Sein Tip: Einen «Zonk» in ein Glas Sekt geben, das sorge für eine fruchtige Note.

Allgemein eigne sich der «Zonk» gut zum Mischen mit anderen Getränken wie etwa Red Bull, Sprite oder Eistee. Simon plant deshalb, seinen Rhabarber-likör künftig auch in Literflaschen zu vertreiben.

Vernünftiger geworden

Obwohl sich der gelernte Kaufmann bisher nicht über zu geringe Einnahmen beschweren kann und optimistisch in die Zukunft blickt, hat er auch die Schattenseiten der Selbständigkeit kennengelernt. «Solange man Geld hat, ist alles gut», sagt Simon. Doch sobald es fehle, müsse man seine gewohnte Lebensweise komplett umkrempeln. «Früher, als ich ein grösseres fixes Monatseinkommen hatte, lebte ich in Saus und Braus. Ich verdiente nicht schlecht und gab entsprechend viel Geld aus», erinnert er sich. Heute sei das anders: Bei allem, was er sich leisten möchte, überlege er sich mehrmals, ob es wirklich nötig sei, dafür Geld auszugeben. «Ich glaube, ich bin im vergangenen halben Jahr reifer und vernünftiger geworden und habe einen anderen Bezug zu Arbeit und Geld entwickelt.» Nun sei er kein Angestellter mehr, der morgens aufstehe, um ein bisschen arbeiten zu gehen und schon vor Arbeitsbeginn an den Feierabend denke. Jetzt stehe er für sich auf, für seine eigene Firma.

Trinkspiele und Abfüllanlage

Noch steht Simon mit seiner Schnapspartner GmbH am Anfang, doch er freut sich bereits auf die Jahre, in denen seine Firma zum Selbstläufer wird, er nicht mehr so oft auf Promotour gehen muss und stattdessen einen grossen, fixen Kundenstamm beliefern kann. Doch bis dahin gebe es noch viel zu tun. «Ich arbeite daran, Trinkspiele zu entwickeln, die ich meinen Kunden kostenlos zur Verfügung stellen kann, um gleichzeitig meine Shots zu bewerben.» Zudem habe er vor, bei Gelegenheit in eine eigene Abfüllanlage zu investieren, die es ihm ermöglichen würde, Aufträge schneller auszuführen und auch grössere Kunden wie Open Airs oder Clubketten zu beliefern. Simon steckt seine Ziele hoch, dennoch bleibt er realistisch: «Bis es so weit ist, freue ich mich über jeden einzelnen Kunden und jede noch so kleine Bestellung.»