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Eine Frau will eine andere sein

STECKBORN. Hanna Scheuring steht in «Love, Marilyn» auf der Bühne des Phönix-Theaters Steckborn und breitet das Leben der Ikone Marilyn Monroe aus. Die Inszenierung spielt mit der Distanz zwischen Mensch und Idol – und mit der Distanz zwischen Schauspielerin und dargestellter Figur.
Brigitte Elsner-Heller
Hanna Scheuring spielt eine Frau, die sich bis zur Selbstaufgabe mit Marilyn Monroe identifiziert. (Bild: Werner Völker)

Hanna Scheuring spielt eine Frau, die sich bis zur Selbstaufgabe mit Marilyn Monroe identifiziert. (Bild: Werner Völker)

So blond, als sollte dem Wort seine ultimative Bedeutung gegeben werden; Locken, die ein Gesicht mit vollen, roten Lippen umschmeicheln; dazu der verführerische Blick, der in den 50er-Jahren markttauglich kreiert wurde: Das ist die Marke Marilyn Monroe, die Kunstfigur neben der Frau, die als Nora Jeane Baker 1926 ins Geburtsregister eingetragen worden war. 1959 sang sie schliesslich «I Wanna Be Loved by You», was den Ernst der Lage widerspiegelte. Denn das hübsche Liedchen aus dem Film «Manche mögen's heiss» fiel bereits in eine Zeit, in der Norma Jeane (nennen wir sie beim Namen) nicht mehr ohne grössere Mengen Alkohol und Tabletten über die Runden kam. Die Dreharbeiten zum Film waren von ihrer Krankheit belastet. 1956 war sie die dritte Ehe eingegangen, vermutlich ihre glücklichste. Arthur Miller schrieb ihr die Rolle in «Misfits – nicht gesellschaftsfähig» auf den Leib, die Ehe konnte das Filmprojekt nicht mehr retten.

Die Naivität ist passé

Ihr letzter öffentlicher Auftritt war an der Geburtstagsfeier Präsident Kennedys, mit dem ihr eine Affäre nachgesagt wurde. Auf ihrem Totenschein stand als Todesursache «Wahrscheinlich Suizid». Ob ihr Ende auch mit dem Kennedy-Clan zusammenhängt, wurde immer wieder diskutiert. Erwiesen ist, dass Robert Kennedy Stunden vor ihrem Tod bei ihr war.

«Ihre einzige Chance, etwas zu sein, bestand darin, jemand anderes zu sein.» Hanna Scheuring steht in ihrem Stück «Love, Marilyn» auf der Bühne, sie ist Marilyn und dann doch wieder gar nicht. Schnell wird deutlich, dass 50 Jahre nach dem Tod des Idols die Zeiten andere sind. Unausweichlich bleibt auch jetzt der Blick an der weiblichen Gestalt der Schauspielerin und Autorin hängen – blond ja, aber die gespielte oder erzwungene Naivität der 50er ist passé. Hanna Scheuring, die für ihr Spiel um Marilyn in die Rolle einer Frau geschlüpft ist, die wie diese in die Fänge der Psychiatrie geraten ist und sich Marilyn nahe fühlt, ist reflektiert, wo Marilyn sich höchstens durch Charme von einer Situation zu distanzieren wusste (nach dem Skandal um ein Nacktfoto antwortete sie auf die Frage eines Journalisten, ob sie bei der Sitzung wirklich nichts angehabt habe: «Doch! Das Radio!»).

Auf der Bühne herrschen die Töne der Grauskala vor, vom Schwarz des Flügels, den Daniel Fueter als vermeintlicher Psychiater bedient, bis hin zu den weissen Arztkitteln am Ständer. Sarah, die als Marilyns Alias agieren wird, liegt zunächst auf einem Gitterbett der Anstalt ausgestreckt.

Der «Arzt» begleitet die Lieder

Wie ein sanfter Schleier, der dem seelischen Elend seine brutale Härte nehmen soll, hängt ein Gazevorhang vor dem Bett. Auf ihn werden gelegentlich Bilder projiziert, auch Norma Jeanes Schrift, in der sie Gedanken festgehalten oder Briefe an Menschen geschrieben hat, von denen sie sich Hilfe erhofft haben mag. Zu Beginn der Aufführung ein Schreiben an Lee Strasberg, den Schauspiellehrer, der später auch an ihrem Grab sprach.

Hanna Scheuring hat für «Love, Marilyn» Aufzeichnungen Marilyn Monroes herangezogen, zum Teil auch Texte über sie. Auch wenn sie mit ihren blonden Locken die Ikone zitiert, ihre Lieder singt, bleibt eine Distanz erhalten. Schön ausgedrückt ist dies auch in Fueters «Rolle», der auch als Arzt nahezu unbeteiligt bleibt und in den nur Leben kommt, wenn er die Tasten zum Sprechen bringt. Unter Jean Grädels Regie wurde darauf geachtet, das katastrophale Innenleben des Menschen Norma Jeane Baker nicht der Sensationslust preiszugeben, der die Ikone Marilyn Monroe – nicht unverschuldet – ausgeliefert war.

Zum Ende weicht die Distanz

Zu den am längsten nachwirkenden Augenblicken gehört, wie Norma ihren sechsten Geburtstag mit ihrer Mutter Gladys verbringt. Die Freude über eine rosa Jacke und die Puppe vermischt sich mit dem Horror, als kleines Kind in eine Schublade gesperrt worden zu sein. Ungewollt vom Vater, ungeliebt auch von der depressiven Mutter. Heute spräche man von «unsicherer Bindung».

Am Ende erfolgt ein Bruch in der Regie, eine Abwendung von der Distanz. Hanna Scheuring steigt in eine Zinkwanne, taucht unter ins Wasser, das man sich nur sehr kalt vorstellen kann. Wie das Licht anschliessend verlöscht, steht sie wieder vorn auf der Bühne, unbewegt neben dem Mikrophon. Zunächst verschwindet mit ihrem Gesicht ihre Identität im Dunkel, erst dann ist alles Vergangenheit. Nur noch das Tropfen von Wasser ist zu hören. Viel Applaus im Pumpenhaus.

Weitere Vorstellungen: Fr–So, 21.–23.9., Mi–Fr, 3.–5.10., 20.15. Karten: www.phoenix-theater.ch

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